Ranger im Naturpark: „Aufgaben haben sich gelesen wie mein Wunschzettel“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.08.2024 18:14

Ranger im Naturpark: „Aufgaben haben sich gelesen wie mein Wunschzettel“

Ranger Benjamin Krauthahn vom Naturpark Frankenhöhe moderiert die enge Zusammenarbeit für den Hutewald mit der Gemeinde Oberdachstetten, verschiedenen Behörden und Bürgern. (Foto: Manfred Blendinger)
Ranger Benjamin Krauthahn vom Naturpark Frankenhöhe moderiert die enge Zusammenarbeit für den Hutewald mit der Gemeinde Oberdachstetten, verschiedenen Behörden und Bürgern. (Foto: Manfred Blendinger)
Ranger Benjamin Krauthahn vom Naturpark Frankenhöhe moderiert die enge Zusammenarbeit für den Hutewald mit der Gemeinde Oberdachstetten, verschiedenen Behörden und Bürgern. (Foto: Manfred Blendinger)

Benjamin Krauthahn studierte Forstwirtschaft und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im Naturpark Frankenhöhe kann er sein Wissen vermitteln. Ein Gang mit ihm durch einen alten Hutewald bei Oberdachstetten.

Ein komischer Wald. Die mächtigen Eichen stehen akkurat in der Reihe. Zufall? Nein, sagt Benjamin Krauthahn. „Die Eichen sind für einen Hutewald gepflanzt worden. Heute ist diese Kulturlandschaft, wie der Mensch sie geprägt hat, sehr wertvoll.“ Weshalb der Ranger vom Naturpark Frankenhöhe oft in den Wald bei Mitteldachstetten kommt. Und mit ihm viele andere.

Krauthahn ist im Grünen aufgewachsen, als Sohn des Hausmeisters vom Rothenburger Wildbad an der Tauber. „Ich hatte die Natur rundherum, aber war in fünf Minuten oben in der Altstadt.“ Kein Gegensatz für den jungen Mann, im Gegenteil. Er entdeckt den Reiz, sein Wissen über Pflanzen und Tiere anderen zu vermitteln, studiert Forstwirtschaft und macht danach einen Master in Bildung für nachhaltige Entwicklung. „Ich dachte, damit finde ich nie einen Job. Geschweige denn in der Heimat.“

Vor sechs Jahren schafft der Freistaat Bayern neue Stellen für seine Naturparks. Ranger sollen sich nicht nur um die Ökologie kümmern, sondern den Menschen in den Gemeinden zeigen, was sie vor ihrer Haustür haben. Sie werden zu 90 Prozent vom Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziert. „Die Aufgaben haben sich gelesen wie mein Wunschzettel“, blickt Krauthahn zurück. Er wird Ranger im Naturpark Frankenhöhe. Eines der wichtigsten Projekte, die er seit Jahren betreut, sind Hutewälder wie der in dem Ortsteil der Gemeinde Oberdachstetten im Landkreis Ansbach.

Mit der Sense gegen die wuchernde Schlehe

Kräftig scheint die Morgensonne in die Eichen. Hinten ist ein Baum abgebrochen, die untere Hälfte steht noch, die obere Hälfte liegt abgebrochen davor. Eine über einen Meter hohe Distel lässt ihre lila Blüten leuchten. Krauthahn wetzt seine Sense und befreit ein paar Meter Boden von der wuchernden Schlehe. „Ich arbeite gern mit der Sense, man schafft viel und ist gut in Bewegung.“ Er will nur testen, wie dicht die Schlehe schon wieder ist und wann man mit ein paar Leuten etwas gegen sie tun muss.

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Das Waldstück gehört der Gemeinde. Es ist nur 7000 Quadratmeter groß, ein kleiner Rest einer riesigen Bewegung, die ab der Jungsteinzeit bis weit ins Mittelalter die Landschaft prägte. Schweine, Kühe und Pferde wurden in die Wälder getrieben. Sie hielten den Bewuchs flach und fanden kostenlose Nahrung. „Es ging damals vor allem um die Eicheln für die Schweine“, erklärt Benjamin Krauthahn. „Wir reden von Zeiten, als es kein Soja gab. Die Eicheln waren brutal wertvoll. Es gibt Gerichtsberichte, nach denen Leuten die Hand abgehackt wurde, weil sie Eicheln geklaut haben. Der Schweinehirte durfte zwei Hände voll mitnehmen, mehr nicht. So wertvoll waren sie.“

Dann wurde zunehmend das Holz für die Städte gebraucht. Bäume wurden in großer Zahl gefällt, Wälder verschwanden oder wurden gezielt aufgeforstet. Die Tiere störten dabei, sie mussten fast überall draußen bleiben. Nur noch in kleinen Randzonen in Mitteldachstetten überlebten die frei stehenden Eichen mit ihrem festen Abstand. Doch zwischen sie schoben sich immer höhere Büsche und andere Bäume.

Wieder Platz für die Eiche schaffen

„Die Eiche braucht Licht bis unten. Ohne Licht sterben die Blätter und die Äste ab“, sagt Benjamin Krauthahn. Das Licht für die Eichen war schon knapp geworden, als der alte Hutewald ein Projekt des Naturparks wurde. „Wir schaffen wieder den Platz für die Eiche. Wir nehmen die Schlehe raus und bekommen eine offene Struktur. Einige andere Bäume wie Kirschen bleiben stehen, weil ihre Blüten gut für die Insekten sind. Und eine Buche schafft es super im Schatten der Eiche“, erläutert Krauthahn die Strategie.

Der 35-Jährige ist der Moderator eines langfristig laufenden Prozesses. Mit dabei sind die Regierung von Mittelfranken und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Sie haben die besonders wertvollen Bäume erfasst und sorgen für Zuschüsse. „Dieses Netzwerk ist für den Naturpark super wichtig und wir freuen uns, so gut mit Behörden und Kommune zusammenzuarbeiten“, sagt Benjamin Krauthahn. Dazu kommt die Arbeitskraft von Freiwilligen, die bei drei Einsätzen anpackten, um den Eichen wieder mehr Licht zu schenken. „Es hat schon beim ersten Mal super geklappt“, freut sich der Ranger. „Immer waren 20 bis 25 Leute dabei, auch der Bürgermeister und die Feuerwehr. Der Wald war komplett dicht. Sie haben alles freigeschnitten.“

Ohne solche Eingriffe haben die Hutewälder keine Chance, macht der Forstingenieur klar. „Hier kann man die Natur nicht Natur sein lassen. Das ist in einzelnen Bereichen wie in einem Nationalpark total wertvoll für die Forschung, aber nicht überall.“

Alte Eichen erhalten, wie sie jetzt sind

Die alten Eichen sind seit Hunderten von Jahren die Heimat für viele Tiere. „Die Tiere sind standorttreu. Wenn ein Baum stirbt, ziehen die Populationen einfach weiter zum nächsten Baum. Wir müssen deshalb diese alten Eichen erhalten, genauso wie sie jetzt sind. Ein neuer Eichenwald kann das nicht ausgleichen.“

Die Eiche hat mit der Linde zusammen die meisten Insekten, wirft abgestorbene Äste nicht ab, sondern hält sie lange. „Dieses Totholz ist wertvoll. Ein Viertel aller Käfer ist vom Holz abhängig. Die Erstbesiedler fressen Holz und Runde, es bilden sich Pilze, Käfer jagen die Pilzsammler, die Wildbienen legen Eier ab“, beschreibt der Forstingenieur den Kreislauf. „Es ist unglaublich wertvoll, was wir hier machen. Die Kosten sind gering: Eine Brotzeit für die Freiwilligen.“

Möglich ist es nur, weil die Gemeinde keinen wirtschaftlichen Druck auf das Waldstück macht und weil Leute aus der Umgebung helfen. „Wir arbeiten super mit der Gemeinde und den Bauern hier“, sagt der Ranger. „Sie machen mit, weil es ihnen am Herzen liegt.“

Seltene Arten tauchen wieder auf

Ein Biologe kartiert den Hutewald regelmäßig. Der Erfolg der Maßnahmen ist messbar. Es wurden 64 Arten nachgewiesen, die gefährdet sind, darunter 17, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. In dem Wald bei Mitteldachstetten tauchen manche Arten zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder auf. Ein Erfolg für die vielen Unterstützer des Projekt. Inzwischen kommen auch Firmen als Team-Event zu einem Arbeitseinsatz und eine Werkstatt für beeinträchtigte Menschen. „Auch sie wollen etwas aktiv für den Naturschutz schaffen.“

Der Naturpark, dessen Geschäftsführung beim mittelfränkischen Landschaftspflegeverband liegt, kümmert sich auch um andere Hutewälder in seinem Bereich, macht Führungen für die Bürger und organisiert Arbeitseinsätze. Die Hutewälder sind eine besondere Form der sogenannten „Lichten Wälder“. Aktuell existieren nur noch etwa 6.200 Hektar derartige Wälder in Bayern, etwa 5.700 Hektar davon in Franken.

Deshalb lädt das Landesamt für Umwelt zu einer dreitägige Tagung zu dem Thema nach Bad Windsheim. Vom 20. bis 22. September diskutieren Fachleute aus ganz Deutschland darüber, wie man die „Lichten Wälder“ wieder stärken kann, weil sie beim Klimawandel eine besondere Bedeutung bekommen. Auf dem Programm stehen auch Exkursionen in den Stadtwald Bad Windsheim und in den Stadtwald Burgbernheim.

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