Nach Raubüberfällen auf Ansbacher Läden: Prozessbeginn am Amtsgericht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.07.2025 18:38

Nach Raubüberfällen auf Ansbacher Läden: Prozessbeginn am Amtsgericht

Viel Polizei gab es zum Prozessauftakt am Ansbacher Amtsgericht. Vier Angeklagte wurden aus der Untersuchungshaft gebracht. (Foto: Manfred Blendinger)
Viel Polizei gab es zum Prozessauftakt am Ansbacher Amtsgericht. Vier Angeklagte wurden aus der Untersuchungshaft gebracht. (Foto: Manfred Blendinger)
Viel Polizei gab es zum Prozessauftakt am Ansbacher Amtsgericht. Vier Angeklagte wurden aus der Untersuchungshaft gebracht. (Foto: Manfred Blendinger)

Sieben Jugendliche sind wegen Raubüberfällen und Einbrüchen angeklagt. Vor der Verhandlung in Ansbach warteten Eltern und Geschwister auf sie.

Die Vorwürfe gegen die Angeklagten, die bei den Taten zwischen 14 und 17 Jahre alt waren, wiegen schwer. Sie sollen im Dezember 2024 in wechselnder Besetzung in Ansbach eine dm-Filiale und eine H&M-Niederlassung überfallen haben. Dazu setzten sie nach den Ermittlungen der Kripo Schreckschusswaffen ein und gaben jeweils einen Warnschuss ab.

Außerdem sollen sie drei Einbrüche begangen und dabei unter anderem fünf Krafträder und 16.500 Euro Bargeld entwendet haben.

Ein halbes Jahr in U-Haft

Vor dem Gerichtssaal spielten sich am Dienstag kurz vor 9 Uhr emotionale Szenen ab. Vier der Angeklagten hatten sich bisher geweigert, Geständnisse abzulegen. Deshalb sitzen sie seit rund einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Vor dem Prozess warteten ihre Eltern und Geschwister auf sie, um zumindest ein kurzes Wiedersehen zu haben. Gespräche waren nicht erlaubt

Die Angeklagten aus der U-Haft wurden von jeweils zwei Polizisten vorgeführt. Die Sicherheitsvorschriften waren unterschiedlich. Ein Angeklagter musste Hand- und Fußfesseln tragen, andere durften nur von den Polizisten eskortiert in den Saal gehen.

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Platznot im Gericht

Der Prozess ist wegen des Alters der Angeklagten nicht öffentlich. Einlass bekamen nur die Eltern, aber nicht die Geschwister. Um genügend Platz für die Angeklagten, Anwälte und Gutachter zu haben, gab es in dem Justizzentrum an der Ansbacher Promenade einen Tausch. Die Verhandlung findet vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts statt, doch diesem fehlt ein ausreichend großer Saal. Deshalb läuft der Prozess im größten Raum des Landgerichts, das dafür zwei eigene Verhandlungen in das Amtsgericht verlegte.

Bisher sind fünf Verhandlungstage mit rund 70 Zeugen terminiert. Eine wichtige Rolle spielen die Angestellten in den beiden Läden, die sich plötzlich maskierten Tätern mit einer Waffe gegenüber sahen. Wenn sie davon ausgehen mussten, dass es sich um echte Waffen handelte, fällt dies juristisch schwerer ins Gewicht als wenn sie die Schreckschusswaffen sofort erkannt hätten.

Zahlreiche Spuren ausgewertet

Psychiatrische Gutachten sollen dem Gericht Aufschlüsse liefern, wie es zu den für dieses Alter ungewohnt brutalen Taten kommen konnte.

Nach den umfangreichen Ermittlungen der Ansbacher Kripo geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Beweislage eindeutig ist. Dabei spielen nicht nur die sichergestellten Spuren an den Tatorten und die Zeugenaussagen eine wichtige Rolle, sondern auch die Auswertung der Handys, mit denen die Jugendlichen vor und nach den Überfällen und Einbrüchen Kontakt hielten.

Über den Prozessverlauf zum Auftakt ist noch nichts bekannt. Möglicherweise will das Amtsgericht heute darüber informieren. Dann wird es auch darum gehen, ob Schilderungen stimmen, die gestern im Justizzentrum kursierten. Danach soll am späten Vormittag ein Vater die Kontrolle verloren und auf den Zuschauerbänken randaliert haben. Angeblich mussten ihn mehrere Polizisten überwältigen, gegen die er Widerstand leistete.

Danach, so hieß es, wurde die Zahl der Justizwachtmeister im Saal noch einmal erhöht. Die Tür zu den Zuschauerbänken war von innen verschlossen, um ungebetene Gäste zu verhindern. Wer etwa nach einer Toilettenpause wieder in den Saal wollte, musste anklopfen, bevor er wieder eingelassen wurde. Die Verhandlung wird am Freitag, 11. Juli, fortgesetzt.

Prozess gegen Jugendliche

Die Anklage

Die Ansbacher Staatsanwaltschaft hatte in einer Pressemitteilung über ihre Anklage gegen sieben Jugendliche informiert. Sie stehen im Verdacht der besonders schweren räuberischen Erpressung in zwei Fällen und des Einbruchdiebstahls in drei Fällen. Die Verhandlung soll zeigen, was welchem der Jugendlichen tatsächlich nachgewiesen werden kann. Das sind die wichtigsten Punkte der Anklage:

  • Am 4. Dezember 2024 kam es zu einem Überfall auf eine dm-Filiale in der Welserstraße in Ansbach. Dabei sollen die zwei Haupttäter eine Verkäuferin mit einer Schreckschusswaffe unter Abgabe eines Warnschusses bedroht und massiv tätlich angegriffen haben, um Bargeld zu bekommen. Eine weitere Verkäuferin übergab rund 3.200 Euro Bargeld.
    Zwei weitere Mittäter sollen die Beute außerhalb der Geschäftsräume übernommen haben, ein fünfter die eingesetzte Schreckschusswaffe bei sich versteckt haben.
  • Am 4. Januar 2025 wurde ein H&M-Geschäft in der Ansbacher Fußgängerzone überfallen. Dabei betraten vier mit Mützen und Handschuhen bekleidete und maskierte Täter die Verkaufsräume, während sich drei weitere Täter im Umfeld aufhielten, um die anderen gegebenenfalls zu warnen. Zudem sollten zwei von ihnen die Beute übernehmen und sichern.
    Beim Betreten schoss ein Täter mit einer Schreckschusswaffe in die Luft, während die übrigen unter Einsatz eines Taschenmessers und eines Schlagstocks die Herausgabe von Geld forderten. Da es einem Verkäufer, der dabei tätlich angegriffen wurde, nicht gelang, die Kasse zu öffnen, verließen die Täter das Geschäft ohne Beute.
  • Am 1. Dezember kam es zu einem Einbruch in einen Lebensmittel-Discounter in der Welserstraße in Ansbach, indem die Täter eine Scheibe einschlugen. Sie entwendeten einige geringwertige Gegenstände. Die Anklage richtet sich gegen zwei Jugendliche.
  • Diesen beiden wird auch die nächste Tat zur Last gelegt. In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember wurde in den Verkaufsraum eines Ansbacher Motorrad-Handels eingebrochen, indem die Täter eine Scheibe einschlugen. Dabei entwendeten sie fünf Krafträder und Bargeld im Gesamtwert von rund 16.500 Euro.
  • Am 25. Dezember wurde bei einem Lebensmittel-Discounter in der Bahnhofstraße in Ansbach eine Fensterscheibe eingeschlagen. Mutmaßlich wegen der sofort ausgelösten Alarmanlage wurde die Tat abgebrochen. Sie wird dem Duo der beiden vorhergehenden Einbrüche und einem weiteren Jugendlichen zur Last gelegt.
  • Ein 17-Jähriger ist zudem wegen einer gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen und Bedrohung angeklagt. Er soll mit mehreren Faustschlägen und Fußtritten einen 14 Jahre alten Jugendlichen am 12. Oktober 2024 am Bahnhof Dombühl (Landkreis Ansbach) angegriffen haben. Als dessen Eltern schlichtend eingriffen, soll der
    17-Jährige die Mutter mit einem Messer bedroht und den Vater mit Steinen aus
    dem Gleisbett beworfen und am Schienbein getroffen haben.

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