Veröffentlicht am 07.08.2022 11:08

„Der Fliegende Holländer“ in Bayreuth bejubelt

Elisabeth Teige als Senta und der Chor in „Der Fliegende Holländer“ in Bayreuth. (Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa)
Elisabeth Teige als Senta und der Chor in „Der Fliegende Holländer“ in Bayreuth. (Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa)
Elisabeth Teige als Senta und der Chor in „Der Fliegende Holländer“ in Bayreuth. (Foto: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa)

Mit begeistertem Applaus ist am Samstagabend die Aufführung von Richard Wagners Oper „Der Fliegende Holländer“ bei den Bayreuther Festspielen aufgenommen worden.

Beifallsstürme donnerten durch das Festspielhaus, als das Sängerensemble vor den Vorhang trat – allen voran galten sie der norwegischen Sopranistin Elisabeth Teige, die in der Rolle der Senta brillierte. Auch die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv wurde gefeiert.

Die Inszenierung des russischen Regisseurs Dmitri Tcherniakov, der sich nicht zeigte, geht ins zweite Jahr. Tcherniakov interpretiert die Erzählung vom Holländer, jenem geheimnisvollen Seefahrer, als Rachedrama. Als kleiner Junge musste er den Suizid der von der Gemeinschaft geächteten Mutter miterleben. Nun kehrt er zurück in die Kleinstadt, um sich zu rächen. Die Bewohner ahnen nichts, allen voran Daland, der, ein gutes Geschäft witternd, den reichen Fremden mit seiner rebellischen Tochter Senta verheiraten möchte, die ihrerseits nichts mehr will als aus dieser spießigen Welt auszubrechen.

Tcherniakovs Idee erweist sich jedoch auf Dauer als zu eindimensional, um über drei Akte zu tragen. Wagners dramatische Vorlagen werden mehr als einmal verschenkt, etwa wenn in einer Schlüsselszene der Oper Senta und der Holländer aufeinandertreffen, dieser jedoch hinter den Streben eines Wintergartens kaum zu sehen ist. Eine Überraschung birgt freilich der Schluss: Anstatt durch Sentas Liebestod erlöst zu werden, wird der Holländer schnöde von Dalands Gefährtin Mary mit der Flinte abgeknallt.

Elisabeth Teige zieht das Publikum in ihren Bann

Als Nachfolgerin der im vergangenen Jahr frenetisch gefeierten Asmik Grigorian trat Elisabeth Teige als Senta ein vermeintlich schweres Erbe an. Doch sie ließ sich davon nicht beeindrucken. Mit ihrem klaren Sopran, mühelos in den Höhen, bewegend in lyrischen Passagen, zog Teige vom ersten Moment an das Publikum in ihren Bann und wurde mit Ovationen bedacht. In der Titelrolle trat kurzfristig Thomas J. Mayer an, da der ursprünglich vorgesehene John Lundgren Anfang Juli abgesagt hatte, und gab einen beeindruckenden Holländer. Georg Zeppenfeld als Daland bewies mit herausragender Leistung einmal mehr, warum er zu den Lieblingen des Bayreuther Festspielpublikums zählt. Eric Cutler als kraftvoller Erik, Nadine Weissman als Mary sowie Attilio Glaser als Steuermann komplettierten die überzeugende Riege der Solisten.

Oksana Lyniv, die im vergangenen Jahr als erste Frau überhaupt eine Oper im Bayreuther Festspielhaus dirigiert hatte, bekam die Herausforderungen des verdeckten Bayreuther Orchestergrabens gut in den Griff. Mit großer Präzision, zupackend und eindringlich, führte sie das Festspielorchester, hielt die Chorszenen zusammen und schuf berührende Momente. Großer Jubel schließlich galt auch den von Eberhard Friedrich geleiteten Chören. Im vergangenen Jahr coronabedingt noch aus dem Chorsaal zugeschaltet, konnten sie nun wieder auf der Bühne agieren und die Wucht von Richard Wagners Choroper ungehindert entfalten.

Als letzte Premiere der diesjährigen Saison folgt am Montag (8. August) als Wiederaufnahme der „Tannhäuser“. Die gefeierte Inszenierung von Tobias Kratzer stammt aus dem Jahr 2019. Die Richard-Wagner-Festspiele dauern noch bis zum 1. September.

© dpa-infocom, dpa:220806-99-300509/6

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