Birgit Gründler ist neue Chefin am Neustädter Amtsgericht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.05.2024 20:00

Birgit Gründler ist neue Chefin am Neustädter Amtsgericht

Birgit Gründler, die neue Direktorin des Neustädter Amtsgerichts – eingerahmt vom Präsidenten des Landgerichts Nürnberg-Fürth Andreas Zwerger (links), dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Nürnberg, Dr. Thomas Dickert (rechts) sowie ihrem Vorgänger Friedrich Weitner. (Foto: Patrick Lauer)
Birgit Gründler, die neue Direktorin des Neustädter Amtsgerichts – eingerahmt vom Präsidenten des Landgerichts Nürnberg-Fürth Andreas Zwerger (links), dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Nürnberg, Dr. Thomas Dickert (rechts) sowie ihrem Vorgänger Friedrich Weitner. (Foto: Patrick Lauer)
Birgit Gründler, die neue Direktorin des Neustädter Amtsgerichts – eingerahmt vom Präsidenten des Landgerichts Nürnberg-Fürth Andreas Zwerger (links), dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Nürnberg, Dr. Thomas Dickert (rechts) sowie ihrem Vorgänger Friedrich Weitner. (Foto: Patrick Lauer)

Da soll noch jemand sagen, die Juristerei wäre eine staubtrockene Angelegenheit: Bei der Amtseinführung der neuen Direktorin des Neustädter Amtsgerichts, Birgit Gründler, wurde am Donnerstagvormittag eindrucksvoll nachgewiesen, dass Juristen nicht nur Humor haben können, sondern im Bedarfsfall auch ausgezeichnete Entertainer abgeben. Und musikalisch sind sie offenbar auch.

Neue Direktorin? Am Amtsgericht? Schon wieder? Ja – nur ganze zwei Jahre blieb Friedrich Weitner den Neustädtern erhalten, schon seit dem 1. Februar dieses Jahres leitet er die Staatsanwaltschaft in Ansbach. Eine Karrieregelegenheit, die er nicht habe verstreichen lassen können, so Weitner gegenüber der Redaktion, doch leicht gefallen sei ihm der Abschied nicht. „Zwei kurze, aber intensive Jahre“ seien das gewesen, erklärte er in seiner Abschiedsrede. Begleitet von einem „wunderbaren Team“ habe er mit Neustadt eine „nette, attraktive Stadt“ kennengelernt und eine hervorragende Zusammenarbeit mit den anderen Behörden erlebt.

„Ihr wart etwas ganz Besonderes”

Was folgte, dürfte in die Geschichte der mittelfränkischen Justiz eingehen. Mit den Worten „Ihr wart etwas ganz Besonderes“ wandte er sich direkt an die fast vollständig erschienene Belegschaft des Gerichts: Nur ein paar warme Worte oder ein Händedruck hätten aus seiner Sicht nicht ausgereicht, um seine Wertschätzung kundzutun. Statt dessen habe er ein Lied auf die Melodie eines „alten Schlagers“ (Tränen lügen nicht; Michael Holm) gedichtet und werde dies jetzt zum Besten geben.

Gesagt, getan: Ob Verwaltung oder Rechtspfleger, ob Justizwachtmeister oder Richterkollegen – allen hatte Weitner eine eigene Strophe gewidmet, sang zur Klavierbegleitung durch seine Ehefrau im weichen Bariton ein echtes Ständchen und erhielt anschließend tosenden Applaus.

Der Liedvortrag selbst war natürlich eine Überraschung, doch die Musikalität der Familie Weitner war es nicht. Sohn Felix sorgte mit der Trompete für die musikalische Umrahmung, Weitner selbst sang zusätzlich noch im von ihm gegründeten Neustädter Justizchor mit (seine Nachfolgerin Birgit Gründler ebenfalls) und Andreas Zwerger, Präsident des Landgerichts Nürnberg-Fürth, der die Begrüßung übernommen hatte, glaubte in Weitner sogar noch weitere Begabungen erahnen zu können: „Nachdem er schon nahezu für das gesamte musikalische Rahmenprogramm verantwortlich zeichnet, würde es mich nicht wundern, wenn er auch das Buffet selbst zubereitet hätte.“

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Das musikalische „Multitool“ geht

Hatte er nicht, aber auch ohne kulinarische Kunstgriffe wurde Weitner jede Menge Anerkennung für sein kurzes, aber intensives Wirken in Neustadt zuteil. Einen eindrucksvollen Karriereweg habe dieser hinter und mutmaßlich auch noch vor sich, so Zwerger und nannte den Kollegen ein „Multitool, vergleichbar mit einem Schweizer Taschenmesser“. Fachlich und menschlich sei Weitner höchst kompetent, habe in Neustadt richterliche Aufgaben in allen Bereichen übernommen, sei mit großem Einsatz und Leidenschaft ans Werk gegangen und habe als Direktor „umsichtig, fürsorglich, einfühlsam und mit Empathie für seine Mitarbeiter“ das Gericht perfekt „nach innen und nach außen repräsentiert“. Die von Weitner initiierte Gründung eines Neustädter Justizchors sei ein weiterer Beleg für das „ausgezeichnete Binnenklima“.

Ähnliche Worte fand anschließend auch Dr. Thomas Dickert, Präsident des Nürnberger Oberlandesgerichts. Ein „überlegter Typ“ sei dieser Weitner, „offen, ruhig, feiner Humor“ und ausgestattet mit einer souveränen Gelassenheit. Die Effizienz des Neustädter Gerichts sei in seiner Amtszeit beispielhaft gewesen, so Dickert: 470 Zivilsachen, 620 Entscheidungen im Familienrecht, 120 abgewickelte Bußgeldverfahren und 490 Strafprozesse seien allein im Jahr 2023 in Neustadt abgewickelt worden – das sei nur möglich, wenn die Führung dafür sorge, „dass alle Rädchen gut ineinander greifen“.

Die „Mama“ als die Idealbesetzung

„Große Fußstapfen“ seien es nun, die Birgit Gründler ausfüllen müsse, doch sowohl Dickert, als auch Weitner selbst zeigten sich überzeugt davon, dass die Nachfolgewahl auf genau die richtige Person gefallen sei. „Es war mein Wunsch“, so Weitner, „das mein Gericht in gute Hände kommt und dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen: es kommt in die besten Hände.“ Birgit Gründler habe eine positive Einstellung, sei entschlussfreudig, organisationsstark, bodenständig und gleichzeitig eine „ausgeprägte Teamplayerin“ attestierte ihr Dickert. Der ihm zugetragene Spitzname „Mama Gründler“ sei ein Beleg für die Wertschätzung ihrer Mitarbeiter. Sie sei nicht nur Weitners Wunschkandidatin – sie sei die „Idealbesetzung“ für dieses Gericht.

Gründler selbst, Mutter zweier Töchter, begann ihre Ansprache mit einer Absage: Nein, sie werde kein Solo singen, um „das Gehör der Anwesenden zu schonen“ – musikalisch könne sie es mit ihrem Kollegen und Vorgänger nicht aufnehmen. Statt dessen erzählte sie von ihrer ersten Begegnung mit Neustadt – damals, als junge Staatsanwältin mit einer Verhandlung bis in die späten Nachtstunden hinein. Die Schwiegereltern hätten sich seinerzeit sogar derartige Sorgen gemacht, weil sie über Stunden nicht erreichbar war, dass eigens eine Polizeistreife alarmiert wurde, um zu prüfen, ob im Gericht tatsächlich noch Licht brenne.

Lob für die gesamte Mannschaft

Dies war der Fall, der Beweis für die justiziable Nachtschicht somit erbracht, und damit war die Basis für eine Verbindung nach Neustadt gelegt, die nun – über ein Vierteljahrhundert später – für die langjährige Richterin in Erlangen erneut zum Tragen kommt.

Auch Gründler, die schon seit dem vergangenen Jahr Weitners Stellvertreterin war, lobte die aktuell 52 Personen umfassende Mannschaft des Gerichts und berichtete von der kreativen hausinternen Verabschiedung ihres Vorgängers: Im Sitzungssaal habe dieser auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, die Servicekräfte durften es sich auf den Richterstühlen bequem machen und ein honoriger Rechtspfleger mimte den grimmigen Justizwachtmeister.

Wie das Urteil bei diesem fröhlichen „Schauprozess“ mit vertauschten Rollen ausfiel und ob Weitners Wechsel nach Ansbach aus Neustädter Sicht schon als Höchststrafe durchging, ließ Gründler abschließend offen. Eines jedoch war sie sich gewiss: „Wir haben hier eine tolle Mannschaft und ich freue mich auf die Aufgabe.“


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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