Lichtmesstag in Triesdorf: Wie fahren und arbeiten die Schlepper der Zukunft? | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 02.02.2026 18:30

Lichtmesstag in Triesdorf: Wie fahren und arbeiten die Schlepper der Zukunft?

Verschiedene Hersteller, unterschiedliche Größen: Am Nachmittag war Zeit, um sich die Maschinen im Hof genauer anzusehen. (Foto: Antonia Müller)
Verschiedene Hersteller, unterschiedliche Größen: Am Nachmittag war Zeit, um sich die Maschinen im Hof genauer anzusehen. (Foto: Antonia Müller)
Verschiedene Hersteller, unterschiedliche Größen: Am Nachmittag war Zeit, um sich die Maschinen im Hof genauer anzusehen. (Foto: Antonia Müller)

Erledigen Traktor und Sämaschine zukünftig allein die Arbeit auf dem Feld, während Landwirtinnen und Landwirte zu Hause Kaffee trinken? Warum fahren Feldhäcksler und Schlepper noch immer mit Diesel, während auf den Straßen immer mehr E-Autos rollen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Lichtmesstag in Triesdorf.

Im Hof des Fachzentrums für Energie und Landtechnik (FEL) reihte sich am Montag feinsäuberlich Schlepper neben Schlepper. Wer den Wegweisern vom Parkplatz bis ins Forum des FEL folgte, war mittendrin beim Triesdorfer Lichtmesstag. „Traktoren-Technik der Zukunft” stand als Thema über Vorträgen und Diskussionsrunden.

Wenn am 2. Februar auch die Letzten ihren Weihnachtsbaum aus dem Haus werfen, gibt es in Triesdorf traditionell Informationen und Impulse zu landwirtschaftlichen Themen. Rund 300 Interessierte der Branche kamen dazu am Montag zusammen. Das Publikum war hauptsächlich männlich, nur eine Gruppe FOS-Schülerinnen aus dem Schwerpunkt Agrarwirtschaft hat sich in einer Ecke zusammen gesetzt.

In den Vorträgen gab es einige Einblicke, wohin die Reise auf dem Acker gehen kann. Dr. Josef Mayer (Vice President und Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Fendt) blickte zum einen auf die Antriebstechniken. Schon jetzt gibt es Schlepper mit Batterie oder Wasserstofftank. Die Prognose des Fendt-Mannes: Während Hersteller bei kleineren Traktoren auf Elektroantrieb setzen können, wird bei leistungsstarken Maschinen weiter der Verbrennungsmotor an erster Stelle stehen.

„Die Maschinen müssen sich verstehen”

Mayer warf außerdem einen Blick auf die Themen Automatisierung und autonomes Fahren. Durch ausgeklügelte Sensorik, GPS-Signale und schnelle Kommunikation sind bereits heute viele Arbeitsabläufe automatisiert. Einfache Dinge wie das Einstellen der Geschwindigkeit „sind wesentlich, wenn die Autonomiegrade weiter steigen sollen”, betonte der Experte. Mit KI-Modellen könne man in diesem Bereich noch besser werden.

Am Ende ist besonders eines wichtig: „Die Maschinen müssen sich verstehen.” Schlepper und das angehängte Hackgerät müssen zusammenarbeiten, aber ein Traktor muss bei der Ernte auch wissen, was der Feldhäcksler neben ihm tut.

Michael Weber (Direktor John Deere Production Systems) sprach neben der Automatisierung der Maschinen auch davon, dass die Wartung digitaler werden solle. Vorbeugende Wartung und Fernüberwachung seien hier Stichwörter.

Weber zeichnete außerdem eine Zukunftsvision, die in den USA teils schon Realität sei: Der Fahrersitz bleibt leer, während die Maschine ihre Bahnen auf dem Feld zieht. Ist der Startknopf gedrückt, können Landwirtinnen und Landwirte zu Hause Kaffee trinken gehen. Lachen und Unruhe kamen im Publikum auf. Skepsis wurde geäußert und in der anschließenden Pause diskutiert. Gilt die Vision auch für die kleinen Strukturen in Mittelfranken? Ist das wirklich die Zukunft der Landwirtschaft?

Nicht mehr „einer für alle”

Einen Überblick über alternative Antriebskonzepte und Kraftstoffe gab Professor Roger Stirnimann in seinem „besten Schweizer Hochdeutsch”. Er ist Agrartechnik-Dozent an der Berner Fachhochschule. Auch er kam, wie Mayer, zu dem Schluss, dass der Verbrenner bei größeren Maschinen bleiben wird.

Er blickte genauer auf alternative Kraftstoffe wie Biodiesel, Methan oder Wasserstoff. Stirnimann zeigte jeweils Vorteile und Herausforderungen auf. So könnte Biodiesel oder Pflanzenöl relativ einfach umgerüstet werden, während man für Methan oder Wasserstoff Druckbehälter und isolierte Tanks benötigt. Ein Hauptproblem sei häufig, dass man nicht ausreichend Energie für lange Arbeitstage an Bord habe. Stirnimanns Ausblick: Zukünftig wird es nicht mehr eine Lösung (aktuell Dieselmotor) für alles geben, sondern unterschiedliche Ansätze für unterschiedliche Einsatzbereiche.

Über den Tag verteilt folgten weitere Vorträge von Professor Dr. Peter Breunig (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) zu den wirtschaftlichen Veränderungen in der Branche und von Georg Schauer (FEL) über die Nutzung von PV-Strom durch elektronisch angetriebene Fahrzeuge am Hof. Bei Podiumsdiskussionen wurden einige Punkte noch einmal separat mit weiteren Akteuren der Branche debattiert.

Am Nachmittag konnten die Gäste dann selbst noch aktiv werden: In den neuen Lehrhallen fand eine Kontaktbörse statt. Die Maschinen außen wurden außerdem besichtigt, bevor sie wieder – mit Mensch am Steuer – vom Hof gefahren wurden.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
north