Veröffentlicht am 06.10.2022 21:59

Merkel fühlte sich als „Kohls Mädchen“ nicht wohl

Angela Merkel (CDU), frühere Bundeskanzlerin. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Angela Merkel (CDU), frühere Bundeskanzlerin. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Angela Merkel (CDU), frühere Bundeskanzlerin. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fühlte sich mit der Bezeichnung als „Kohls Mädchen“ zu Beginn ihrer politischen Karriere nicht wohl. „Es war für mich kaum möglich, als eigenständige Person wahrgenommen zu werden“, sagte Merkel am Donnerstagabend bei einem Festakt zum 77-jährigen Bestehen der „Süddeutschen Zeitung“ in München. Dabei habe sie damals nach 35 Jahren in der DDR endlich ihrer eigenen Meinung Gehör verschaffen wollen. „Das empfand ich als ziemlich deprimierend.“

Merkel war zu Beginn ihrer Karriere Bundesministerin für Frauen und Jugend im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) und wurde medial lange als „Kohls Mädchen“ bezeichnet.

Einer der ersten Artikel, der in den 1990er Jahren in der „Süddeutschen Zeitung“ über sie erschienen sei, habe den Titel getragen: „Warum kennen wir Angela Merkel nicht?“ Darin habe es geheißen: „Sie ist die jüngste Ministerin, die Deutschland je hatte - vielleicht auch die netteste“, zitierte Merkel. „Wobei ich schnell merken sollte, dass es mit der Nettigkeit in der Politik so eine Sache ist.“

Nach Angaben von „SZ“-Chefredakteur Wolfgang Krach finden sich inzwischen 40.000 Artikel über Merkel im Archiv seiner Zeitung - 2000 mehr als über Kohl und über 10.000 mehr als über ihren direkten Vorgänger Gerhard Schröder (SPD).

In der „Süddeutschen Zeitung“ habe sie in der Folgezeit vor allem viel über ihre Schwesterpartei gelernt - die CSU, sagte Merkel. Der wird ein eher schwieriges Verhältnis zur „SZ“ nachgesagt, wie auch CSU-Chef Markus Söder in seinem bissigen Grußwort beim Festakt mehr als nur durchblicken ließ. „Alles, was von Bayern aus in Deutschland erfolgreich ist, ist zunächst per se mal super - auch wenn es die „Süddeutsche Zeitung“ ist“, sagte der bayerische Ministerpräsident, der sich an diesem Abend als „Vorgruppe“ von Merkel bezeichnete. „Ich bin seit über 30 Jahren „SZ“-Leser und war auch ein paar Tage ein echter Fan davon.“

Er würdigte die Zeitung allerdings - zum Unmut der ebenfalls anwesenden Grünen-Politikern Claudia Roth - auch als „die einzige ernstzunehmende Opposition in Bayern“. Über Söder erschienen nach Angaben Krachs 8000 Artikel in der „Süddeutschen“ - bislang.

© dpa-infocom, dpa:221006-99-35049/2

north