In Westmittelfranken wird derzeit an der Ausweisung von Windvorranggebieten gearbeitet. Dazu fand dieser Tage ein Austausch mit Professor Dr. Roland Börger, dem Präsidenten des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, statt.
Eingeladen hatten zu der Veranstaltung in Raitenbuch (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) der Bundestagsabgeordnete Niklas Wagener und der Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig (beide Grüne). Wagener ist unter anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags. Martin Stümpfig Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Landtags und energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion.
In Westmittelfranken und den angrenzenden Gebieten gibt es eine Vielzahl von militärischen Einrichtungen. Für die Bundeswehrstandorte in Niederstetten (Main-Tauber-Kreis) und Neuburg an der Donau sowie die beiden Hubschrauberstandorte der US-Streitkräfte in Katterbach (Stadt Ansbach) und Illesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) muss ein reibungsloser Flugbetrieb sichergestellt werden, heißt es in einer Pressemitteilung zu dem Treffen.
Moderne Windkraftanlagen haben eine Flügelspitzenhöhe von 250 Metern. Die Höhe sei ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit, wird in der Mitteilung argumentiert. Werde die Anlagenhöhe um 30 Meter reduziert, sinke sowohl nach Aussagen von Experten der Stromertrag um 28 Prozent, als auch die Chance über das Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Zuschlag zu bekommen.
Die modernen Windkraftanlagen stoßen damit in Höhenbereiche vor, die zu Konflikten mit den militärischen Belangen führen. Die Folge: Regelmäßig werden Voranfragen zu potenziellen Windkraftstandorten mit negativen Stellungnahmen der Bundeswehr oder der US-Amerikaner beantwortet.
Eine Vielzahl von Gemeinden in der Region könnten deshalb ihre geplanten Windkraftprojekte nicht umsetzen. Der dreistündige Austausch mit Bürgermeistern, Fachplanungsstellen und Projektierern aus der Region habe dazu geführt, dass die jeweiligen Argumente besser verstanden werden.
Die Tiefflugrouten sind von der Bundeswehr seit 2022 festgelegt und grundsätzlich frei zu halten. Von Seiten der Bundeswehr wurde bei sonstigen Beschränkungen außerhalb dieser Tiefflugrouten zugesichert, dass die konkreten Einzelfälle gesondert geprüft werden.
Im Gegenzug wurde den Verantwortlichen der Bundeswehr erläutert, welche Wertschöpfung in der Region eine Anhebung um 30 Meter ermöglicht. Sollte der Fall eintreten, dass alle Anfragen zur Anhebung von Flugzonen oder zur Findung von Kompromissen erfolglos sind, könne das gesetzlich festgeschriebene Ziel zur Ausweisung von 1,8 Prozent der Fläche in Westmittelfranken nicht erreicht werden.
Aktuell stehen in den drei Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen sowie in der Stadt Ansbach rund 200 Windräder. Der zuständige regionale Planungsverband (RPV) habe als erster Verband in Bayern die notwendigen Flächen zusammengestellt und werde diese Ende 2024 festlegen. Zu den 200 bestehenden Anlagen werde ungefähr noch mal die gleiche Anzahl gebaut werden, heißt es. Der RPV plant derzeit die Ausweisung von zusätzlich rund 8700 Hektar Windvorrangfläche.
MdL Stümpfig zeigte sich sehr zufrieden mit dem Treffen: „Die intensive Besprechung mit dem Präsidenten der Infrastrukturabteilung der Bundeswehr hat uns einen großen Schritt weitergebracht. Wir konnten den Verantwortlichen auch näherbringen, was für uns auf dem Spiel steht”, so Stümpfig.