„Wir sind auf der Suche nach einem neuen Klimamanager“, sagte Landrat Helmut Weiß (CSU) im Freitag im Kreistag auf eine Anfrage des CSU-Kreisrats Paul von und zu Franckenstein. Weiter wollte sich der Behördenchef dazu im öffentlichen Sitzungsteil nicht äußern. Doch für alle Anwesenden war damit klar: Der bisherige Klimaschutzmanager Franz Graf ist seinen Job los. Was war geschehen?
Graf hatte in seiner Funktion als Klimaschutzexperte des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim auf einige Aussagen reagiert, die bei einer Veranstaltung des CSU-Landwirtschaftsarbeitskreises gefallen waren. Insbesondere hatte Graf der CSU-Europaabgeordneten Marlene Mortler widersprochen. Diese hatte unter anderem kolportiert, dass Hafermilch den zehnfachen CO2-Fußabdruck von Kuhmilch habe.
Kernbotschaft von Grafs Stellungnahme war jedoch, dass die Debatte nicht polarisierend, sondern sachorientiert und auf Kompromisse ausgerichtet geführt werden sollte. „Wir müssen zusammenarbeiten und nicht gegeneinander“, hatte Graf appelliert.
Paul von und zu Franckenstein sah in Grafs Äußerungen einen „klaren Verstoß gegen das staatliche Neutralitätsgebot“. Zwar könne jeder Beamte seine persönlichen Werturteile treffen, dürfe dies aber nicht als Behörde tun. Dies sei „höchst problematisch und gefährlich“, fand der CSU-Rat.
Zu diesem Zeitpunkt am Freitagnachmittag war Graf offenbar bereits fristlos gekündigt, wie unsere Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr. Das Landratsamt selbst wollte am Montag auf Nachfrage dazu keine Stellungnahme abgeben. Es handle sich um eine Personalangelegenheit, die dem Datenschutz unterliege. Auf der Homepage des Landratsamts war Graf am Montagnachmittag noch als Ansprechpartner für das Klimaschutzmanagement angegeben. Allerdings lehrt die Erfahrung, dass nicht jede Homepage tagesaktuell gepflegt wird.
Die Anmerkung des Landrats im Kreistag ist somit vorerst die einzige öffentliche Auskunft. Für diese gab es im Gremium nicht nur aus den CSU-Reihen, sondern auch von der einzigen AfD-Rätin Beifall.
Franz Graf selbst wollte sich auf Nachfrage unserer Redaktion ebenfalls nicht öffentlich zu dem Vorgang äußern. Er wolle „kein Öl mehr ins Feuer gießen“, sagte er.
Inzwischen gibt es auch eine erste Stellungnahme aus den Reihen des Kreistags. Für David Muck (Bündnisgrüne) zeigte Grafs Stellungnahme, „welchen Frust diese Desinformationskampagnen bei Fachleuten auslösen“. Zudem befürchtete der Grünen-Fraktionsschef: „Die politische Auseinandersetzung ohne akzeptierte Faktenbasis ist nicht zielführend und spielt den Extremen in die Hände“, wie es in seinem Schreiben heißt.