Seit 1988 ist sie eine feste Größe in der Region: die Geistliche Musik im Münster Heilsbronn. Die Reihe verbindet Konzert und Andacht. Ihre Termine sind leicht zu merken: von Anfang Mai bis Ende August immer donnerstags um 19 Uhr. Ihr Programm ist vielfältig. Amateure und Profis gestalten es, Chöre, Organisten, Instrumentalistinnen.
Im Heilsbronner Münster ist es Anfang Mai noch kühl. Der Chor sang herzerwärmend schön. Weit und breit gibt es keinen besseren. Der Windsbacher Knabenchor hatte in guter Tradition das Eröffnungskonzert der Reihe übernommen. Ludwig Böhme interpretierte mit seinen Sängern ein ebenso gefälliges wie klug gebautes A-cappella-Programm.
Der Hauptteil war dem großen Kirchenliedpoeten Paul Gerhardt und seiner Zeit gewidmet. Je nach Kalenderart, julianisch oder gregorianisch, jährt sich sein Todestag am 27. Mai oder 6. Juni zum 350. Mal. Geistliche Lieder also waren zu hören, deren Texte vornehmlich von Paul Gerhardt stammten. Lieder wie „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden”, „Geh aus mein Herz, und suche Freud” oder „Die güldene Sonne”.
Der Clou dabei war: Ludwig Böhme hatte für die Lieder Chorsätze verschiedener Epochen herausgesucht. Der Zeitstrahl reichte vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Satzkunst war dementsprechend facettenreich und wartete mit einigen Überraschungen auf. Bei Hans van den Brand etwa klingt „So treiben wir den Winter aus” wie archaisierende Filmmusik für einen Monumentalfilm, wuchtig, kraftvoll, perkussiv, mit markigen Schlägen an die Sängerbrust. Zu dem gewalttätigen Liedtext passt es perfekt.
Die kleine Liedfolge, die klagend auf das Winteraustreiben zulief, markierte den Dunkelpunkt eines ansonsten jauchzend hellen Programms. Wer wollte, konnte in dieser Programmdramaturgie eine Parallele zu Felix Mendelssohn Bartholdys Symphoniekantate „Lobgesang” entdecken, die mit all ihrem Jubel tiefste Todesangst umhüllt. Von Mendelssohn waren auch die umrahmenden Motetten, seine Vertonung des 100. Psalms und „Denn er hat seinen Engeln” zu hören. Sie gelangen mit dem gebotenen Glanz. Zuvor wurde Heinrich Schütz' Vertonung des 100. Psalm zum doppelchörigen Raumklangereignis.
Kirchenmusikdirektor Markus Kumpf ergänzte das Chorprogramm mit Orgelwerken von Johann Sebastian Bach und Johannes Matthias Michel. Bachs Präludium aus BWV 545 diente zugleich als Einzugsmusik. Pfarrer Dr. Ulrich Schindler führte das Konzertprogramm in seiner Ansprache weiter. Er ging auf das Paul-Gerhardt-Lied ein, das zuvor im Wechsel von Windsbachern und Hörgemeinde erklungen war: „Du meine Seele, singe”.