Viel entdecken konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 18. Theaterspaziergangs der Feuchtwanger Kreuzgangspiele am Donnerstagabend. Eng um das Stadtzentrum herum zog sich der Kreis mit insgesamt 14 Stationen, an denen es kurze Schauspieldarbietungen gab.
Das Interesse an dem Theaterspaziergang, bei dem erstmals Kirsten Schneider Regie führte, ist inzwischen so groß, dass zwei Gruppen mit je 100 Teilnehmenden gebildet werden mussten. Diese Einstimmung auf die laufenden Festspiele bietet die Möglichkeit, die Darstellenden einmal ganz nah zu erleben. Zudem tun sich immer wieder spannende Ecken Feuchtwangens auf.
Das beginnt gleich in der Johanniskirche mit Joseph Reichelt und seiner Geschichte vom „WC“, als Waldkapelle mit modernistischer Schreibweise fehlinterpretiert. Ein vergnügliches Missverständnis von unbekannter Autorenschaft. Im Forstamtsgarten trifft man auf einen mit Koffern bepackten Herrn, Michael Grötzsch, der sich nicht entscheiden kann, wie er sich beruflich orientieren möchte. Einem oder zwei Herren dienen, fragt er sich, in Anlehnung an Carlo Goldonis bekanntes Stück. Immer mehr Läden schlössen und würden gegen Kartons eingetauscht, lamentiert Niklas Kappler in seinem selbst verfassten Text vor einem verwaisten Geschäft in der Hindenburgstraße.
Mit Ulrich Westermann an der Gitarre stimmt Chantale Schumacher vor dem Dekanatsgebäude Leas traurige Ballade „Leiser“ an. Ein ruhiger Moment, ganz im Kontrast zu Juliane Krug als Influencerin im Ochsenhof, die für einen dubiosen Proteinshake wirbt. „Fit mit Britt“ macht aber nicht fit wie Schmidt, denn es schmeckt offensichtlich scheußlich. Wenn einen der Selbstzweifel packt und dieser als schwarz-strubbeliger Kobold Gestalt annimmt, dann kann man schon die Krise kriegen, so wie es Philipp Peters im Verbund mit Chantale Schumacher in der Museumsstraße zeigt.
Anschließend schlängeln sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den engen Schrannen-Durchgang, wo ein militärisch gewandeter Mario Schnitzler wartet. Die Akte Virginia Hall soll in dem selbst verfassten Text neu verhandelt werden – ein Unterfangen, das wie in der echten Biographie im Sande verläuft. Gut, dass es feste Regeln gibt, auf die man sich stützen kann, so wie sie Meike Pintaske in der Gerbergasse vorträgt. Sie hat tatsächlich existierende Vorschriften zusammengetragen, die reichlich absurd klingen. Etwas abstrus ist auch das Telefongespräch, das Jaes Gärtner als Lottchen im Glaspavillon an der Sulzachbrücke führt: Angeblicher Großmut wird hier schnell Lügen gestraft.
Ebenso sagenhaft nimmt sich Lancelots Begegnung mit einem schwarzen Ritter aus, die so bestimmt nicht im Artus-Epos beschrieben steht. Bodo Wartke hat sie sich ausgedacht, Lennart Matthiesen sie hervorragend auf einer Bank in der Sulzachaue stehend rezitiert. Ganz fremdartig klingt auch die Geschichte vom Wettrennen zwischen Hase und Igel, wenn sie in Platt vorgetragen wird. Bei Tikki Marie Thöne, die fast im Ried der Sulzach verschwindet, heißt sie „Dai Schwienägel und däi Hoas (no grimm)“.
Luna Vornehm und Ben Erik Schröter stehen sich als feindselige Schachfiguren im Klee-Anwesen gegenüber. Und passend zum Stück bekommen sich Marié Detlefsen und Sophie Militzer vor den öffentlichen Toiletten in der Straße „Am Taubenbrünnleinstraße”.
Abschließend geht es in den Kreuzgang, in dem sich noch einmal das ganze Ensemble auf der Bühne versammelt, die es diesen Sommer bespielen wird.