Die Debatte um den geschassten Klimaschutzmanager des Landkreises und um einige strittige Aussagen, die bei einer Veranstaltung des CSU-Landwirtschaftsarbeitskreises gefallen sind, halten an. Zu Wort gemeldet haben sich nicht nur etliche Leserinnen und Leser, sondern auch mehr oder minder Beteiligte.
So kritisierte etwa der CSU-Kreisrat Paul von und zu Franckenstein, durch dessen Anfrage im Kreistag die Kündigung von Klimaschutzmanager Franz Graf öffentlich bekannt wurde, in einer Stellungnahme die Wortwahl Grafs.
Dieser greife in Bezug auf die Aussagen der Europaabgeordneten Marlene Mortler zu Vokabeln wie „Fake-News“, „Polemik“, „populistisch“, „unüberlegt“, „Bildungsdefizite“, „minderwertig“, „spaltend“ und „gefährlich“. Von und zu Franckenstein findet: „Sachliche Besonnenheit klingt anders.“ Er stellt dabei infrage, ob dies noch Platz für Vermittlungsarbeit lasse.
Niemand in der CSU, so meint der CSU-Kreisrat weiter, stellt den Ökolandbau in Frage. Zugleich fordert von und zu Franckenstein ein, dass „Kritik an der konventionellen Landwirtschaft auch wissenschaftlich begründet sein muss“. Im Übrigen habe der Verbraucher viel in der Hand. Wenn nur noch Bio-Ware gekauft würde, würde der Anteil des Ökoanbaus sofort steigen.
Bei einer der gemeinten irreführenden Aussagen Mortlers – der Behauptung, Haferdrinks seien zehnfach CO2-schädlicher als Kuhmilch – sah von und zu Franckenstein die Sachlage „doch nicht so eindeutig“, wie es unter anderem der Klimaschutzmanager sah. Der CSU-Kreisrat verweist dabei auf die unterschiedlichen Nährstoffgehalte der miteinander verglichenen Produkte.
In diese Kerbe schlägt auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Jürgen Dierauff. Er war der Diskussionsleiter bei der CSU-Arbeitskreis-Veranstaltung, bei der die von Graf kritisierten Äußerungen gefallen sind. Dierauff stellt er gegenüber unserer Zeitung die Seriosität des Wissenschaftsmagazins quarks.de infrage, das die Klimabilanz verschiedener Milchprodukte analysiert hatte, und stufte dieses als zumindest teilweise tendenziös ein.
In der Frage der CO2-Belastung gelte es zudem, auch auf Details zu achten, findet Dierauff, etwa ob das Futter der Kühe vor Ort produziert oder importiert werde. Ohnehin plädierte der BBV-Obmann dafür, die positiven Klimaeffekte regionaler Produktion stärker zu beachten. Er geht davon aus, dass Molkereien in wenigen Jahren von ihren Lieferanten auch Angaben zum CO2-Fußabdruck der angelieferten Milch einfordern. Diese Entwicklung solle aber auf Eigeninitiative und nicht durch gesetzgeberischen Druck gelenkt werden, findet Dierauff. Der Kreisobmann hatte nach eigenem Bekunden bereits am Tag der Veröffentlichung der Graf-Stellungnahme sowohl mit diesem als auch mit der Kreisbehörde das Gespräch gesucht, zudem später auch mit verschiedenen Leserbriefschreibern.
Neben der landwirtschaftlich-ökologischen Frage wird zudem weiterhin das Vorgehen der Kreisbehörde gegenüber dem Klimamanager debattiert. Der Biolandwirt und ÖDP-Politiker Tristan Billmann sieht in den Aussagen Grafs „endlich Klartext und sachliche Richtigstellung von falschen Aussagen“. Dass sich dies für den Klimamanager so negativ auswirkte, fasst Billmann so zusammen: „Das behördliche Korrektiv wird fristlos gekündigt, die Europaabgeordnete und das Gesagte bleiben.“ Ähnlich wertet es Grünen-Kreisrat David Muck. Es werde „damit indirekt das Verbreiten von Falschinformationen ihrer Vertreterinnen und Vertreter verteidigt“.
Vom Landratsamt gibt es nach wie vor keine Stellungnahme. Auf dessen Homepage ist aber Grafs Name in der Rubrik Klimaschutzmanagement inzwischen entfernt.