Sieben Jugendliche sind wegen Raubüberfällen und Einbrüchen angeklagt. Vor der Verhandlung in Ansbach warteten Eltern und Geschwister auf sie.
Die Vorwürfe gegen die Angeklagten, die bei den Taten zwischen 14 und 17 Jahre alt waren, wiegen schwer. Sie sollen im Dezember 2024 in wechselnder Besetzung in Ansbach eine dm-Filiale und eine H&M-Niederlassung überfallen haben. Dazu setzten sie nach den Ermittlungen der Kripo Schreckschusswaffen ein und gaben jeweils einen Warnschuss ab.
Außerdem sollen sie drei Einbrüche begangen und dabei unter anderem fünf Krafträder und 16.500 Euro Bargeld entwendet haben.
Vor dem Gerichtssaal spielten sich am Dienstag kurz vor 9 Uhr emotionale Szenen ab. Vier der Angeklagten hatten sich bisher geweigert, Geständnisse abzulegen. Deshalb sitzen sie seit rund einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Vor dem Prozess warteten ihre Eltern und Geschwister auf sie, um zumindest ein kurzes Wiedersehen zu haben. Gespräche waren nicht erlaubt
Die Angeklagten aus der U-Haft wurden von jeweils zwei Polizisten vorgeführt. Die Sicherheitsvorschriften waren unterschiedlich. Ein Angeklagter musste Hand- und Fußfesseln tragen, andere durften nur von den Polizisten eskortiert in den Saal gehen.
Der Prozess ist wegen des Alters der Angeklagten nicht öffentlich. Einlass bekamen nur die Eltern, aber nicht die Geschwister. Um genügend Platz für die Angeklagten, Anwälte und Gutachter zu haben, gab es in dem Justizzentrum an der Ansbacher Promenade einen Tausch. Die Verhandlung findet vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts statt, doch diesem fehlt ein ausreichend großer Saal. Deshalb läuft der Prozess im größten Raum des Landgerichts, das dafür zwei eigene Verhandlungen in das Amtsgericht verlegte.
Bisher sind fünf Verhandlungstage mit rund 70 Zeugen terminiert. Eine wichtige Rolle spielen die Angestellten in den beiden Läden, die sich plötzlich maskierten Tätern mit einer Waffe gegenüber sahen. Wenn sie davon ausgehen mussten, dass es sich um echte Waffen handelte, fällt dies juristisch schwerer ins Gewicht als wenn sie die Schreckschusswaffen sofort erkannt hätten.
Psychiatrische Gutachten sollen dem Gericht Aufschlüsse liefern, wie es zu den für dieses Alter ungewohnt brutalen Taten kommen konnte.
Nach den umfangreichen Ermittlungen der Ansbacher Kripo geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Beweislage eindeutig ist. Dabei spielen nicht nur die sichergestellten Spuren an den Tatorten und die Zeugenaussagen eine wichtige Rolle, sondern auch die Auswertung der Handys, mit denen die Jugendlichen vor und nach den Überfällen und Einbrüchen Kontakt hielten.
Über den Prozessverlauf zum Auftakt ist noch nichts bekannt. Möglicherweise will das Amtsgericht heute darüber informieren. Dann wird es auch darum gehen, ob Schilderungen stimmen, die gestern im Justizzentrum kursierten. Danach soll am späten Vormittag ein Vater die Kontrolle verloren und auf den Zuschauerbänken randaliert haben. Angeblich mussten ihn mehrere Polizisten überwältigen, gegen die er Widerstand leistete.
Danach, so hieß es, wurde die Zahl der Justizwachtmeister im Saal noch einmal erhöht. Die Tür zu den Zuschauerbänken war von innen verschlossen, um ungebetene Gäste zu verhindern. Wer etwa nach einer Toilettenpause wieder in den Saal wollte, musste anklopfen, bevor er wieder eingelassen wurde. Die Verhandlung wird am Freitag, 11. Juli, fortgesetzt.
Die Ansbacher Staatsanwaltschaft hatte in einer Pressemitteilung über ihre Anklage gegen sieben Jugendliche informiert. Sie stehen im Verdacht der besonders schweren räuberischen Erpressung in zwei Fällen und des Einbruchdiebstahls in drei Fällen. Die Verhandlung soll zeigen, was welchem der Jugendlichen tatsächlich nachgewiesen werden kann. Das sind die wichtigsten Punkte der Anklage: