Wer in nächster Zeit nachmittags am Ansbacher Bahnhof ankommt oder zu den Gleisen muss, der hat eine gute Chance darauf, mit einem Lächeln weiterzulaufen – und mit ein paar tiefergehenden Gedanken. Man fragt sich ja schon: Was machen jetzt eigentlich Pinguine und Polarforscher hier?
Gegen 14 Uhr scheint am Bahnhof noch alles ganz normal. In der Empfangshalle warten ein paar Reisende. Kunden stehen im Reisezentrum am Schalter. Es ist warm, schweißtreibend warm – zu warm für Anfang September. Die S-Bahn bringt einen Schwung Fahrgäste. Stimmengewirr. Eine Durchsage. Bahn-Alltag.
Nicht ganz. Zwischen den sommerlich leicht bekleideten Reisenden tummeln sich fünf Gestalten, die aus einer anderen Klimazone stammen müssen. Drei mannsgroße Kaiserpinguine und zwei Polarforscher, dick eingemummelt – es sollte ja kalt sein dort, wo sie hinwollen. In der Antarktis ist es das nicht mehr unbedingt. Also sind sie aufgebrochen. Wohin auch immer.
Munter tippeln die Pinguine im Bahnhof herum. Kinder sind begeistert. Bundespolizisten schauen amüsiert zu. Die drei Vögel geben ein feines Komiker-Trio ab, einfach dadurch, dass sie da sind.
Einer studiert ausführlich Fahrpläne. Ein anderer macht es sich in der Empfangshalle bequem und blättert in Marc-Uwe Klings „Känguru-Klassikern“. Später tanzen die Kerlchen in schönster Anmut ein bisschen Pinguin-Ballett.
Den Fotoautomaten entdecken sie auch. Mit dessen Vorhang lassen sich allerhand Faxen machen. Und mit den Leuten, die vorbeikommen, plaudern sie auch gern. Nett, kurz und unaufdringlich tun sie das. Das Pinguin-Trio sucht ein Zuhause. Ein junger Mann hat Mitleid, holt eine Getränkedose aus dem Rucksack und schenkt sie einem Pinguin.
Die beiden Forscher sind von anderer Art. Sehr langsam und stumm und ernst und oft gebückt schreiten sie herum. Lang geht ihr Blick irgendwohin. Nach oben. Nach vorne. Ins Ungewisse. Aus den Lautsprechern kommen inzwischen keine Durchsagen mehr, sondern Texte. Goethe, Jules Verne, Pinguin-Passagen aus Grzimeks Tierleben – solche Sachen. Wer ein paar Fetzen aufschnappt, ahnt: Hier geht es um mehr als um eine Fahrgast-Bespaßung.
Das Gostner Hoftheater aus Nürnberg hat die fünf Polarwesen im Auftrag der Deutschen Bahn geschickt. Ihre Performance soll den Alltagstrubel freundlich unterbrechen, zum Innehalten animieren und nun täglich auf das Konzert einstimmen, das am 18. September, 19 Uhr, im Ansbacher Bahnhof stattfindet. Ein Jazz-Ensemble wird dann Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ auf seine Art neu interpretieren.
Entworfen haben das Konzept für die Performance die Theatermacher Laurent Gröflin, Christine Haas und Jörg Zysik. Sacht tippen sie darin Probleme der Zeit an, kleiden sie aber unterhaltsam ein. Die Kostüme hat Vera Goth angefertigt.
Die Pinguine und Polarforscher sollen bis zum 17. September täglich zweimal für je eine Viertelstunde am Ansbacher Bahnhof für kleine, heitere Irritationen und Nachdenk-Stupser sorgen. Bei der Premiere hat das geklappt.
Die Termine der Performance „Station to Station”