Eines der sonnenreichsten Gebiete in Süddeutschland, zu einem Drittel vom Wald bedeckt und jede Menge Schutzgebiete für Pflanzen und Tiere. Das ist der Naturpark Frankenhöhe. Er besteht seit 50 Jahren, aber seine Blütezeit hat gerade erst begonnen.
„Bereits vor 50 Jahren erkannte man die Notwendigkeit, unsere Kulturlandschaft zu schützen“, erinnerte Renate Hans bei der Geburtstagsfeier auf Burg Colmberg an die Anfänge. Die Bürgermeisterin von Lehrberg ist Vorsitzende des Trägervereins, zu dem alle 42 Gemeinden im Gebiet des Naturparks und die Landkreise Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gehören. Mit dabei sind Behörden, Verbände und Organisationen aus Tourismus, Naturschutz, Landwirtschaft und Forsten.
Neben dem Wald prägen die Landschaft die Streuobstwiesen, die bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten Lebensräume bieten. Viel Sonne und wenig Regen ermöglichen große Flächen an wertvollem Trockenrasen, wie sie in Bayern selten geworden sind, sagte Dr. Christian Barth. Der muss es wissen, weil er der Amtschef im Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ist. Er vertrat beim Festakt am Donnerstag Umweltminister Thorsten Glauber, weil dieser noch an den Folgen eines Sturzes bei der BR-Radltour auf dem Weg nach Neustadt/Aisch laboriert.
„Der Naturpark ist eine echte Perle, ein Naturjuwel landschaftlicher Schönheit und Artenvielfalt. Eine Oase für Erholungssuchende, ein Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere, ein Lernort und ein Klassenzimmer zugleich“, beschrieb Barth das 1100 Quadratkilometer große Gebiet zwischen Rothenburg und Dietenhofen, Neustadt und Dombühl. „Er ist das Ergebnis vieler fleißiger Menschen, die sich mit Kopf, Herz und Hand eingebracht haben.“
Der Ministerialdirigent stellte heraus, wie das erfolgreiche Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ im Jahr 2019 einen Schub für die 19 Naturparke im Freistaat brachte. „Wir bewahren mit ihnen echte regionaltypische Natur- und Kulturräume. Wir geben mit ihnen eine Antwort auf den Wunsch, den Naturschutz und die Artenvielfalt zu stärken. Die Streuobstwiesen fördern wir ganz besonders im Zuge dieses Volksbegehrens.“ Der Amtschef im Umweltministerium erwähnte auch die alten Wirtschaftsformen in den Hutewäldern, die im Naturpark noch zu erleben sind.
Barth versprach weiter eine nachhaltige Unterstützung: „Wir wollen die Naturparke auch in der Zukunft stärken und unsere Unterstützung ausbauen.“ Neben Pauschalen für die Verwaltung hat der Freistaat 2019 auch die Finanzierung von neu geschaffenen Stellen für Ranger in den Naturparken weitgehend übernommen.
Vor dem Festakt stellten die vier Ranger Benjamin Krauthahn, Fredegart Blaschke, Joshua Blank, Wolfgang Wenk und Geschäftsführerin Johanna Sieger an verschiedenen Stationen um die Burg einige Arbeitsschwerpunkte vor. Unter anderem geht es dabei um Projekte zur Rettung der Laubfrösche, die Betreuung von 1500 Kilometern Wanderwegen mit ehrenamtlichen Helfern und die Bildungsarbeit mit Schulen.
Für die Frankenhöhe fädelte Wilhelm Kieslinger, Colmberger Bürgermeister und 19 Jahre Vorsitzender des Naturparks, einen besonderen Coup ein. Im Jahr 2017 ging die Geschäftsführung auf den Landschaftspflegeverband Mittelfranken mit seinen Experten über. Für Ansbachs Landrat Dr. Jürgen Ludwig eine entscheidende Weichenstellung. „Wilhelm, das war dein Verdienst. Es hat uns maßgeblich nach vorne gebracht.“
Nicht immer ist der Naturpark für alle ein Segen, betonte Ludwig. Etwa wenn bei Firmenansiedlungen die Grundstücke am Ortsrand zum Naturpark gehören und dafür Möglichkeiten gefunden werden müssen. „Die Schutzzonen wurden damals relativ eng gezogen um die Orte.“ Hier gelte es ebenso Lösungen zu entwickeln wie bei der Frage, wo nach den Standorten für Windräder künftig Zonen für große Freiflächenanlagen für die Photovoltaik ausgewiesen werden. „Weder Windkraftanlagen und großflächige PV-Freiflächenanlagen sind ein Beitrag zur Verschönerung der Landschaft“, so Ludwig.
Bei aller Notwendigkeit für erneuerbare Energien sei für ihn klar: „Man darf die Schönheit der Kulturlandschaft nicht aus den Augen verlieren. Es lohnt sich, weiter auf dem Weg zu bleiben.“
Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus in Einklang zu bringen, ist für Dr. Christian von Dobschütz „ein Spagat, der nicht immer einfach ist“. Für den Landrat des Kreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist dieser Ausgleich das zentrale Anliegen für das Gebiet um die Frankenhöhe. „Es ist kein Museum, sondern unsere Heimat, die entsprechend gelebt werden soll. Das Wohlergehen von Menschheit und Natur ist untrennbar miteinander verbunden.“
Sein Amtsvorgänger Helmut Weiß arbeitet seit 20 Jahren im Vorstand mit, ungeachtet dessen, dass sein Landkreis auch zum angrenzenden Naturpark Steigerwald gehört. Helmut Weiß wurde für sein langjähriges Engagement ebenso wie Wilhelm Kieslinger geehrt, unter dem Applaus der Geburtstagsgäste, zu denen auch die mittelfränkische Regierungspräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum gehörte.
Beide bekamen ein Bild der Ansbacher Künstlerin Sissi Jander, Kieslinger als passionierter Jäger zudem einen Rangerhut, Weiß eine Auswahl kulinarischer Köstlichkeiten aus dem Naturpark. Einen verlockend gefüllten Korb durfte auch Amtschef Dr. Christian Barth mit nach München nehmen, für Minister Glauber mit den besten Genesungswünschen.