Neujahrsempfang in Dinkelsbühl: „Noch nicht Krieg, aber auch nicht Frieden“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.01.2026 10:00

Neujahrsempfang in Dinkelsbühl: „Noch nicht Krieg, aber auch nicht Frieden“

In der vollbesetzten Schranne überbrachte Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer die Grüße der Stadt. (Foto: Peter Tippl)
In der vollbesetzten Schranne überbrachte Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer die Grüße der Stadt. (Foto: Peter Tippl)
In der vollbesetzten Schranne überbrachte Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer die Grüße der Stadt. (Foto: Peter Tippl)

Die Geschwindigkeit der sich verändernden politischen und militärischen Weltlage thematisierte Oberstleutnant Manfred Scholl beim Neujahrsempfang der Reservisten der Kreisgruppe Mittelfranken-Süd in Dinkelsbühl.

Kreisvorsitzender Rainer Breit, Major der Reserve, eröffnete die Veranstaltung in der Schranne mit einem Blick auf die geografische Ausdehnung der Kreisgruppe-Süd. Diese erstreckt sich über die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen von Dinkelsbühl über Wassertrüdingen bis Gunzenhausen und südlich bis ins Altmühltal bei Bieswang und hat rund 1000 Mitglieder.

Rückblick auf 2025

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr nannte Breit unter anderem Nacht- und Orientierungsmärsche, Fort- und Ausbildungen und Werksführungen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Manfred Stange ehrte er langjährige Mitglieder.

Ehrenvorsitzender Robert Höhenberger hieß weit über 50 Ehrengäste aus Blaulichtorganisationen, Vereinen, Politik, Reservisten- und Bundeswehrverbänden sowie die Vertreter der Ortsvereine und Kameradschaften willkommen.

„gemeinsame Verantwortung, die Zivilgesellschaft zu stärken”

Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer sprach die „gemeinsame Verantwortung, die Zivilgesellschaft zu stärken” an, die die Anwesenden vereine. Er dankte ihnen für die Hilfe bei Katastrophenfällen, in der Ausbildung und bei gesellschaftlichen Aktionen wie dem Christbaumsammeln der Reservisten in Dinkelsbühl.

Optimismus für dieses Jahr wünschte der stellvertretende Landrat Stefan Horndasch. Er bezeichnete die Reservisten als „Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft und militärischem Know-How”. CSU-Landtagsabgeordneter Helmut Schnotz plädierte dafür, die Zivilbevölkerung mit dem Operationsplan Deutschland zu sensibilisieren.

„Noch nicht Krieg, aber auch nicht Frieden“

„Noch nicht Krieg, aber auch nicht Frieden“ hatte Manfred Scholl seinen Vortrag überschrieben. Er äußerte sich besorgt über die Geschwindigkeit der Veränderungen. Nahezu über Nacht müssten sich Politik und Menschen auf neue Gegebenheiten einstellen. Ein Imperialismus wie im 19. Jahrhundert mache sich breit, die Globalisierung greife nicht mehr und die Bedrohung durch Russland steige. Die Politik in Amerika werde von Drohungen dominiert und völkerrechtlich bedenkliche Aktionen durchgeführt. „Das Recht des Stärkeren scheint die neue politische Ordnung”, meinte Scholl.

„Marschtempo” müsse erhöht werden

Die Aufgaben müssten Verteidigungsbereitschaft und Verteidigungswilligkeit sein, stärkerer Schutz der Infrastruktur und ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Große Herausforderung für die Bundeswehr sei die Personalgewinnung: von derzeit 184.000 Dienstleistenden zu 260.000 Soldatinnen und Soldaten in zehn Jahren. Dazu sollen noch 200.000 Reservistinnen und Reservisten bereitstehen. Die Gesamtgesellschaft stehe vor großen Herausforderungen auf einem steinigen Weg – dieser wurde bereits begonnen, aber das „Marschtempo“ müsse erhöht werden, so Manfred Scholl.

Abgeschlossen wurde der Neujahrsempfang mit dem Dank des Kreisvorsitzenden Breit an das Organisationsteam und der von den Musikern der Dinkelsbühler Knabenkapelle begleiteten Bayernhymne und der deutschen Nationalhymne.

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