Uraufführung in Ansbach: „Limpert – 20 Minuten Frühling“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.10.2025 19:00

Uraufführung in Ansbach: „Limpert – 20 Minuten Frühling“

Bei der Musterung (von links): eine Szene aus „Limpert – 20 Minuten Frühling“ mit Matthias Eberle, Lukas Aue, Luzia Aue und Merlin Nestler. (Foto: Martin Stumpf)
Bei der Musterung (von links): eine Szene aus „Limpert – 20 Minuten Frühling“ mit Matthias Eberle, Lukas Aue, Luzia Aue und Merlin Nestler. (Foto: Martin Stumpf)
Bei der Musterung (von links): eine Szene aus „Limpert – 20 Minuten Frühling“ mit Matthias Eberle, Lukas Aue, Luzia Aue und Merlin Nestler. (Foto: Martin Stumpf)

Ein Höhepunkt des Robert-Limpert-Gedenkjahres ist die Uraufführung des Theaterstücks „Limpert – 20 Minuten Frühling“ von Florian Bald im Gymnasium Carolinum.

Das Stück setzt in dem konkreten Menschen Robert Limpert und den örtlichen Umständen an, ist aber auch der Fußpunkt eines Vektors, der weit darüber hinaus reicht. Aber das ist schon die dritte wesentliche Wirkung.

Die erste ist, dass für diese Inszenierung überwältigend viele Ansbacher Künstlerinnen und Künstler, Verantwortliche und Institutionen zusammengekommen sind und an der Uraufführung auf beiden Seiten der Bühne vertreten sind.

Im Innenhof des Gymnasium Carolinum, der zu den Spielorten des Wandeltheaterstücks gehört: Regisseurin Daniela Aue (vorne) sowie der Schauspieler Lukas Aue, der Komponist Stefan Kammerer, Chorleiterin Franziska Argmann und Schulleiter Stefan Exner (hinten von rechts). Daniela Aues Hund Elmo ist bei den Proben dabei.  (Foto: Lara Hausleitner)
Im Innenhof des Gymnasium Carolinum, der zu den Spielorten des Wandeltheaterstücks gehört: Regisseurin Daniela Aue (vorne) sowie der Schauspieler Lukas Aue, der Komponist Stefan Kammerer, Chorleiterin Franziska Argmann und Schulleiter Stefan Exner (hinten von rechts). Daniela Aues Hund Elmo ist bei den Proben dabei.  (Foto: Lara Hausleitner)

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Große und kleinere Player der Förderszene haben die Produktion finanziert, Schule und Stadt als Gebäudeeigentümer leisten alle erdenkliche Unterstützung und nicht zuletzt kommen Ansbacher Kunstschaffende zusammen: Daniela Aue vom Theater Spiel.Werk führt Regie, Stefan Kammerer hat die Musik geschrieben und Julius Uebelhör (Cello) sowie der Kammerchor unter Leitung von Franziska Argmann setzen sie um.

Spielstationen in der Schule

Der 19-Jährige Robert Limpert war im April 1945 von dem Ansbacher Kampfkommandanten Dr. Ernst Meyer eigenhändig am Ansbacher Rathaus aufgehängt worden. „Limpert – 20 Minuten Frühling“ ist als Wandeltheater konzipiert und führt durch die Schule zu mehreren Spielstationen. Das Stück ist kein klassisches Geschichtstheater, was sich schon darin zeigt, dass Robert Limpert als Mensch, als überzeitliche Gestalt und als Seele dargestellt wird.

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Hannes Hüttinger (links) hat mit Axel Ludwig Setzer einen Kranz für Robert Limpert vor dem Ansbacher Rathaus niedergelegt. (Foto: Alexander Biernoth)
Hannes Hüttinger (links) hat mit Axel Ludwig Setzer einen Kranz für Robert Limpert vor dem Ansbacher Rathaus niedergelegt. (Foto: Alexander Biernoth)

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Im Stil einer Collage werden auf der Grundierung der historisch verbürgten Abläufe Szenen gespielt (eindrücklich: Matthias Eberle, Rebecca Kirchmann und Merlin Nestler), es wird aus Briefe gelesen und der innere Kampf choreographisch (brillant: Lukas Aue und Luzia Aue) dargestellt. Der Kammerchor verbindet und verstärkt die Szenen musikalisch, etwa beim Sprechchor „1.000 Jahre“, wenn er deutsches Liedgut auf Hitlerjugendlieder treffen lässt oder bei der Neuschöpfung „Vati hasst alles“.

Die Aufführung wird durch die ganze Umgebung, die Schule an sich, die Robert Limpert besucht hat, und die jungen Menschen in seinem Alter sowie die Dunkelheit stark emotional aufgeladen. Die etwa 50 Betrachtenden sind vom ersten Moment an Sta­tis­te­rie, weil die Darstellerinnen und Darsteller um sie herum agieren, aus dem Dunkeln auftauchen, die Menge ausweicht und sich neu formieren muss.

Nur schauen und nichts tun?

Es schleicht sich aber auch das Gefühl ein, dass hier 50 Gaffer zugegen sind, Leute, die nur schauen, aber nichts tun. Das fordert den Betrachter enorm heraus, weil die Fragen, die Robert Limpert gespürt hat, auch ihn betreffen. Es sind hohe Werte, die aufgerufen werden: Moral, Überzeugung, Glaube. In Limperts Glaubenswelt heißen sie Pietas, Caritas und Castitas, also Frömmigkeit, Nächstenliebe und Enthaltsamkeit. Und es erhebt sich die Frage nach der eigenen Verantwortung, wenn sich ähnliches im echten Leben ereignet.

Die zweite wesentliche Wirkung ist, dass die Person des Robert Limpert einen Puls und einen Atem, eine Stimme und einen Körper erhält und dadurch erlebbar und einnerbar wird. Er ist bei einem Flirt zu sehen, bei der Musterung und den Erniedrigungen im Sportunterricht.

Starke Momente

Das Stück hat starke, eindrückliche Momente: Faksimile eines Flugblattes von Limpert fallen von oben herab auf das Publikum und nehmen Bezug auf die Widerstandsgruppe der Weißen Rose. Es hat auch skurrile Momente: Dr. Bosl, ein Lehrer Limperts, der sich später zu Unrecht zum Komplizen stilisiert hat, und der ganz Ansbach nachträglich zu „einem Ort des Widerstands“ erklärt.

Die dritte Wirkung ist die Essenz des Werkes. Sie wird am Ende unaufdringlich, aber doch eindrücklich formuliert: „Es gibt Menschen, die tun Gutes. Es gibt Menschen, die tun anderen Menschen das Schlimmste an. Und es gibt uns.“ Damit weist es weit über den eigentlichen Anlass hinaus. So, wie nur wirklich relevante Werke es tun.


Von MARTIN STUMPF
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