Westmittelfranken: Kein Eldorado für die Windkraft | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.05.2024 17:00

Westmittelfranken: Kein Eldorado für die Windkraft

Schon heute drehen sich in Westmittelfranken mehr Windräder als in Südbayern, aber der Einsatz dieser Energiequelle soll noch deutlich ausgebaut werden. (Foto: Thomas Schaller)
Schon heute drehen sich in Westmittelfranken mehr Windräder als in Südbayern, aber der Einsatz dieser Energiequelle soll noch deutlich ausgebaut werden. (Foto: Thomas Schaller)
Schon heute drehen sich in Westmittelfranken mehr Windräder als in Südbayern, aber der Einsatz dieser Energiequelle soll noch deutlich ausgebaut werden. (Foto: Thomas Schaller)

Der regionale Planungsverband (RPV) Westmittelfranken und der Netzbetreiber N-ergie sehen sich als Vorreiter bei der Planung der Energiewende. Trotzdem läuft längst nicht alles rund. Die Verantwortung dafür sieht man aber in der Politik, wurde bei der Verbandsversammlung des Planungsverbands in Gunzenhausen deutlich.

Die Verbandsversammlung tagt in der Regel nur alle sechs Jahre. Dass man nun trotzdem auf der Hensoltshöhe zusammenkam, liegt daran, dass die Planung für die Standorte neuer Windräder in Westmittelfranken – auch als Region 8 bekannt – jetzt fertig ist.

Der Planungsverband und vor allem der Regionsbeauftragte Dr. Rainer Fugmann hatte seine Arbeit in den letzten zwei Jahren fast komplett auf die Windkraftzonierung konzentriert. Die Herausforderung besteht darin, dass ein Bundesgesetz verlangt, dass auf 1,8 Prozent der Fläche Windräder Vorrang haben müssen. Gelänge das nicht, wäre die kommunale Planungshoheit verloren und Windkraftanlagen dürften theoretisch überall privilegiert gebaut werden.

Viele Ausschlussgründe sind zu berücksichtigen

Die Verpflichtung müsste nach einem Zwischenschritt erst im Jahr 2032 vollständig erfüllt werden, aber der Planungsverband will schon jetzt eine dauerhafte Lösung. 294 Potenzialgebiete wurden unter Einbeziehung der Kommunen bewertet. Ausgewiesen werden Vorrang- und Vorbehaltsgebiete, Ausschlussgebiete und „weiße Flächen“, wie es Fugmann ausdrückte. Vor allem militärische Interessen erschwerten ihm die Suche, auch wenn sich die US-Armee gesprächsbereit gezeigt habe. Natur-, Arten-, Wasser-, Landschafts- und Denkmalschutz sind weitere Gründe, warum nicht überall Windräder gebaut werden können. Landschaftsschutzgebiete wurden einbezogen. In ihnen können aber nicht die Kommunen die Leitplanung erstellen, sondern nur der RPV.

Am Ende blieben 2,02 Prozent der Fläche als Vorranggebiete (8700 Hektar) übrig. Mit dieser Planung geht der Verband nun offiziell ab 6. Mai in die zwei Monate lange Phase der öffentlichen Beteiligung bis 28. Juni. Die Pläne sind im Internet unter www.region-westmittelfranken.de zu finden. Wenn alles klappt, könnte schon im September der endgültige Beschluss über die Änderung des Regionalplans fallen. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir es schaffen“, sagte der Regionsbeauftragte, „aber wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Westmittelfranken ein Eldorado für die Windkraft ist“.

Ziel ist es dann, den Großteil der Wertschöpfung in der Region zu halten. Davon erhoffen sich Fugmann und der Verbandsvorsitzende, der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig, dass ein Großteil der Wertschöpfung in der Region bleibt und somit die Akzeptanz für die Windkraft hoch ist.

Der aktualisierte Regionalplan ist auch die Grundlage für den Stromnetzausbau durch den Netzbetreiber N-ergie, den Rainer Kleedörfer (Leiter Unternehmensentwicklung) vorstellte. Er sieht insgesamt 198 Maßnahmen vor.

Kleedörfer berichtete von einem aktuell sehr starken Ausbau der Erneuerbaren Energien. Allerdings sei der prognostizierte Anstieg des Stromverbrauchs in Deutschland bisher ausgeblieben. Im Gegenteil, der Verbrauch sei seit 2018 zurückgegangen. Daher forderte er von der Politik eine Überarbeitung der aus heutiger Sicht unrealistischen Vorhersagen, damit keine unnötigen Kapazitäten gebaut werden.

Teuer wird es für die Stromkunden sowieso, denn sie müssen den Milliardenaufwand für neue Leitungen und Umspannwerke letztlich bezahlen. Die neuen Leitungen würden nur für einen Bruchteil des Jahres benötigt – wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Damit auch nachts und bei Flaute genug Strom da ist, müssten dringend mehr große Speicher an Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebaut werden, mahnte er. Immerhin könne das Netz besser genutzt werden, wenn Solar- und Windstromerzeugung kombiniert werde.

Im Sommer sind Abschaltungen nötig

Die Windkraftanlagen auf den Flächen, die nun im Regionalplan ausgewiesen werden, könnten um das Jahr 2030 fertig werden, erwartet er. Aufgrund des rasanten Ausbaus und der fehlenden Netzkapazitäten, vor allem bei der Übertragung in das europäische Netz, kündigt er in diesem Sommer umfangreiche Abschaltungen von Freiflächen-Photovoltaikanlagen und Windrädern an. Private Dachanlagen sind davon nicht betroffen.

So schnell wie möglich will die N-ergie daher eine weitere Kuppelstelle ins europäische Netz bei Markt Bibart errichten. Drei solche Kuppelstellen gibt es schon, drei weitere über die in Markt Bibart hinaus sollen folgen. Hans Henninger, stellvertretender Ansbacher Landrat und Bürgermeister von Flachslanden, lobte, dass sich der Netzausbau der N-ergie sehr geändert habe. Zunächst sei es „relativ zäh“ vorangegangen, aber nun werde dafür gesorgt, „dass das, was geplant wird, auch ins Netz gebracht werden kann.“


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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