Eine ganze Reihe von Gräbern auf dem Stadtfriedhof in Ansbach erhält eigene Tafeln. Sie sollen es Besucherinnen und Besuchern möglich machen, mehr über die Bestatteten zu erfahren. In dem Projekt kamen für dieses Jahr Schilder für zwölf Menschen hinzu. Eines ist einer weltweit bekannten Persönlichkeit gewidmet.
In dem Projekt „Beschilderung von Ehrengräbern” kooperiert die Stadt mit einer Historischen Friedhofsgruppe.Die Gruppe arbeite im Hintergrund sehr viel und habe sich sehr verdient gemacht, stellte Dekan Dr. Matthias Büttner bei der Präsentation fest. Trägerin des Stadtfriedhofs ist die evangelische Gesamtkirchengemeinde.
Ohne das Engagement der Gruppe „würde das nicht funktionieren”, betonte Oberbürgermeister Thomas Deffner ebenso. Historiker Alexander Biernoth gehört dieser an. Sie sieht sich laut seinen Worten systematisch Gräber an. „Jeder Mensch ist etwas Besonderes, aber wir müssen schauen, wo eine Persönlichkeit ist, die uns heute noch etwas sagen kann und geschichtlich bedeutsam ist.”
Stefan Diezinger gestaltete die Tafeln für den Friedhof ehrenamtlich und bereitete sie für den Druck vor. Besucherinnen und Besucher können sich an den charakteristischen Gräbern einen Einblick verschaffen und über einen QR-Code für elektronische Geräte weitere Informationen abrufen.
Für Georg Sturm (1874 bis 1958) zum Beispiel gibt es eine Tafel. Der Stadtkirchner von St. Johannis sei in bewegten Zeiten für „die gesamte Überwachung aller kirchlichen Obliegenheiten der evangelisch-lutherischen Innenstadtgemeinde” zuständig gewesen, heißt es im Text über ihn.
Bei Dorothea Himmler (1788 bis 1830) handelt es sich nicht um ein Ehrengrab, aber um eines, das historisch zu kommentieren ist, wie OB Thomas Deffner hervorhob. Sie „kann nichts für ihren Urenkel”, sagte Alexander Biernoth. Heinrich Himmler war einer der schlimmsten NS-Verbrecher. In Regimezeiten ließ man nach Biernoths Worten den erhaltenen klobigen Grabstein setzen.
Gymnasiallehrer Dr. Heinz Braun (1908 bis 1982) war Kunsterzieher, wie der Historiker erläuterte. „Er hat sich nach dem Krieg hervorgetan mit grundlegenden Werken über die Orangerie, über das Ansbacher Spätbarock.” Über Ruth Bredull (1919 bis 2013) und ihr karitatives Wirken berichtete ihr Sohn Pfarrer Hans-Georg Bredull. Oft sprächen ihn Menschen in der Stadt auf sie an.
Den Juristen Johann Bernhard Endres (1788 bis 1850) stellte Biernoth als rechtskundigen Bürgermeister Ansbachs vor. Bis heute ist er etwa durch die Bernhard Endres’sche Stiftung bekannt.
Von Dr. Krafft Graf von Crailsheim (1841 bis 1926), einst Bayerns Ministerpräsident, erzählte, mit ihm „ein bisschen weiter entfernt verwandt”, Dr. Manfred Freiherr von Crailsheim. „Bekannt geworden ist er eigentlich vor allem wegen seiner Auseinandersetzung um die Absetzung von König Ludwig II.” Rüglands Altbürgermeister Rudolf Tischer trug weitere biografische Details bei.
Henriette Feuerbach (1812 bis 1892), Stiefmutter des Malers Anselm Feuerbach, wirkte als Schriftstellerin. „Sie war befreundet mit Johannes Brahms, und er hat ihr ein Oratorium gewidmet”, machte Kirchenmusikdirektor Rainer Goede deutlich.
Heinrich Pospiech (1908 bis 1980) war Künstler und Gymnasialprofessor. „Er gehörte letztlich zu diesem großen Kreis der Freunde um Robert Limpert”, den ermordeten Widerstandskämpfer, erläuterte Alexander Biernoth.
Den weltbekannten Kaspar Hauser (gestorben 1833) nannte Alexander Biernoth „Champions League” auf dem Friedhof. Sein Grab sei „das, warum alle Menschen hier nach Ansbach kommen”. Das Schicksal des Findelkinds, das „auf mysteriöse Art und Weise verstarb, bleibt bis heute faszinierend”, legt der Text zu ihm offen.
Johann Heinrich Christian von Schmaltz (1787 bis 1865) war laut Biernoths Angaben erster griechischer Kriegsminister der Neuzeit. Er habe seinen Lebensabend in Ansbach verbracht.
Ludwig Ritter von Keller (1839 bis 1911) war ebenfalls rechtskundiger Bürgermeister und Gründer der Freiwilligen Feuerwehr. Ab 1919 amtierte Dr. Wilhelm Borkholder (1886 bis 1945) als Oberbürgermeister. Im Mai 1934 trat er auf Druck des Nationalsozialismus zurück, wie Alexander Biernoth schilderte.
Die Informationen über alle 24 bislang dargestellten Menschen auf dem Friedhof sind auch im Internetverfügbar.