Aufgeheizte Innenstädte, vermehrte Starkregenereignisse und steigende Temperaturen: Eine Orientierungshilfe, wie den Auswirkungen des Klimawandels auf regionaler Ebene begegnet werden kann, ist die kommunale Wärmeplanung. In Feuchtwangen sieht man sich bis zur endgültigen Umsetzung auf einem guten Weg.
Noch ist etwas Zeit, denn Kommunen unter 100.000 Einwohner müssen eine entsprechende Planung erst bis Juni 2028 vorlegen. Durch die Vielschichtigkeit der verschiedenen Ansätze, mit der die Wärmewende zu betrachten ist, kommt dennoch viel Arbeit auf die Städte und Gemeinden zu.
„Es ist aber zu schaffen”, meinte Professor Dr. Haresh Vaidya vom Campus Feuchtwangen. Der diplomierte Ingenieur und Leiter der Einrichtung schilderte im Ausschuss für Umwelt-, Klimaschutz, Landwirtschaft und Forsten den aktuellen Stand und warf durch die Expertenbrille einen Ausblick auf das anstehende Procedere.
Die ersten Schritte auf einem langen Weg sind freilich längst getan, wie Bürgermeister Patrick Ruh erklärte. Man habe in dem Prozess „viel vorgearbeitet”, im kommenden Jahr soll es dann laut Ruh über den Stadtrat schon konkret werden. In Feuchtwangen sei man mit den Planungen zur angepeilten Dekarbonisierung jedenfalls auf einem guten Stand, ließ Professor Dr. Haresh Vaidya in seinen Ausführungen durchblicken und bot eine Zusammenarbeit an: „Wir können die Stadt mit unserem Knowhow unterstützen.”
Noch sind die vom Freistaat mit maximal 120.000 Euro bezuschussten Planungen aber nicht vergeben, weshalb sich der Experte auf die Schilderung der grundsätzlichen Vorgehensweise der kommunalen Wärmeplanung beschränkte. Dabei ging es zunächst um die Hintergründe und die gesetzlichen Grundlagen. Vaidya ging auf die in Bayern seit diesem Jahr mögliche Vereinfachungen der Planungen ein. Es gebe „maßgeschneiderte Lösungen” für Kommunen jeder Größenordnung. Wobei für Feuchtwangen mit seinen rund 12.500 Einwohnern zwar nicht das vereinfachte, jedoch das verkürzte Verfahren umsetzbar sei.
Das ist für Kommunen vorgesehen, die sich wie viele Gemeindegebiete rund um Feuchtwangen insbesondere für eine dezentrale Versorgung eignen und bei denen kein Nahwärmenetz wahrscheinlich ist. Der Aufwand der Vorplanung ist reduziert, weil einzelne Prozessschritte ausgelassen werden können und das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie die Kommunen mit Kurzgutachten, Leitfäden und Musterleistungsverzeichnissen unterstützt.
Die Hauptarbeit besteht laut Campus-Professor Vaidya in der Bestandsanalyse. „Das ist der größte Schritt, weil die Kommunen oft nicht wissen, wie die Lage ist.” Bereits bestehende Analysen könnten dabei zusammengefasst werden, wobei viele Fragen zu klären sind. Wie ist der Ist-Zustand der Wärmeversorgung? Wie viele Gebäude werden beheizt? Dezentral oder nicht? Wie viele Treibhausgase werden erzeugt? Welche Wärmeversorgungsarten sind in der Zukunft möglich?
Fragen über Fragen. Und über allem steht die gesetzliche Vorgabe des Bundes, bis 2045 klimaneutral zu werden. „In 20 Jahren auf null zu kommen, das wird nicht leicht”, warf der Experte einen allgemein kritischen Blick voraus. Die energetische Optimierung von Gebäuden bezeichnete Vaidya als einen zentralen Bestandteil, um den Wärmeverbrauch zu senken. „Das ist der leichteste Schritt.”
Es gehe bei der nächsten Etappe darum, Einsparpotenziale etwa im Bereich Wärmenetze und Biomasse zu identifizieren und die verschiedenen Möglichkeiten der Versorgung aufzuzeigen, schilderte der Campus-Chef. Lägen am Ende alle relevanten Daten wie zu Energieverbrauch und -emissionen vor, müsse daraus ein Zielszenario entwickelt werden und die dazugehörige Umsetzungsstrategie.
Wie Umweltreferent Ralf Hübsch (CSU) derweil ins Gedächtnis rief, habe die Stadt vor einigen Jahren Planungen für ein Fernwärmenetz aufgenommen, wegen der hohen Kosten aber wieder verworfen. Nun würden die ursprünglichen Planungen zur Biogas-Methanisierung wieder aufgenommen und damit Bestandteil des Konzepts. Mit solch „grünem Gas” könnte „ein erheblicher Teil der Wärmeversorgung” abgedeckt werden, wie der Umweltreferent anmerkte.
„Bei den Datengrundlagen haben wir schon viel gemacht, und Potenziale haben wir entwickelt”, schilderte Hübsch den aktuellen Stand aus seiner Warte. Der Ausschuss sprach sich in der Folge dafür aus, die nötigen Mittel für die kommunale Wärmeplanung in den Haushalt des kommenden Jahres einzustellen und im Stadtrat die entsprechenden Beschlüsse zu fassen.