Gebannt schauen die Menschen im vollen Sitzungssaal des Ansbacher Amtsgerichts auf den großen Bildschirm an der Wand hinter der Richterin. Ein Video von einer Motorradfahrt ist zu sehen, die Kamera sitzt wohl auf dem Helm des Fahrers. Er rast. Deutlich sind die Angaben auf dem Tacho zu erkennen. Deutlich sind die Windgeräusche zu hören.
197 km/h. 230 km/h. 272 km/h. Erst auf einer Staatsstraße, dann auf einer Bundesstraße. Von Cadolzburg im Landkreis Fürth, über Großhabersdorf, Münchzell, Bruckberg und Obereichenbach bis nach Ansbach geht die Fahrt. Am 16. Oktober 2024, einem Mittwoch, zwischen 16.15 Uhr und 16.38 Uhr, also im Berufsverkehr.
Anfangs bremst der Motorradfahrer noch ab, wenn vor ihm ein langsameres Auto auftaucht und Gegenverkehr herrscht. Irgendwann ist auch das egal. Er macht quasi in der Mitte der Straße eine eigene Spur für sich auf. Durch den Zuschauerraum im Gerichtssaal geht ein erschrecktes Raunen. Ist das wirklich echt? Fast wirkt es wie ein Videospiel.
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