Einen interkommunalen Windpark wollen die Städte Ansbach und Merkendorf zusammen mit den beiden Marktgemeinden Lichtenau und Weidenbach realisieren. Noch gibt es viele Fragezeichen. Aber in einer Infoveranstaltung rührten die Bürgermeister eifrig die Werbetrommel für das Vorhaben.
Südlich der Autobahn zwischen Winterschneidbach und Zandt gibt es schon ein Vorranggebiet für Windkraftanlagen. Im Regionalplan ist es als WK25 eingezeichnet. Drei Windräder drehen sich dort bereits, zwei auf Ansbacher Stadtgebiet, eines auf der Lichtenauer Seite der Gemarkungsgrenze. 2017 wurden sie errichtet.
Sie waren es auch, die die meisten Besucher ins Merkendorfer Bürgerzentrum gelockt hatten. Sie wollten ihren Frust los werden, weil sie vom Schattenwurf genervt sind. Und sie hatten zum anderen erwartet, dass ihnen konkrete Pläne vorgelegt werden, was noch hinzukommen soll. Anzahl, Standorte und Höhen der Anlagen – für Angaben hierzu ist das Projekt aber noch nicht weit genug, wie Merkendorfs Bürgermeister Stefan Bach mehrfach betonte.
Er und seine Bürgermeisterkollegen Markus Nehmer (Lichtenau) und Willi Albrecht (Weidenbach) sowie Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner wollten vielmehr von ihrer Idee eines gemeinsamen Windparks überzeugen. Denn bei einer solchen interkommunalen Zusammenarbeit gibt es die Möglichkeit, gezielt die Menschen aus dem Umfeld zu beteiligen.
Somit hätten sie nicht nur ein Windrad vor der Nase, das durch Schattenwurf und Infraschall eine Belastung sein kann, sondern würden als Investoren auch profitieren, wie Windkümmerer Erich Maurer von der Energieagentur Nordbayern ausführte. Selbst wer kein Geld in das Projekt steckt, könnte beispielsweise durch vergünstigte Strompreise eine Vergütung erhalten, gab er als weitere Idee aus.
Vermutlich drei, vielleicht auch vier zusätzliche Windräder könnten in dem Bereich entstehen, wenn der Regionale Planungsverband Westmittelfranken das bisherige Vorranggebiet WK 25 vergrößert, schätzt Regionsbeauftragter Dr. Rainer Fugmann. „Wir bringen damit sehr viel Wertschöpfung in die Region“, gab Maurer zu bedenken. Immerhin kostet ein Windrad aktuell etwa zehn Millionen Euro. „Begreifen Sie das auch als Chance.“
Eine Realisierung wird nach seiner Einschätzung ein paar Jahre in Anspruch nehmen. Eine Inbetriebnahme kann er sich 2028 vorstellen. „Das kann aber auch ein Jahr früher oder später sein“, erläuterte Maurer.
Die heutigen Windräder sind höher als jene vergangener Tage. Die drei bestehenden Anlagen haben eine Nabenhöhe von 120 beziehungsweise 140 Metern. Da ist man bei einer Gesamthöhe mit den Rotorblättern von rund 200 Metern. Neue Anlagen erreichen hingegen eher 270 bis 280 Meter, machte Windkümmerer Maurer deutlich.
Dass die Kommunen ausgerechnet jetzt mit dem Plan an die Öffentlichkeit gegangen sind, hat einen Grund: Sie wollen ihren Zeitvorsprung nutzen. Denn noch sind die Ideen zu den Vorranggebieten des Regionalen Planungsverbands nicht öffentlich. Doch potenzielle Investoren wissen natürlich, dass sich etwas tun wird und versuchen Vorverträge mit Grundstückseigentümern zu machen.
Bürgermeister Bach bat mehrfach mit Nachdruck darum, hier nicht vorschnell etwas zu unterschreiben. „Hören Sie sich auf jeden Fall erst an, was wir hier als Kommunen planen“, sagte Bach.
Viel mehr Einfluss auf die Windräder hat die Bevölkerung, wenn es sich um Bürgeranlagen handelt, das betonte Windkümmerer Maurer ausdrücklich. Das beginnt beim genauen Standort und endet mit den Abschaltzeiten wegen Schattenwurfs, die ein auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteter Investor natürlich möglichst klein halten will.
„Unsere Kinder sollen auch noch etwas davon haben“, sagte Lichtenaus Bürgermeister Markus Nehmer. Das sei aber nur bei eigenen Anlagen der Fall, nicht bei der Realisierung durch einen Investor. Dem pflichtete der Weidenbacher Rathauschef Wilhelm Albrecht bei: „Das ist vielleicht ein Spielplatz pro Kommune“, umriss er, wie hoch die Einnahmen aus einem solchen Windpark einmal sein könnten. „Letztendlich geht es darum, die Raiffeisen-Idee umzusetzen: Das Geld des Dorfes soll im Dorf bleiben“, erklärte Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner.