Als die „Stehbrunshose” der letzte Schrei war: Kuriose Schau in Weiltingen eröffnet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.06.2026 11:00

Als die „Stehbrunshose” der letzte Schrei war: Kuriose Schau in Weiltingen eröffnet

Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Museumsleiterin Erika Kränzlein den Besucherinnen und Besuchern etwas zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. (Foto: Jürgen Eisen)
Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Museumsleiterin Erika Kränzlein den Besucherinnen und Besuchern etwas zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. (Foto: Jürgen Eisen)
Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Museumsleiterin Erika Kränzlein den Besucherinnen und Besuchern etwas zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. (Foto: Jürgen Eisen)

Seit Kurzem ist sie eröffnet, die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum in Weiltingen. Sie beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte der Unterwäsche. Unter dem Motto „Von der Stehbrunshose zum Negligé” wird ein Blick in den ländlichen Kleiderschrank seit etwa 1900 geworfen.

Museumsleiterin Erika Kränzlein hat die Schau zusammengestellt. Bei der Eröffnung ging sie auf die Tabuisierung der Unterwäsche als höchstpersönliches Gut, das niemanden etwas anging, ein. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Karl Eisen, erinnerte sich an lange, kratzige Wollstrümpfe in seiner Kindheit, die mit Bändern an den kurzen Hosen befestigt wurden.

Lange Leinenhemden ohne Schnitt

Einher ging die Unterwäsche mit der Körper- und Intimpflege, worüber man nicht sprach. Anfangs gab es lange Leinenhemden ohne Schnitt, die von Männern und Frauen getragen wurden. Diese dienten gleichzeitig als Unterhosen und hielten sich vor allem bei den Frauen sehr lange, war weiter zu erfahren. Die Stehbrunshose war ein Kleidungsstück, das seinem Namen gerecht wurde: Ohne die langen Röcke und Hemden ausziehen zu müssen, konnte mittels eines Schlitzes die kleine Notdurft verrichtet werden, was auf dem Lande vor allem bei der Stallarbeit oder auf dem Feld praktisch war.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gab es beim Militär einen Erlass, dass Männer Unterhosen zu tragen hätten, wonach bei den Männern die Unterhosen Einzug hielten.

Mit den Reizen wurde nicht mehr gegeizt

Unterwäsche blieb über viele Jahrhunderte dem heimischen Schlafzimmer vorbehalten. In der Öffentlichkeit wurde sich nicht offenherzig gezeigt. Dennoch betonten Frauen mit Korsett oder Korsage ihre Figur. In den 1950er und 1960er Jahren wurde mit Babydolls und ultrakurzen Kleidern und Röcken zunächst in den Städten mehr Haut gezeigt. Diese Trends schwappten zeitversetzt auch auf das Land über. Mit den Reizen wurde nicht mehr gegeizt.

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Neben Wäschestücken aus vielen Jahrhunderten widmet sich ein Teil der Ausstellung auch der Monatshygiene. Die Wäschepflege mit alten Bügeleisen oder der Mangel ist ebenso Thema, wie Kinderwäsche. Viele der Exponate stammen aus dem Fundus des Museums oder sind private Leihgaben.

Die Sonderausstellung „Von der Stehbrunshose zum Negligé” ist bis 25. Oktober immer sonntags von 13 bis 17 Uhr oder nach vorheriger Terminvereinbarung bei Museumsleiterin Erika Kränzlein unter Telefon 09853/584 zu besichtigen.

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