Für manche ist die Blühwiese am Ortseingang von Trautskirchen ein Schandfleck, für Joris Callens ist sie ein Herzensprojekt. Vor drei Jahren hat der Landschaftsgärtner und ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins sie in der Hoffnung angelegt, dass die naturnahe Flächengestaltung Schule macht. Am 19. Mai lädt er zu einem Rundgang ein.
Geplant ist eine Art Führung und Infoveranstaltung für alle, die sich für ökologisches Gärtnern interessieren oder erfahren möchten, wie man eine Blumenwiese sät und pflegt. Außerdem möchte Callens darüber aufklären, dass hinter dem vermeintlichen Wildwuchs ein Konzept steht. Denn kritische Stimmen gebe es immer wieder. „Es kommt tatsächlich vor, dass Menschen im Rathaus anrufen und fragen, warum denn hier nicht gemäht ist“, so lautet seine Erfahrung. Das habe aber schon so seinen Sinn.
Da das Grundstück entlang der Hans-Böckler-Straße der Gemeinde gehört, sind zu dem Termin auch Bürgermeister Werner Wirth und der Gemeinderat eingeladen. Der hatte damals auch erst überzeugt werden müssen, bevor es losgehen konnte.
„Der Heimatverein hat vor vielen Jahren die Willkommensschilder am Ortseingang gestaltet und kümmert sich auch um die dazugehörenden Blumenbeete“, berichtet Callens. In einer Jahresversammlung sei dann die Idee entstanden, im Osten des Kernorts stattdessen eine Blühwiese anzulegen. Denn die mache nicht nur langfristig weniger Arbeit als perfekt gestutzter Rasen, sondern sei ökologisch viel sinnvoller.
„Wir wollten ein Zeichen gegen den ‚Mäh-Wahn‘ setzen, denn ein gemähter Rasen ist im Prinzip so gut wie tot“, erklärt der Landschaftsgärtner. Eine artenreiche Blumenwiese sei hingegen ein vielfältiger Lebensraum und böte Nahrung für Wildbienen und andere Insekten.
Nach dem Umgraben und Fräsen hatte Callens damals eine Mischung heimischer Wildpflanzensamen aufgebracht. Derzeit beginnt die dritte Blütezeit. Zu sehen sind bereits Margeriten, Wiesensalbei, verschiedene Kleearten, Hahnenfuß, Ehrenpreis, Fingerkraut, Spitzwegerich, Wilde Möhre, Echtes Labkraut und vieles mehr. „Und es geht erst los“, freut sich Callens: „Ich finde das Ergebnis wirklich ansehnlich.“
Um möglichst vielen Arten die Möglichkeit zur Fortpflanzung zu bieten, werde erst nach der Blütezeit, ab Juli, gemäht. Dabei werde jedoch bewusst auf einen herkömmlichen Mulcher verzichtet, denn das koste erfahrungsgemäß vielen Insekten und Kleintieren das Leben.
Schonender sei die Verwendung eines Mähwerks mit Messerbalken, weil die Pflanzen sauber geschnitten und nicht zerhäckselt werden. Bürgermeister Werner Wirth bestätigt, dass das Projekt nicht jedem gefällt. „Manche möchten es lieber akkurat und ordentlich.“ Er persönliche sehe aber auch die Vorteile, wie unter anderem die Wasserersparnis.
Blühwiesen kommen besser mit Trockenheit klar, denn viele heimische Arten sind an trockene Sommer angepasst und wurzeln tiefer. Durch den hohen Bewuchs bleibt der Boden schattiger, weniger Flüssigkeit verdunstet. Die regelmäßige Bewässerung ist meist nicht nötig. „Ich war daher damals der Meinung, dass der Heimatverein es durchaus mal versuchen sollte“, sagt Wirth.
An der Wiesenführung wolle er teilnehmen – auch, um sich darüber zu informieren, ob die Artenvielfalt bereits die Erwartungen erfüllt hat. Eine weitere Blühwiese auf einer kommunalen Fläche sei aus Sicht des Gemeinde-Chefs grundsätzlich denkbar. Er sei offen dafür, über einen möglichen weiteren Standort zu beraten. Dies wäre ganz im Sinne von Joris Callens. Beginn des Rundgangs ist am Dienstag, 19. Mai, um 19 Uhr.