Für das gemeinsame Windkraftprojekt von Ansbach, Merkendorf, Lichtenau und Weidenbach ist mit der erfahrenen Firma HEG Energie aus Geslau nun ein Projektentwickler im Boot. In einem Vertrag wurde die Kooperation festgezurrt. Vor 2028 wird aber sicher nicht gebaut.
Das erklärte HEG-Geschäftsführer Günther Heidingsfelder bei der Vertragsunterzeichnung im Ansbacher Stadthaus. Das Jahr 2028 hatte Windkümmerer Erich Maurer schon bei der ersten Vorstellung der Idee im Bürgerzentrum in Merkendorf im Januar 2024 als realistischen Zeitpunkt für die Umsetzung genannt.
Dass sich alles noch etwas hinzieht, habe mit den erforderlichen Gutachten und den Genehmigungen zu tun, machte Heidingsfelder deutlich. Auch die vorgesehenen Rotoren haben eine längere Lieferzeit. „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit”, erläuterte er gegenüber der FLZ. Es gehe nicht um eine Gewinnmaximierung, sondern um eine „sinnvolle Anzahl von Anlagen, die langfristig von der Region getragen werden”.
Ohnehin seien noch einige Dinge zu klären. So bleibt die Frage, wie viele Windräder auf dem etwa 150 Hektar großen Windkraft-Vorbehaltsgebiet WK 211 untergebracht werden können. Die Fläche liegt etwa mittig zwischen Nehdorf und Bammersdorf, östlich der Bahnlinie. Bei der Vertragsunterzeichnung waren Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner sowie seine Amtskollegen Willi Albrecht (Weidenbach), Stefan Bach (Merkendorf) und Markus Nehmer (Lichtenau) sehr darauf bedacht, sich in dieser Frage nicht festzulegen. Am wahrscheinlichsten sind wohl drei bis fünf neue Rotoren, konnte man aus den Antworten der vier Rathauschefs und von Projektentwickler Heidingsfelder heraushören.
Es soll ein Bürger-Windpark werden. Das bedeutet, dass sich die Kommunen selbst oder ihre Stadt- beziehungsweise Gemeindewerke und die Menschen aus der Region finanziell beteiligen können. Heidingsfelder geht grob davon aus, dass drei Viertel der Investition über Banken und Sparkassen finanziert werden. Der Rest soll auf die Investoren verteilt werden, wobei nach dem Zwiebelprinzip verfahren wird. Also zunächst haben jene Zugriff, die am nächsten wohnen, dann geht es immer weiter nach außen.
Die Kosten je Windrad lassen sich laut Heidingsfelder grob mit zehn Millionen Euro veranschlagen. Geht man also von vier Anlagen aus, wären es rund zehn Millionen Euro, die auf diese Weise gesammelt werden sollen.
Die Voraussetzungen im WK 211 sind nach Ansicht von Heidingsfelder ideal. Man liegt nahe an der bestehenden Strominfrastruktur mit dem Umspannwerk Winterschneidbach. Es gebe bereits „gute Gespräche“, was die Einspeisung des erzeugten Ökostroms angeht, sagte Heidingsfelder. Für viele Projekte ist das zurzeit das K.o-Kriterium.
Das Gebiet ist zudem von der Autobahn aus direkt erreichbar. Die interkommunale Zusammenarbeit schafft Planungssicherheit. Auch die Nähe zu Industriebetrieben – beispielsweise in Brodswinden – ist gegeben. Er könne sich hier eine Kooperation mit einem Betrieb gut vorstellen, meinte Heidingsfelder. Er plant zudem die Integration eines Stromspeichers. Das sorge für mehr Netzstabilität und eine verlässliche Versorgung von Gewerbe.
Etwa 90 Prozent der rund 100 Grundstückseigentümer sind im Boot und haben einen Gestattungsvertrag unterzeichnet, lobte der Projektierer die breite Zustimmung. Dabei weiß noch keiner, auf welchen Grundstücken das Fundament für die Betonspargel stehen wird. Je näher ein Grundstück liegt, desto mehr Entgelt gibt es für die Eigentümerin oder den Eigentümer. Einziger kleiner Wermutstropfen des Gebietes sind die militärischen Belange. Die Anlagen dürfen maximal eine Höhe von 220 Metern haben. Ganz allgemein gilt die Formel: je höher, desto mehr Wind.
Bei der Vertragsunterzeichnung betonten alle vier Rathauschefs, wie wichtig es ihnen ist, dass das Vorhaben von der Bürgerschaft mitgetragen wird. Deshalb freuten sie sich über die vielen Eigentümerinnen und Eigentümer, die mitmachen, und über die Möglichkeit für die Menschen in der Region, sich als Investor an dem grünen Stromprojekt zu beteiligen. „Es ist im Sinn von Raiffeisen. Das finden wir gut”, sagte OB Thomas Deffner und Willi Albrecht pflichtete ihm ausdrücklich bei. „Es war uns wichtig, die Bevölkerung und die Eigentümer ins Boot zu holen.”
Bürgermeister Stefan Bach lobte die gute Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahren. Das Vorgehen sei stets trotz der unterschiedlichen Größe der beteiligten Kommunen auf Augenhöhe besprochen worden, lobte Bach. „Es hat etwas gedauert, aber dafür haben wir wirklich sehr viel richtig gemacht”, befand sein Kollege Markus Nehmer.
Lob gab es auch für Windkümmerer Erich Maurer, der das Projekt von Anfang an begleitet hat. Er habe mit seiner Erfahrung dafür gesorgt, dass sich alle Beteiligten stets gut mitgenommen wussten.
Dieser Text wurde erstmals am 16. Februar 2026 publiziert.