„Eine verantwortungsvolle und technologieoffene Weiterentwicklung der konventionellen Landwirtschaft zusammen mit einer maßvollen Reduktion des Fleischkonsums ist das effizientere Zukunftsmodell für mehr „Greening“ in der Landwirtschaft“, sagt Dr. Herbert Ströbel.
Er ist Professor in Triesdorf und war Gast auf einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (ELF), die in Ipsheim tagte. Nach Ströbels Ansicht kann der vielgeforderte Ausbau des Ökolandbaus die Probleme rund um die Welternährung, des Klimas und der Artenvielfalt nicht lösen.
Wie Ströbel darlegte, würde mehr Bioanbau – anders als oft kommentiert – die agrarpolitischen Probleme nicht lösen, sondern sogar verstärken. Daraus gehe hervor, dass mehr Ökoanbau zu mehr Treibhausgasen und mehr Klimawandel, weniger Artenvielfalt, teureren Lebensmitteln und einer stärkeren Abhängigkeit von Importen führen würde. Dies solle man angesichts der politischen Weltlage nicht riskieren.
Er schlug eine intelligentere Förderpolitik vor, um fürs gleiche Geld mehr „Greening“ zu erhalten und ohne die Umweltkosten zu exportieren. Anstatt besonderer Förderung des Ökolandbaus hielt er zusätzlich eine großzügige Unterstützung von nachweislich ökologischen Leistungen für geboten.
Statt den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmitteln pauschal zu reduzieren, sollten weniger umweltschädliche Ersatztechnologien gefördert werden. Schließlich sichere der Pflanzenschutz zirka 30 Prozent der Erträge. Giftwirkungen würden gemeinhin überschätzt, meinte Ströbel.
Als ein Kernproblem bezeichnete Ströbel den um rund 50 Prozent geringeren Flächenertrag aus dem Ökolandbau. Das führe dazu, dass Deutschland schon 2017 netto den Ertrag von über fünf Millionen Hektar zur Deckung des Bedarfs an Nahrungsmitteln importiere.
Dass diese Fakten relativ wenig in die Öffentlichkeit diskutiert würden, führte der ehemalige freie Journalist und Korrespondent eines Fachverlages, Horst Hermannsen, auf den Einfluss der Medien zurück. Dabei griff er die Kampagnen von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir an. Der Journalist behauptete, dass heute weithin „die Presse den Takt vorgibt, nach dem die Politik tanzt“. Sorge bereite ihm, dass sich einerseits die Gesellschaft spalte, aber auch, dass es zu einer Einheitsgesellschaft kommen könnte. Politiker überlegten sich zu sehr: „Was kommt an, anstatt was ist richtig.“
Die CSU-Europaabgeordnete Marlene Mortler bezeichnete den „Vegetarismus“ als einen zentralen Angriff auf die Landwirtschaft. „Der Mensch kann halt kein Gras fressen wie eine Kuh oder eine Ziege“, sagte sie und meinte, dass nicht hinterfragt werde, dass ein Liter Hafermilch den zehnfachen CO2-Fußabdruck habe wie Kuhmilch.
Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, befand, dass Tierhaltung für die Artenvielfalt wichtig sei. Emissionsprobleme entstünden nicht durch die Tierhaltung. Sie sei ein Teil der seit ewigen Zeiten bestehenden Kreislaufwirtschaft. Felßner fürchtete, dass die derzeitige Politik vielleicht die Dekarbonisierung schaffe, aber dies auch zu einer Deindustrialisierung führen könnte.
In der Diskussion wurde aus dem Publikum eine fortschreitende Bürokratisierung und das Vorgehen der Verwaltungen bei den „Roten Gebieten“ kritisiert. MdL Hans Herold, der CSU-Kreisvorsitzende Christian von Dobschütz und CSU-Landtagskandidat Werner Stieglitz fanden, dass Bayern in vielen Belangen besser dastehe als andere Bundesländer.