Im Theater wurde gefeiert, denn die Ansbacher Puppenspiele sind 20 Jahre alt geworden. Es gab verschiedene Vorstellungen für Kinder und Erwachsene, vom Daumenkino-Abend bis zur Geisterbeschwörung, dazu Kaffee und Kuchen und kalte Getränke. Überdies gab's Lob und Anerkennung, kräftiges Schulterklopfen und zarte Bauchpinselei.
Nicht nur für die Akteurinnen und Akteure, sondern vor allem für die Gäste, die sich ab Samstagmittag im Theater versammelten. Im Foyer hatten die Puppenspielerin Claudia Engel und ihr Kollege Matthias Ludwig von den Brandenburger „flunker produktionen” ein „Lobbüro” aufgebaut, eine interaktive Theater-Installation. In dem niedlich dekorierten, drehbaren Häuschen konnten sich die Besucherinnen und Besucher ihr persönliches Lob abholen. Eine wundervolle Idee, originell und mit viel Spontanität und erstaunlichem Gespür für Menschen umgesetzt.
Wann sind Sie zum letzten Mal gelobt worden? Vom Chef oder der Chefin? Vom Partner oder der Partnerin? Wann haben die Kinder bestätigende Worte gehört? Von den Eltern oder den Lehrkräften? Werden in der Schule gute Leistungen ausdrücklich gewürdigt oder nur die Fehler mit dem Rotstift angestrichen? Und: Bei wem klingt die eigene innere Stimme wohlwollend und liebevoll? In vielen von uns spricht doch eher der innere Kritiker, der auf jedes Scheitern aufmerksam macht. Mal flüstert er, manchmal brüllt er sogar.
Wie schön also, dass man sich im Theater bei Herrn Wurm mit den langen Stelzenbeinen alias Matthias Ludwig für einen Besuch des Lobbüros anmelden kann. Er sitzt hoch droben an einem Fenster, sodass auch die erwachsenen Gäste zu ihm aufschauen und so zu staunenden Kleinen werden. Ein bisschen aufgeregt sind alle, weil keiner weiß, was in dem merkwürdigen Büro zu erwarten ist. Daher erst mal locker machen und aufwärmen, damit der Körper entspannt genug ist, um Lob anzunehmen. Vielleicht wird man ja selber so riesengroß wie der Herr Wurm infolge der Wertschätzung? Zumindest innerlich lässt Lob einen ja wachsen.
Hui, dann geht's endlich los. Mit Empathie begrüßt die flauschige BigBam alias Claudia Engel an der Rezeption, und jeder Gast kriegt einen neuen Namen. Das eigene Lieblingstier: Frau Katze und Herr Eichhörnchen, Frau Drache und Frau Hund zum Beispiel. An der nächsten Station, im Hörsaal, erläutern ein Puppenprofessor und seine schlaue Studentin die Bedeutung von Lob, im Gespräch mit den Gästen werden Grenzen gezogen zu Schmeichelei und ungerechtfertigtem Lob, wird auch auf die zerstörerische Kraft von zu viel Tadel hingewiesen.
Am dritten Fenster taucht ein Männlein mit Glatze, Glupschaugen und großem Klappmaul auf – und erbittet Lob. Nach kurzem Zögern erkennen und nennen die Gäste ganz viele positive Eigenschaften der Puppe, ehe sich dann alle gegenseitig loben sollen. Eindrucksvolles Engagement für die Gesellschaft, eine tolle Ausstrahlung, Schönheit, Willensstärke – was da alles kommt. Dann zückt das Männlein einen kleinen güldenen Spiegel, und jeder darf sich selber loben. Es folgen Bauchpinselei mit einem echten, weichen Pinsel, Lobgesang aus einem Kästchen und Schulterklopfen mit einer Puppenhand.
Schließlich der Höhepunkt: Alle klettern hinein ins Lobbüro, wo die Figurenspielerin Claudia Engel jedem ein persönliches Lob ausspricht. Mit einem langen Händedruck und einem tiefen Blick in die Augen fühlt sie sich ein in die so verschiedenen Menschen. Für jeden Mann, jede Frau, jedes Kind findet sie in diesem kurzen, stillen Moment treffende Worte. Zufrieden, ja fröhlich sind alle, als sie das Lobbüro beschwingt verlassen.
Drei Stunden hat die ungewöhnliche Behörde geöffnet, mit der die „flunker produktionen” zeigen, wie facettenreich die Sparte Figurentheater ist. Danach wird am Theater weitergefeiert mit der Puppenspiel-Eigenproduktion „Hey, hey, hey, Taxi!” für Kinder und am Abend mit einer poetischen Figurentheater-Reise voller Geister ins Jenseits für Erwachsene. Am Freitag war Volker Gerling zu Gast, der selbst geschaffene Daumenkinos zeigte.
„Ich habe ein sehr glückliches Publikum gesehen”, sagte Sabine Effmert, Leiterin der Sparte Puppenspiel am Theater Ansbach, am Ende des Festes zum 20. Geburtstag. „Die Stücke sind super gelaufen, und es kam Festivalgefühl auf. Die Leute sind teils lange hier im Theater geblieben. Es hat großen Spaß gemacht.” Mit einem Glas Sekt in der Hand sahen sich die Gäste auch die kleine Ausstellung mit Puppen aus verschiedenen Produktionen an, vom Raben Abraxas bis zum knallroten Wut-Teufelchen.