Die Strecke von Rothenburg nach Tauberzell ist nicht nur zum Radfahren und Wandern beliebt. Sondern auch eine der ökologisch wertvollsten Flächen in Bayern. Dorothea Schindler und Till Scholl vom mittelfränkischen Landschaftspflegeverband kümmern sich um das Paradies für Pflanzen und Tiere.
„Es ist eines der wertvollsten Gebiete in Mittelfranken, wenn nicht das wertvollste“, sagt Till Scholl. „Dort sind wirklich Naturschutz-Schätze, extrem seltene Tier- und Pflanzenarten, die ihren eigenen Wert haben.“ Der Fachmann für Umweltsicherung kennt das Tal seit 2018, als es in ein weiß-blaues Schutzprogramm aufgenommen wurde. Für 57 besonders wichtige Gebiete in Bayern werden eigene Betreuer finanziert.
Scholl teilt sich die Stelle als Gebietsbetreuer mit Dorothea Schindler, einer Kollegin beim Landschaftspflegeverband, der sich schon seit seiner Gründung im Jahr 1986 um das Tal kümmert. Dorothea Schindler hat in den vergangenen drei Jahren nicht nur die Natur, sondern auch viele Menschen im und um das Tal kennengelernt. „Das Miteinander mit den Leuten vor Ort ist sehr wichtig“, sagt die Geografin. „Ohne ihr eigenes Interesse würde unsere Arbeit nicht viel helfen. Es gibt etliche Familien, die ihren Berg selbst pflegen wollen. Oft legt die ganze Familie Hand an.“
Was viel schwerer ist, als es von unten aussieht. Wer an der Tauber entlang wandert oder radelt, unterschätzt leicht die bis zu 50 Grad steilen Hänge. Über Hunderte von Jahren waren sie in kleine Parzellen aufgeteilt, für die oft mühsam kurze Terrassen angelegt wurden. Erst war der Weinbau weithin lukrativ, später die Landwirtschaft, die Heunutzung fürs Vieh, dann nichts mehr.
Die Flächen sind mit Maschinen kaum zu bewirtschaften, die Transportwege eng. „Es gibt Flächen, die man mit der Hand mähen muss. Das ist schwere Arbeit, für die man Spezialgeräte braucht“, beschreibt Dorothea Schindler die Situation. „Es gibt trotzdem noch Leute, die ihren Berg selbst mähen.“
Hier liegt der Schlüssel für die einmalige Natur. Denn ohne regelmäßige Mahd würden viele Flächen zuwuchern. Dann hätten die meisten Tier- und Pflanzenarten, die Licht, Sonne und magere Böden brauchen, keine Chance mehr, sagt Till Scholl. „Aber unsere Motivation ist, dass das Taubertal erhalten bleibt.“ Denn es bietet in Bayern seltene Kombinationen. Seine steilen Hänge sind der größte Schutz vor Zersiedelung und Verkehr. Viele Sonnenstunden, Feuchtigkeit am Fluss und trockene Böden an den Steigungen bieten Bedingungen für besonders empfindliche Tiere und Pflanzen, die hier ihre letzten Zufluchtsorte bewahren dürfen.
Doch die Zahl der Landwirte sinkt, die jüngeren Generationen ziehen häufig weg. Die Pflege der Flächen, die ihre Vorfahren bewirtschaftet haben, wird zum Problem. „An manchen Hängen ist es schon schwierig zu stehen, erst recht sich zu bewegen“, weiß Till Scholl. „Man muss auch oft über kleine Mauern klettern. Es ist eine sehr harte Arbeit. Da gibt es nicht mehr viele, die sie machen können und machen wollen.“
Hier sind die Gebietsbetreuer am meisten gefordert. Sie unterstützen Eigentümer bei der Pflege der ökologisch wertvollen Flächen und suchen Menschen, die gegen einen Obolus die Pflege übernehmen – mit Erfolg. „In den kleinen Gemeinden ist ein Netzwerk vor Ort entstanden. Die Leute kennen sich. Das hilft uns sehr und deshalb ist es wichtig, gut in Kontakt zu sein“, nennt Dorothea Schindler als wichtigsten Punkt. Die negative Entwicklung, dass immer mehr Flächen brachfallen und auf ihnen die Artenvielfalt schwindet, ist gestoppt. „Wir haben diesen Trend jetzt umgekehrt.“ Mit einer Kartierung entstand ein Plan, welche Flächen das größte Potenzial bieten.
Wichtige Partner sind neben den Menschen im Tal die drei Gemeinden Rothenburg, Steinsfeld und Adelshofen. „Wir arbeiten eng zusammen. Sie unterstützen das Ganze auch finanziell“, betont Till Scholl. Wichtig sei, dass die Mittel des Freistaats in den nächsten Jahren konstant bleiben, um die Pflegemaßnahmen finanzieren zu können.
Eine Gefahr, dass seine Beliebtheit das Taubertal gefährden könnte, sieht er nicht. „Das ist hier im Gegensatz zu anderen Gebieten in Bayern kein Problem. Und auch die Seitentäler sind noch sehr ruhig. Da geht manchmal nicht mal eine Straße durch und es gibt im Tal keinen Rundweg. Die Leute bleiben auf den Wegen und klettern nicht die Steilhänge hoch.“
Für Till Scholl herrscht im Taubertal eine besondere Atmosphäre. „Man taucht in eine eigene Welt ein. Das ist etwas, was mich sehr anspricht.“ Um zu zeigen, was die Natur an der Tauber und an ihren Zuflüssen bietet, gibt es immer wieder Führungen von der Stadt Rothenburg, Tourismusorganisationen und privaten Veranstaltern. Unter dem Motto „Rothenburg – Stadt.Landschaft.Natur” hat Rothenburg in diesem Jahr ein eigenes Programm aufgelegt, um die enge Verbindung von Landschaftsbild und Kulturgeschichte zu zeigen.
Die Tauber wandert an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern entlang. Sie entspringt am Fuß der Frankenhöhe bei Weikersholz in Baden-Württemberg und mündet nach rund 130 Kilometern in Wertheim in den Main. An ihr liegen nach Rothenburg als bekannteste Orte Creglingen, Weikersheim, Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim.