Für neues Umspannwerk: 25 Hektar Wald sollen fallen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.11.2023 09:00

Für neues Umspannwerk: 25 Hektar Wald sollen fallen

Das neue Umspannwerk Raitersaich bei Rosstal soll seine Zuleitungen durch Waldschneisen erhalten. Dagegen protestieren Aktive des Bundes Naturschutz aus dem Landkreis und einer Bürgerinitiative. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Das neue Umspannwerk Raitersaich bei Rosstal soll seine Zuleitungen durch Waldschneisen erhalten. Dagegen protestieren Aktive des Bundes Naturschutz aus dem Landkreis und einer Bürgerinitiative. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Das neue Umspannwerk Raitersaich bei Rosstal soll seine Zuleitungen durch Waldschneisen erhalten. Dagegen protestieren Aktive des Bundes Naturschutz aus dem Landkreis und einer Bürgerinitiative. (Foto: Heinz Wraneschitz)

Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet plant laut dem Bund Naturschutz, für Leitungstrassen zum Umspannwerk in Roßtal-Raitersaich insgesamt 25 Hektar Wald zu roden. Im Zuge des Projekts sollen auch 15 Hektar Wald auf Ansbacher Kreisgebiet weichen. Bei einem Vor-Ort-Termin kritisierten Aktive des Umweltverbands und einer Bürgerinitiative die Pläne.

Was Tom Konopka, Regionalreferent des Bundes Naturschutz (BN) für Mittelfranken, vor allem stört: Der ÜNB begründet die Trassen durch den Wald mit Klimaschutz, weil zu wenig Leitungskapazität für den Wind- und Solarstrom existieren würde. „Ja, die Energiewende braucht Veränderungen. Aber Waldrodung ist das Gegenteil von Klimaschutz“, sagt der Umweltaktivist.

Es gibt einen Alternativ-Vorschlag

Doch der BN und die Menschen aus dem Grenzgebiet der Landkreise Fürth und Ansbach kritisieren die Tennet-Rodungspläne nicht nur, sie nennen auch eine Alternative: „Überspannung der Waldstücke“. Mit gerade mal vier höheren Masten wäre es möglich, auf die Fällung von Bäumen für je 100 Meter breite Trassen zu verzichten, erklären die Anwesenden unisono. Die Mehrkosten dafür lägen im Prozentbereich, seien also „marginal“, wie es Paul Beitzer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Ansbach, formuliert. Deshalb sei völlig unverständlich, warum Tennet nicht auf den Vorschlag der Bürgerinitiative und des BN eingehe.

Die Bürgerinitiative (BI) „Unser Wald soll leben – trotz Stromtrasse“ wurde von Waldbesitzern landkreisübergreifend aus den betroffenen Ortschaften gegründet. Sie hat sich bereits mit einer von 600 Menschen unterschriebenen Petition an den Landtag gewandt.

Aus Tennet-Sicht nicht schützenswert

Harry Scheuenstuhl kennt diese Petition zwar noch nicht. Doch der Umwelt-Ingenieur und wieder in den Landtag gewählte SPD-Abgeordnete sieht „grundsätzlich die Überspannung als Vorzugsvariante“, wie er am Telefon erklärt.

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Von Ino Kohlmann, dem Tennet-Sprecher für die Juraleitung, heißt es dagegen auf Nachfrage: „Wir gehen mit Waldschneisen in die anstehenden Verfahren. Unsere Planung sieht bei den Leitungseinführungen im Nordosten und im Süden je eine Waldschneise vor.“ Doch warum wird der Wald nicht überspannt? Dafür gebe es „Kriterien, die erfüllt sein müssen“; vor allem müsse der Wald „schützenswert oder hochwertig sein. Die Wälder im Norden und Süden des Umspannwerks sind das aber nicht.“

Ersatzpflanzungen nicht Pflicht

Raymund Filmer von der BN-Ortsgruppe Großhabersdorf, früher Revierförster im Kreis Fürth und selbst betroffener Waldbesitzer, sieht das anders: „Ich bin überrascht, wie gut der Wald hier ist.“ Inge Wirth aus Gottmannsdorf im Landkreis Ansbach, die Sprecherin der BI, sagt: „Die Jungwälder, die wir hier staatlich gefördert klimaresistent vor wenigen Jahrzehnten aufgebaut haben, werden nun von Tennet mit einem Federstrich vernichtet.“ Von je 15 Hektar auf Fürther und Ansbacher Kreisgebiet ist die Rede. Und dort seien, anders als im Fürther Land, noch nicht einmal Ersatzpflanzungen Pflicht, ergänzt Filmer.

Doch was stimmt? Tennet-Sprecher Kohlmann verweist dazu auf einen „Infomarkt, den wir am 9. November ab 16 Uhr im Gasthaus Gelben Löwen in Großhabersdorf durchführen“. Ob der erfolgreich sein wird? Inge Wirth berichtet von zuletzt „frustrierenden Gesprächen mit Tennet. Man wird nicht ernstgenommen.“ Dabei sei „Wald-Erhalt im öffentlichen Interesse“, wie Bund und Land immer wieder betont hätten.

Frustration bei Betroffenen

Die Frustration ist bei den Betroffenen auch zu spüren, wenn es um die nun bekannt gewordenen „fünf Genehmigungsverfahren statt eines Raumordnungsverfahrens für alles geht. Das mit den fünf Verfahren ist uns erst jetzt aufgefallen. Dabei ist es insgesamt ein Ersatzneubau der Juraleitung“, wie Günter Ries aus der Vorstandschaft der Ansbacher BN-Kreisgruppe erklärt.

Doch Tennet-Mann Kohlmann betont: „Die Aufteilung der verschiedenen Leitungseinführungen in vier unterschiedliche Planfeststellungsverfahren erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch der Regierung von Mittelfranken als der zuständigen Behörde. Mit unserem Wunsch, alle Leitungseinführungen als Einheit zu betrachten, konnten wir uns nicht durchsetzen.“

Laut Regierungs-Pressestelle „handelt es sich bei den Zuleitungen jeweils um Einzelvorhaben im Sinne des Fachplanungsrechts“. Doch seien bislang „bei der Regierung von Mittelfranken noch keine Anträge für den Neubau des Umspannwerks oder dessen Zuleitungen eingegangen“, erklärt ein Sprecher der Behörde auf FLZ-Anfrage. Inge Wirths BI hat die Hoffnung nicht verloren. In einem Brief habe die Bezirksregierung die Argumente der Initiative akzeptiert. Laut Regierung muss Tennet Alternativen aufzeigen. „Man ist offensichtlich dort sensibel geworden.“


Von Heinz Wraneschitz
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