Es liegt sicher an der mühelos wirkenden Leichtigkeit, mit der das Bennewitz-Quartett die Bravourstücke der Streichquartettliteratur zu bewältigen weiß, dass man es in seiner Heimat so bewundert. Aber nicht nur dort. Die vier Musiker konzertieren regelmäßig weltweit und haben längst einen Platz im Quartett-Olymp inne.
Mit ihrem fulminanten Können und kompromissloser Leidenschaft für ihr Tun begeisterten die virtuosen Tschechen auch das Ansbacher Publikum im Rahmen der Konzertreihe, die die Genossenschaft „Theater Ansbach – Kultur am Schloss” veranstaltet.
„An der Schwelle der Ewigkeit“ stand über dem Abend. Jakub Fišer (Erste Violine), Štěpán Ježek (Zweite Violine), Jiří Pinkas (Viola) und Štěpán Doležal (Violoncello) selbst haben ihr Programm mit „The Weight of Fate”, das Gewicht des Schicksals, überschrieben. Wie auch immer. Das Programm hatte es in sich. Drei Streichquartette, die von ihren Komponisten am Lebensende und in schweren existenziellen und psychischen Krisen komponiert wurden.
Mit dem Tschechen Bedřich Smetana, dem Patriarchen der tschechischen Nationalmusik, ist das so eine Sache. Sein Orchesterwerk „Die Moldau“ und die Oper „Die verkaufte Braut“ kennt jeder. Mit seiner Kammermusik ist es ungleich schlechter bestellt. Sein zweites Streichquartett in d-Moll, das er in den Jahren vor seinem Tod komponierte, wird selten gespielt. In dieser Zeit war er bereits völlig ertaubt und litt zunehmend unter nervösen Anfällen und Erschöpfung.
Schon das Eingangs-Allegro changierte zwischen Leidenschaft und Wahnsinn. Hier war ein gehörloser Komponist am Werk, der unüberhörbar vor Gram und Melancholie gebeugt sein musikalisches Testament verfasste. Und die vier Musiker nahmen es mit dieser enorm emotionalen Klangklage nicht nur hellwach, sondern gleichfalls mit dem nötigen Respekt auf. Sie präsentierten sich als ideale Interpreten von Smetanas Musik, denn sie schienen seine Tonsprache unmittelbar zu verstehen: Expressivität einerseits, Trauer und Schmerzensgestus andererseits. Sie spielten mit beispielhafter Konzentration und nahmen sich Zeit, um die Spannungen und Brüche der musikalischen Verläufe etwa im dritten Satz darzulegen.
Das war in Benjamin Brittens Streichquartett Nr. 3 G-Dur nicht anders. Neben einer ausgereiften, ja brillanten Technik waren es vor allem die Akkuratesse und das intensive Nachspüren kontrastierender Stimmungen, die beeindruckten. Der herzkranke Britten vollendete das Werk in Venedig ein Jahr vor seinem Tod.
Die passende Ergänzung war Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett f-Moll, op. 80. Um Trauerbewältigung geht es auch in diesem so verschiedenen und gleichzeitig so verwandten Werk. Voller Trauer verarbeitete der Komponist hier den plötzlichen Tod seiner geliebten Schwester Fanny Hensel-Mendelssohn. Eine Tragik, dass nur einige Monate später auch er verstarb. Rhythmisch scharf wie herausgemeißelt die Tremoli im einleitenden Allegro vivace assai, filigran und gradlinig der Klagegesang des Adagios und herzzerreißend bezwingend das Finale.
Beeindruckende Musik, wunderbar gespielt. Ein Bach-Choral als Zugabe war eine schöne Idee und Ergänzung zu Felix Mendelssohn Bartholdys berührendem Streichquartett.