Nach fast elf Jahren wechselt Pfarrerin Claudie Schlottke ihre Stelle. Ihr Weg führt von Bayern in den Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Was die 60-Jährige in den Norden zieht.
Es war ein Glücksfall: Im Mai 2015 kamen Claudie Schlottke und ihr Mann Arved Schlottke ins Dekanat Rothenburg. Sie wirkte als Pfarrerin in St. Jakob und in St. Peter und Paul Detwang, ihr Mann übernahm die Pfarrstelle Wettringen und Gailnau. Das dortige Pfarrhaus wurde zur neuen Heimat.
Wenn Claudie Schlottke (60) an die vielen Begegnungen mit den Menschen und an die wunderschönen Kirchen in der Stadt und der Region denkt, gerät sie ins Schwärmen. Kaum vorstellbar, dass es sie nun in die Nordkirche zieht. Zumal sie ja aus Oberbayern kommt. Ihr Vater war Diakon und im Diakonie-Dorf Herzogsägmühle tätig. Dort arbeitete er mit Jugendlichen mit Förderbedarf.
1985 begann sie ihr Theologiestudium in München und Kiel. An der Ostsee lernte sie auch ihren Mann kennen und sie heirateten. Nach dem Vikariat in München folgten Stellen in Freising und Marktleuthen, bis dann das Dekanat Rothenburg kam. In diesem hatte sie schon als Studentin ihre erste Predigt gehalten.
Die Beziehung zum Norden war durch ihr Studium und ihren Mann gegeben. Zusammen haben sie im Landkreis Schleswig-Flensburg 2020 bereits ein Haus für den Ruhestand gekauft. Arved Schlottke geht im Herbst 2027 in den Ruhestand, also in eineinhalb Jahren. Sie hat noch ein paar Jahre mehr, bis 2032 nämlich.
Dann kam es erneut zu einer glücklichen Fügung. Die Kirchengemeinde Nieharde, dort befindet sich auch das Haus, konnte die zweite Pfarrstelle nicht besetzen. Sie fragte beim zuständigen Probst in Schleswig an. Und sie bekam die Stelle, nachdem auch der Kirchengemeinderat und die beiden Kolleginnen im Team zugestimmt hatten.
Das klingt einfach, doch es gab zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern (ELKB) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland noch einiges zu klären. Für die Zeit ihrer Tätigkeit in der Nordkirche wird sie nun von der ELKB beurlaubt. „Ich werde ausgeliehen“, sagt sie und lacht. Statt Pfarrerin wird sie jetzt als Pastorin angesprochen werden.
Der Wechsel zu diesem Zeitpunkt hat Vorteile. Sie und ihr Mann werden nur eineinhalb Jahre getrennt wohnen. Und: Bis sie in den Ruhestand geht, hat sie die Chance, im Norden heimisch zu werden und viele Menschen kennenzulernen.
Ihre Rothenburger Zeit wird sie sehr gut in Erinnerung behalten. Begeistert ist sie von der Vielzahl engagierter Ehrenamtlicher, die sie das „Herz jeder Kirchengemeinde“ nennt. Überall gebe es alte, wertvolle Kirchen. Diesen Schatz habe sie zu schätzen gelernt. Insbesondere die Kirche in Detwang, „ein Kleinod an der Tauber“. Hier Gottesdienst zu feiern, in dem Wissen, dass hier schon Tausende von Menschen gebetet haben, empfindet sie als bereichernd. „Das stärkt mir den Rücken“, erzählt sie.
Mitnehmen wird die Pfarrerin auch das bei „Einfach heiraten“ Erlebte. Von weit her seien da Menschen gekommen – „einfach eine geniale Aktion“.
Spaß habe ihr die Arbeit als Mentorin für Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten gemacht. Wichtig sei für sie auch die Arbeit als Beauftragte für die Notfallseelsorge gewesen. Es sei bewundernswert, wie viele Ehrenamtliche sich hier engagieren.
Auch die Konfi-Arbeit wird ihr unvergessen bleiben, besonders die Camps an der Adria, auch wenn sie, wie sie einräumt, keine begeisterte Camperin ist. Die Freude der Jugendlichen zu sehen, habe das aber in den Hintergrund gestellt.
Aber auch die Stadt selbst übt auf sie eine gewisse Faszination aus: „Die Welt kommt nach Rothenburg.“ Die verschiedenen Sprachen, die zu hören seien, oder das kulturelle Angebot in der Stadt, zudem die Kirchenmusik einen großen Anteil beitrage.
Pfarrerin Claudie Schlottke wird am Sonntag, 22. Februar, in St. Jakob feierlich verabschiedet, Beginn des Gottesdienstes ist um 14 Uhr.