Ranger im Naturpark Frankenhöhe kämpfen um die Laubfrösche | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 02.06.2024 08:00

Ranger im Naturpark Frankenhöhe kämpfen um die Laubfrösche

Der Laubfrosch ist im westlichen Mittelfranken selten geworden. Er braucht mehr Lebensräume.  (Archivbild: Klaus Eberhardt)
Der Laubfrosch ist im westlichen Mittelfranken selten geworden. Er braucht mehr Lebensräume. (Archivbild: Klaus Eberhardt)
Der Laubfrosch ist im westlichen Mittelfranken selten geworden. Er braucht mehr Lebensräume. (Archivbild: Klaus Eberhardt)

Die Ranger im Naturpark Frankenhöhe haben die Aufgabe, bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Eines ihrer größten Sorgenkinder ist der Laubfrosch. Wie er gerettet werden kann, sieht man in Flachslanden im Landkreis Ansbach.

Fredegart Blaschke schwört auf Laubfrösche. Die grandiosen Kletterer, die mühelos Büsche und Bäume erklimmen, sind viel mehr als eine Amphibienart. Sie senden klare Signale. „Wo es den Laubfrosch gibt, geht es auch sehr vielen anderen gut“, sagt die Rangerin. Deshalb gehört der grüne Lurch im Naturpark Frankenhöhe mit seinen 42 Gemeinden zu den wichtigsten Tieren. Er ist vom Aussterben bedroht und deshalb streng geschützt.

„Der Laubfrosch braucht besondere Bedingungen“, erklärt Rangerin Fredegart Blaschke. „Licht und Wasser für den Laich, die Larven und die Hüpferlinge. Die Larven brauchen Wärme, Sonne, aber auch Bereiche, in denen sie sich verstecken können. Es sollte immer ein Spiel von Licht und Schatten geben.“

Tümpel, Weiher und feuchte Gräben

Die drei bis fünf Zentimeter großen Tiere waren einst an den meisten Gewässern heimisch. Doch vielerorts sind Tümpel und Weiher verschwunden, wurden Wiesen trockengelegt und reichlich Kunstdünger auf die Böden geschüttet. Nicht nur die Laubfrösche machten sich aus dem Staub. Mit ihnen verschwanden andere Lebewesen und Pflanzen.

Der 1100 Quadratkilometer große Naturpark liegt in einem Dreieck zwischen Neustadt, Schnelldorf und Ansbach. Was er für die Laubfrösche tut, kann man am besten in Flachslanden sehen. Die Gemeinde an der Grenze der Landkreise Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim hat früh ein Angebot des Naturparks angenommen. Dessen Experten im Dschungel der Zuschüsse machen Geld vom Freistaat locker. Wer neue Lebensräume für Laubfrösche und Konsorten schafft, bekommt bis zu 90 Prozent aller Kosten erstattet.

Die gesamte Organisation nimmt der Naturpark den Gemeinden ab, betont Rangerin Fredegart Blaschke. Sie war im Februar in Flachslanden dabei, als an einem Abschnitt der Methlach der erste Teil der Arbeit getan wurde. „Dort sind die Bäume so dicht geworden, das man mal wieder ein bisschen durchlichten muss. Was früher der Biber gemacht hat, wird jetzt mit der Motorsäge getan.“

Legenden um die roten Erlen

Die Feuerwehren fällen die vorher ausgewählten Bäume und Büsche, die gleich gehäckselt werden. Die gute Qualität ohne Dornen geht auf die Spielplätze der Gemeinde, der Rest ins Heizwerk oder ein Nahwärmenetz. Reisig bleibt am Rand liegen. Die Haufen zersetzen sich, Pilze, Insekten, Zauneidechsen, Ringelnatter, Zaunkönig und andere finden neue Plätze.

Am Ufer stehen hier wie andernorts weniger die Buchen, die das Trockene lieben. Eher die Erlen mit ihrem charakteristischen roten Holz. Mit ihren ebenfalls rötlichen Wurzeln halten sie oft das Bachbett und stehen gern in Sümpfen. Die ungewöhnliche Farbe ihres Holzes führte zu Legenden mit fatalen Folgen. „In Sümpfen sind früher oft Menschen verschwunden“, sagt Blaschke. Die Farbe der roten Erlen wurde zum Symbol für das Böse. „Deshalb hat man rothaarige Frauen als Hexen bezeichnet.“

Naturschutz hilft gegen Hochwasser

Für die grünen Laubfrösche war in Flachslanden die erste Phase mit den Fällarbeiten bis Ende Februar abgeschlossen. Nun kommt die zweite Phase. Die Methlach wird an ausgesuchten Stellen mit dem Bagger gezielt aufgeweitet. „An sechs Stellen der Gemeinde sind Rückhaltebecken und Gräben inzwischen so weit gehölzfrei, dass man dort Gewässer baggern kann“, erklärt Ulrich Meßlinger. In ihnen bleibt dann bei starkem Regen Wasser stehen, befeuchtet die Umgebung und macht beim Versickern die Böden feuchter.

Der Biologe aus Flachslanden arbeitet für das Projekt in seiner Heimatgemeinde mit dem Naturpark Frankenhöhe fachlich eng zusammen. „Es ist eine rundum sinnvolle Sache. Alle haben etwas davon, weil es nicht nur Naturschutz ist, sondern auch Hochwasserschutz.“ Das Volumen der neu entstehenden Wasserpuffer summiert sich. „Wenn wir viele kleine Maßnahmen machen, wirkt sich das positiv auf größere Maßnahmen aus. Das senkt deren Kosten für die Gemeinde”, sagt Meßlinger. „Jeder Kubikmeter, den wir hier mit einfachen Mitteln unterbringen, macht Sinn.“

Mehr Platz für Wasser ist ein Thema in ganz Bayern

Die in Flachslanden zu sehende Kombination findet bayernweites Interesse. Unter den bisherigen Besuchern des Projekts war auch Umweltminister Thorsten Glauber. Er war ebenso begeistert wie andere Gruppen aus Behörden, Gemeinden und Verbänden, die deshalb nach Flachslanden kommen. „Wasserrückhaltung ist in ganz Bayern ein Riesenthema geworden. Zeitweise fehlt Wasser, zeitweise ist es zu viel“, sagt Ulrich Meßlinger. Er wurde im vergangenen Jahr mit der Staatsmedaille für herausragende Verdienste um die Umwelt ausgezeichnet. Sie ist die höchste Auszeichnung, die der Freistaat in diesem Bereich vergibt.

In Flachslanden findet der Schutz der Natur und der Häuser vor Überschwemmungen inzwischen bei vielen Einwohnern Unterstützung. Bei der Aktion an der Methlach waren an zwei Tagen rund 100 Bürger dabei. Von den Angelfreunden und dem deutsch-französischen Partnerschaftsverein bis hin zu den Feuerwehren aus dem Hauptort und den Ortsteilen Sondernohe, Virnsberg, Neustetten und Kettenhöfstetten. „Die Bereitschaft ist groß“, sagt Feuerwehrkommandant Stefan Kraheberger. „Wenn man es erklärt, begreifen das die Leute. Es macht Sinn, möglichst viel Wasser hier zu halten. Wenn es im Boden versickert, kommt das auch den Landwirten zugute.“

Vereine arbeiten in der Natur mit

In die Kassen der engagierten Vereine fließt eine kleine Aufwandsentschädigung. Für die Freiwilligen der Feuerwehren ist noch ein zusätzlicher Trainingseffekt dabei. „Wir können Praxiserfahrungen sammeln, mit den Fahrzeugen und den Motorsägen“, sagt Kraheberger.
Auch Sebastian Reeg, der Kommandant aus Virnsberg, hat nie Probleme, für solche Aktionen genügend Mitstreiter zu finden. „Ich muss niemandem mehr etwas erklären. Bei der Gehölzpflege sind meine Leute immer dabei. Wir erkennen klar die Sinnhaftigkeit dahinter.“ Für Reeg ist auch die Kameradschaft wichtig. „Wir kommen miteinander aus und es macht immer Spaß.“

Die gezielten Eingriffe an den Bächen sind unvermeidlich, um sie und ihre vielen kleinen Bewohner zu schützen, betont Rangerin Fredegart Blaschke. „Die natürlichen Abläufe gibt es bei uns nicht mehr unbedingt. Deshalb legen wir Hand an.“ Sie hofft, dass auch an der Methlach bald wieder die Rufe der männlichen Laubfrösche nach den Weibchen zu hören sind. „Wo der Laubfrosch ist, ist noch einiges intakt. Und wo wir ihn wieder hin kriegen, wird einiges wieder intakt.“

north