Die Ansbacher Puppenspiele feiern Geburtstag. Sie werden 20 Jahre. Dass es sie gibt, ist alles andere als selbstverständlich – heute wahrscheinlich noch weniger als damals. Als Anke Merklein ihre Idee Sponsoren und der Ansbacher Stadtverwaltung vorstellte, stieß sie auf offene Ohren.
Die Idee entstand aus einer Not heraus. „Seit dem Weggang des Puppentheaters Kaspari aus Windsbach klafft im Ansbacher Raum in Sachen Figurentheater eine große Lücke”, erklärte Anke Merklein damals ihre Motivation. Die Kasparis spielten nicht nur selbst, sondern hatten einen reichhaltigen Spielplan mit Gästen. Der fehlte jetzt.
Ein eigenständiges Theater gab es damals noch nicht in Ansbach. Also ergriff die Grundschullehrerin selbst die Initiative, um eine Reihe mit einem eigenen Saisonprogramm zu entwickeln. Sie wollte Kontinuität schaffen und die riesige Bandbreite des Figurentheaters sichtbar machen, einer Kunstform mit kleinen Akteuren, die Großes ermöglichen, egal, ob sie ein Kasperstück für Kinder oder Weltliteratur für Erwachsene auf die Bühne bringen.
Erst fragte Anke Merklein bei Figurenspielern an, dann bei Sponsoren. Adelheid Seiler, damals Stadträtin der BAP, gab ihr den Rat, sich an Siegfried Blank, den Leiter des Ansbacher Amtes für Kultur und Touristik, zu wenden, um die Finanzierung zu sichern. Dem gefiel die Idee, ungefähr im Monatsrhythmus Puppentheater anzubieten. Der Rotary Club kaufte Karten im Wert von 1000 Euro, die an Kinder aus Familien mit geringerem Einkommen gratis weitergegeben werden sollen. Ein Anfang war gemacht.
Am 8. Oktober 2005 konnte das Nürnberger Theater Salz und Pfeffer im Renaissancesaal des Beringershofs, den die evangelische Kirchengemeinde zur Verfügung stellte, das erste Stück spielen: Paul Maars Geschichte vom „Kleinen Känguru und dem Angsthasen“. Die Vorstellung war Tage vorher ausverkauft. Nach der Premiere gab es Himbeerkuchen für alle – und zum ersten und einzigen Mal im westlichen Mittelfranken eine kommunale Reihe, die ausschließlich dem Figurentheater vorbehalten war.
Siegfried Blank begrüßte die private Initiative Merkleins; sie passte ins Konzept. „Bürger-Engagement in der Kultur mit öffentlicher Unterstützung – das hat bei uns schon System”, sagte der damalige Kulturamtsleiter.
Auf dem Spielplan standen in der ersten Saison zehn Stücke. Anke Merklein setzte von Anfang an auf hohe künstlerische Qualität. Sie engagierte ausschließlich Profis mit Produktionen, die sie selbst überzeugt hatten. Die Großen der Szene waren darunter, Neville Tranter zum Beispiel, die Familie Flöz oder Nikolaus Habjan.
Dass ein großer Teil der Vorstellungen samstagnachmittags stattfindet, gehört zum Profil der Reihe. Eltern sollen sie zusammen mit ihren Kindern besuchen können. Die Eintrittspreise waren dementsprechend kalkuliert und liegen bis heute unter denen von Kinokarten. Hauptspielort war der Angletsaal.
2010, inzwischen gab es das Theater Ansbach, wanderten die Puppenspiele als eigene Sparte ans Theater Ansbach. Das eröffnete neue Räume und Möglichkeiten. Dass mit Sabine Effmert eine ausgebildete Figurentheatermacherin ans Haus kam, kam Anke Merklein entgegen. Sie wollte die Reihe in neue Hände übergeben.
2020 übernahm Sabine Effmert die Leitung. Das war insofern ein Glücksfall für die Reihe, als nun Eigenproduktionen möglich wurden und sie fester am Haus verankert wurde. So war es dann auch nie eine Diskussion, die Ansbacher Puppenspiele einzustellen, obwohl die Stadt vor drei Jahren ihre Zuwendungen für die Reihe gestrichen hat. Sabine Effmert macht weiter und kalkuliert wie ehedem mit 10.000 Euro, die nun Teil des Gesamtetats sind.
Dass die Ansbacher Puppenspiele 20 Jahre alt geworden sind, ist ein guter Grund zu feiern. „Das Fest“ steht in großen Buchstaben über ihnen. Sabine Effmert hat zum Jubiläum ein Programm mit einer Foyer-Ausstellung und drei Veranstaltungen an einem Tag und einem Vorabend (23. und 24. Januar) zusammengestellt.
Zum Fest-Samstag bauen die flunker produktionen im Foyer ihr „Lobbüro” auf. Dort arbeiten, so die Selbstbeschreibung, „Experten für angewandte Anerkennung”. Sie wollen dort das Lobdefizit von Kindern und Erwachsenen ausgleichen (24. Januar, 12 bis 15 Uhr, Foyer, der Besuch ist kostenfrei).
Danach folgt Sabine Effmert mit „Hey, hey, hey Taxi” nach Saša Stanišićs Kinderbuch, eine Eigenproduktion (15 Uhr, Rangfoyer). Und schließlich beschwört Christoph Bochdansky für Erwachsene Gespenster: „Die Geister, die wir rufen – rufen zurück” (19.30 Uhr, Theater hinterm Eisernen).
Schon am Freitag, 23. Januar, blättert Volker Gerling seine Daumenkino-Kinos auf. Gerling fotografiert auf seinen ausgedehnten Wanderungen Menschen und Orte und erzählt die Geschichten dazu. Seine Aufnahmen bündelt er in Daumenkinos zu poetisch-witzigen Kürzestfilmen und projiziert sie. „Bilder lernen laufen, indem man sie herumträgt” heißt das Programm (23. Januar, 20 Uhr, Kleines Haus).