Glauber ließ sich in Ornbau das Wiesmet-Projekt zeigen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.06.2023 16:07

Glauber ließ sich in Ornbau das Wiesmet-Projekt zeigen

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Mitte) sprach im Wiesmet über das Potenzial des Projekts chance.natur und dessen Vorbildfunktion für integrativen Naturschutz. (Foto: Jonas Volland)
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Mitte) sprach im Wiesmet über das Potenzial des Projekts chance.natur und dessen Vorbildfunktion für integrativen Naturschutz. (Foto: Jonas Volland)
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Mitte) sprach im Wiesmet über das Potenzial des Projekts chance.natur und dessen Vorbildfunktion für integrativen Naturschutz. (Foto: Jonas Volland)

Ins neue alte Herz Ornbaus, dem Haus Altstadt 7, und damit auch ins Herz des Projekts „chance.natur“ ist Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gekommen. Er lobte dessen Zusammenarbeit mit der Stadt und den Landwirten als Vorbild für integrativen Naturschutz. Der Erhalt des Wiesmets sei ein Gewinn für die Wiesenbrüter und die Grundwasserrückbildung.

Jahrhundertealte Handwerkskunst – symbolisiert von einem Holzgeländer – neben der modernen Energiesparlampe: Die kürzlich zum Rat- und Bürgerhaus renovierte Altstadt 7 nutzte Thorsten Glauber als Metapher für seine Vorstellung von gelungener Klimapolitik: Eine Art Fusion von Tradition und Fortschritt. Ein anderes Paradebeispiel in den Augen des Ministers für solch einen Ausgleich ist ebenfalls in dem Haus beheimatet: „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“.

Fürs Stadtjubiläum ist Juni der Natur-Monat

Um dem Naturschutzprojekt einen Besuch abzustatten, hatte Bürgermeister Marco Meier (Freie Wähler) seinen Parteifreund eingeladen. Der Juni ist im Jubiläumsjahr 700 Jahre Stadt Ornbau der Natur gewidmet. „Da wir zwischen dem Monat des Festwochenendes und dem Monat des Feierns Erholung brauchen“, scherzte der Bürgermeister.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig, der sich Meier zufolge persönlich sehr für das Wiesmet-Projekt eingesetzt hat, hob hervor, dass 75 Prozent der Finanzierung der Bund übernimmt. Ludwig ist geschäftsführender Gesellschafter der Trägergemeinschaft aus den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen, dem Landesbund für Vogelschutz und dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken. „Es war mir wichtig, das Projektbüro nicht im Landratsamt zu verstecken, sondern mittendrin in den Landkreis zu bringen. Es braucht Nähe, Zugänglichkeit.“

Diese Ansicht teilt der Umweltminister: „Vor Ort ist es immer besser, als wenn München oder Berlin Fragen beantworten.“ Denn aus seiner Arbeit im Ministerium kenne er den großen Druck, der auf Natur- und Umweltprojekte wirke, nur zu gut: „Auf uns ruht derzeit ein Brennglas.“ Zentral sei daher der Aspekt, bei erneuerbaren Energien oder Schutzgebieten, alle Beteiligten ins Boot zu holen. 15 Prozent der Finanzierung des Projekts fließen vom Freistaat.

Glauber trug sich ins Goldene Buch Ornbaus ein

Nachdem der Oberfranke Glauber sich als zweiter – nach den französischen Freunden Ornbaus aus der Partnergemeinde Naves – in das neue goldene Buch der Stadt eintragen durfte, fuhr der kleine Tross mit dem Minister an der Spitze mitten ins Projektgebiet. „Das Wiesmet ist mit das größte und wichtigste Feuchtgebiet Bayerns“, referierte Projektleiter Dietmar Herold.

Mit Gelegeschutzzäunen werden als „größtes Problem“ für die Wiesenbrüter Fuchs, Marder und Wiesel davon abgehalten, die Eier zu fressen. Zweitens sei aber die extensive Bewirtschaftung mit schonender Mahd zentral. Daher arbeite das Projekt daran, den Heu- und Grasschnitt aus dem Schutzgebiet besser und höherpreisig zu vermarkten. Herold zeigte einen Flyer aus Graspapier als Beispiel.

Die Dringlichkeit eines weiteren Aspekts zeigte sich beim Termin: Der Graben an einem Wehr, das Herold dem Minister zeigen wollte, ist ausgetrocknet: „Wir brauchen mehr Wasser.“

150 Landwirte sind beteiligt

Durch Mönche könnten die Landwirte ihre Wiesen befeuchten und selbst mitsteuern. Mönche sind die Ablaufbauwerke von Teichen. Diese tragen dazu bei, den Wasserspiegel regulieren zu können, zum anderen sorgen sie dafür, das Wasser von Nährstoffanreicherungen zu befreien. „Danke, dass ihr das macht“, sagte Glauber. Es sei wichtig wie hier die Grundwasserrückbildung zu stärken, um auch weiterhin Ernten einfahren zu können.

Mit rund 150 beteiligten Landwirten soll die Arbeit am Wiesmet als eine Art Herzkammer auf das gesamte Projekt ausstrahlen. Damit das wachsen kann, wünscht sich Herold weiterhin Glaubers Unterstützung für das Förderprogramm. Rund zehn Millionen Euro sollen auf den Weg gebracht werden. Auch mehr Flächen der öffentlichen Hand könnten in die Schutzgebiete eingebracht werden, um diese zu vergrößern.

„Das ist angekommen“, meinte Glauber nickend und verabschiedete sich nach exakt 60 Minuten wieder aus Ornbau.


Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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