Reichsbürger-Putsch: Gründung der „Gruppe Reuß” im Kreis Ansbach? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.12.2023 10:14, aktualisiert am 13.12.2023 11:53

Reichsbürger-Putsch: Gründung der „Gruppe Reuß” im Kreis Ansbach?

Die Polizei nahm im Dezember 2022 im Rahmen einer gewaltigen Razzia mehrere mutmaßliche Verschwörer gegen die Bundesrepublik fest. (Archivbild: Marijan Murat/dpa)
Die Polizei nahm im Dezember 2022 im Rahmen einer gewaltigen Razzia mehrere mutmaßliche Verschwörer gegen die Bundesrepublik fest. (Archivbild: Marijan Murat/dpa)
Die Polizei nahm im Dezember 2022 im Rahmen einer gewaltigen Razzia mehrere mutmaßliche Verschwörer gegen die Bundesrepublik fest. (Archivbild: Marijan Murat/dpa)

Im Ermittlungsverfahren gegen die Reichsbürger-Gruppe, die in Deutschland einen Putsch geplant haben soll, rücken erste Gerichtsprozesse näher. Wie der Generalbundesanwalt am Dienstag mitteilte, werden in Frankfurt am Main, München und Stuttgart insgesamt 27 mutmaßliche Verschwörer angeklagt.

Darunter ist auch der im Landkreis Ansbach wohnhafte Thomas T., der als „rechte Hand” des mutmaßlichen Rädelsführers Heinrich XIII. Prinz Reuß fungiert haben soll. Das Oberlandesgericht München, wo weitere sieben Personen auf die Anklagebank sollen, bezieht zum Fall auf FLZ-Anfrage zunächst keine Stellung.

Gründungstreffen der Putschisten im Landkreis Ansbach?

Thomas T. sitzt seit Dezember 2022 mit 21 weiteren Beschuldigten in Untersuchungshaft. Der Familienvater wurde im Rahmen der größten Reichsbürger-Razzia in der Geschichte der Bundesrepublik verhaftet, Spezialkräfte hatten sein Haus im westlichen Ansbacher Landkreis gestürmt. Laut Pressemitteilung des Generalbundesanwalts steht Thomas T. nicht nur im Verdacht, die terroristische Vereinigung als Mitglied unterstützt zu haben. Vielmehr soll er im Gegensatz zu anderen auch an deren Gründung beteiligt gewesen sein. Ihm wird zudem die „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens” zur Last gelegt. Im Falle einer Verurteilung steht darauf in jedem Fall eine Gefängnisstrafe.

Aus Ermittlungsdokumenten, die der FLZ vorliegen, gehen noch weitere Details hervor: Unter anderem soll er an Schießtrainings teilgenommen haben und bereit gewesen sein, ein Grundstück für den Aufbau einer „Heimatschutzkompanie” zur Verfügung zu stellen.

Laut Generalbundesanwalt soll schon die Gründungsveranstaltung der Gruppe am 29. Juli 2021 bei Thomas T. zuhause stattgefunden haben. „Außerdem sollte er an dem Angriff auf den Deutschen Bundestag teilnehmen”, heißt es in der Pressemitteilung zu den Vorwürfen. Skurril: Mit einer Mitangeklagten habe er bei Sitzungen der Gruppe das Ressort „Transkommunikation” übernommen. Dieses sei „insbesondere für die spirituelle Überprüfung neuer Ratsmitglieder und die persönliche Beratung von Heinrich XIII. Prinz Reuß” zuständig gewesen.

Anklage gegen Peter Wörner in Frankfurt

In Frankfurt sollen sich derweil unter anderem der mutmaßliche Anführer Reuß, die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann sowie Peter Wörner verantworten müssen. Der Ex-Survivalcoach hat ebenfalls Bezüge in den Landkreis Ansbach und soll den Ermittlungen zufolge etwa für eine bewaffnete Stürmung des Bundestags unterirdische Zugänge gefilmt und Listen von Politikern angefertigt haben.

Die Truppe verfügte laut Generalbundesanwalt über ein „massives Waffenarsenal”. So wurden 380 Schusswaffen, fast ebenso viele Hieb- und Stichwaffen sowie Militärausrüstung wie Nachtsichtgeräte und Schusswesten gefunden.

Das Verfahren um die Reichsbürger-Gruppe gilt schon jetzt als Mammut-Prozess. Im Juli umfassten die Akten laut Bundesgerichtshof bereits 200.000 Blatt Papier.


Johannes Hirschlach
Johannes Hirschlach
Redakteur für Digitales
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