Auf der Bühne und rund ums Theater fallen oft bildhafte Ausdrücke. Daher ist es wohl nicht übertrieben, dass das Große Haus fürs Theater Ansbach das „Herz“ ist. Und dem steht eine langwierige „OP“, sprich Baustelle, bevor. Nadine Maurer, Vorstands-Chefin der Genossenschaft, sprach jetzt über mögliche zeitweilige Alternativen.
Seit 9. Februar 2024 ist es nunmehr untersagt, das Große Haus, also den Zuschauersaal mit seinen 418 Plätzen, zu nutzen. Vor allem starke Brandschutzmängel, verbunden mit einer nicht abgenommenen Lüftungsanlage, stellte man fest.
Wie soll es weitergehen, solange das Große Haus nicht bespielbar ist? In Luigi Pirandellos Stück „Sechs Personen suchen einen Autor“ etwa dringen sechs Menschen darauf, einen Autor für ihre Familientragödie zu gewinnen. Die Realität ist um einiges prosaischer: Die Genossenschaft Theater Ansbach – Kultur am Schloss sieht sich nach möglichen Ersatz-Spielstätten um.
Dazu sprach in einer außerordentlichen Generalversammlung die neue Vorstandsvorsitzende Nadine Maurer. Sie informierte über aktuelle Gespräche und Besichtigungen für Interims-Spielstätten.
In Zusammenarbeit mit der Stadt habe man sich einiges angesehen. Mittlerweile befänden sich zwei Objekte etwas in der engeren Auswahl: das Blaue Kreuz, früher Evangelisches Gemeindehaus, in der Triesdorfer Straße 1 und der Distlersaal im Stadtteil Eyb.
Die Menschen beim Blauen Kreuz „waren sehr, sehr nett und haben gesagt, sie könnten sich vorstellen, uns da ein Dach über dem Kopf zu geben“. Ebenso besichtigt habe man den Distlersaal, in den natürlich zu investieren wäre. Die Stadt prüfe gerade, ob dies denkbar wäre.
Nadine Maurer, die auch SPD-Stadträtin ist, jedenfalls betonte: „Es wäre meiner Meinung nach sehr nachhaltig.“ Wenn das Theater das Bauwerk einmal nicht mehr braucht, könnten vielleicht Vereine oder Gruppen es als Veranstaltungssaal nutzen, die sonst zuweilen nicht unterkämen. Es sei ja ein toller Saal gewesen, der wohl nicht nur bei den Eybern beliebt gewesen sei.
Dazu, welche Säle oder Bühnen das Theater als Ersatz-Spielstätte verwenden kann, machte die Vorstandsvorsitzende außerdem deutlich: „Wir können schon mal auf eine andere Bühne gehen – das haben wir ja auch gezeigt.“
Für das allerdings, was das Theater leisten muss, auch um eine Landesförderung zu erhalten, benötige es eine bestimmte Anzahl an Produktionen und Vorstellungen. Mit dem wenigen Personal sei es ihm schwer möglich, auf einer Bühne zu spielen, bei der „wir eine Doppel- oder Mehrfachnutzung haben“. Man wäre in diesem Fall ständig mit dem Ab- oder Aufbau beschäftigt.
Nadine Maurer wünscht sich deshalb ein zeitweiliges Obdach für das Theater, bei dem „wir nicht stören“, sondern das für die Zeit, bis das Große Haus saniert ist, Zuhause ist. In diesem müssten die Zuschauerinnen und Zuschauer die Künstlerinnen und Künstler auch finden.
Auf die Ausschreibung für die Interims-Spielleitung durch den baldigen Weggang von Intendant Axel Krauße seien viele Bewerbungen eingegangen. Jetzt gilt es laut den Worten der Vorstands-Chefin, in einem Gremium zu prüfen, wer geeignet ist, Verständnis für die Lage hat – und den Mut, den Weg mitzugehen.
Als wichtigen Meilenstein bezeichnete sie die Gespräche mit der Stadt und dem von der Kommune beauftragten Planungsbüro. „Nun hoffen wir, dass die Pläne zur Sanierung bald konkrete Form annehmen“ und dass die Arbeiten losgehen können. Auch wenn sie nicht weiß, wie lange sie dauern: 2028 feiert das Borkholder-Haus Jubiläum.
In drei Jahren besteht es in dieser Form 25 Jahre. „Es wäre ja schon schön, wenn wir bei der Gelegenheit groß wiedereröffnen könnten“, hob Nadine Maurer hervor. Aber sie sage es mit einem Augenzwinkern. Sie sei auch Realistin.