Vier Menschen arbeiten sich Zeile für Zeile durch dicke, alte Bücher. Die Historische Friedhofsgruppe in Ansbach stellt sich auf dem Stadtfriedhof einer Aufgabe. Sie arbeitet daran, dass Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten und besondere Grabmäler erhalten bleiben, wenn der Nutzungszeitraum abläuft. Aber wer entscheidet das?
Seit 2017 ist die Gruppe auf dem Stadtfriedhof und vereinzelt auf anderen Friedhöfen unterwegs und studiert im evangelischen Dekanat Grabbücher. Einige Grabmäler auf dem Stadtfriedhof sind dabei völlig unstrittig, was ihren Erhalt angeht. Das Findelkind Kaspar Hauser (gestorben 1833), der Dichter Johann Peter Uz (1720 bis 1796) und der Maler Heinrich Pospiech (1908 bis 1980) zählen hierzu.
Aber was ist mit anderen Menschen, die ihren Stempel seinerzeit der Stadt aufdrückten – im Positiven wie im Negativen? Sie macht die historische Gruppe in den Grabbüchern ausfindig.
Der Geschichte auf der Spur sind hier Dr. Wolfgang Reddig, Stadtarchivar und Leiter des Markgrafenmuseums, Alexander Biernoth, Historiker und Stadtführer, Reinhard Baran, stellvertretender Vorsitzender des Friedhofsausschusses der Gesamtkirchengemeinde und damit Trägervertreter sowie Kirchenmusikdirektor Rainer Goede. Lange wirkte auch die frühere Stadtführerin Gerlinde Albrecht mit.
Solange das Grabnutzungsrecht vorliegt, besteht keine Gefahr. Anders verhält es sich, wenn das Recht endet. „Man muss immer die Situation sehen: Die Kinder ziehen weg, und die Enkelkinder ziehen noch mal weg und haben überhaupt keine Verbindung mehr hierher“, hebt Rainer Goede hervor.
Der Auslöser, die Gruppe zu gründen, war der Fall von Kirchenmusikdirektor Edmund Hohmann (1858 bis 1935), dessen Grab ein Verwandter einst nicht verlängerte.
Ob die Ruhestätte letztendlich bleibt, kann die Gruppe nicht selbst entscheiden, wie Alexander Biernoth erläutert. Sie könne nur einen Rat geben. Je nachdem, wie bedeutsam die Persönlichkeit oder wie interessant das Grabmal sei, entscheide die Gesamtkirchengemeinde als Trägerin des Friedhofs.
Die Mitglieder der Gruppe machen mit roten oder grünen Punkten aufmerksam: Rote stehen für Gräber stadtgeschichtlich bedeutsamer Persönlichkeiten und grüne dafür, dass die Grabmäler besonders ästhetisch sind oder einen kunsthistorischen Stellenwert besitzen.
Reinhard Baran unterstreicht allerdings: „Der Oberbürgermeister oder der Ehrenbürger ist als Mensch genauso viel wert wie der Arbeiter oder der Tagelöhner.“
Wichtig ist für Alexander Biernoth zunächst, dass die Sachbearbeiter des Kirchengemeindeamts wissen: Dieses Grab lässt sich nicht sofort räumen, sondern man muss erst den Friedhofsausschuss fragen. Von den vorliegenden Grabbüchern her könne die Gruppe bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts sehen, wie die Gräber belegt waren oder sind.
Laut den Worten des Historikers ist sie mit allen mehr als 160 Grüften des Friedhofs durch – und auf den Gräberfeldern mit gut 600. Doch insgesamt sind es tausende, die sie untersuchen will.
Derzeit weisen bereits zwölf Schilder auf 13 Menschen auf dem Stadtfriedhof hin, bald noch mehr. Über QR-Codes kann man mit dem Handy weitere Informationen erhalten. „Dieser Friedhof soll auch erlebbar sein für die, die da drübergehen – und deswegen diese Beschilderung“, stellt Wolfgang Reddig fest.
Weitere Informationen zum Stadtfriedhof und zu den besonderen Gräbern sind im Internet zu finden: stadtfriedhof-ansbach.de