Ohne dass es groß aufgefallen wäre, steht beim Ansbacher Kammerorchester ein Jubiläum an, ein goldenes sogar. Sein symphonisches Jahreskonzert am Samstag, 31. Januar, steht in einer langen Traditionslinie. Sie hat vor 50 Jahren begonnen.
Wie es oft so geht im Leben. Einen weitreichenden Plan für Jahreskonzerte gab es damals nicht. Dr. Norbert Herrmann, der Konzertmeister des Ansbacher Kammerorchesters, erinnert sich: „Keimzelle war 1976 das Konzert in memoriam Karl Blendinger“. Der Geiger und Musikpädagoge hatte in den 1950-er Jahren das Ansbacher Kammerorchester gegründet. Es wurde bei Kirchenmusikern schnell zum gefragten Partner für größere Chor-Orchester-Aufgaben. Noch heute ist das so. „Wir sind in ganz Nordbayern unterwegs“, sagt Herrmann.
Das Gedenkkonzert vor 50 Jahren kam so gut an, dass das Ansbacher Kammerorchester das Format „Sinfoniekonzert“ fortführte. Karl-Friedrich Beringer dirigierte es damals. Er war es auch, der im vergangenen Jahr kurzfristig als Dirigent eingesprungen ist, als Andreas Weiss krankheitshalber absagen musste.
Dieses Jahr nun kehrt Andreas Weiss zum Ansbacher Kammerorchester zurück und wieder ist der Solist des Abends Dirk Mommertz. Mit ihm wollte Andreas Weiss 2025 Beethovens viertes Klavierkonzert aufführen. Das war ihm nicht vergönnt. Jetzt folgt dafür Beethovens fünftes Klavierkonzert.
Das ist mit gut 40 Minuten Dauer ein großes, gewichtiges, heroisch anmutendes Werk. „Emperor Concerto“, Kaiser-Konzert, lautet daher nicht ohne Grund der Beiname, den es in England bekommen hat. Konzertmeister Herrmann freut sich schon darauf, es mit Dirk Mommertz zu hören. Wie der Pianist das lyrische vierte Klavierkonzert interpretierte, wie er ihm „eine intime Note“ gab, das hat Herrmann sehr gefallen. Das fünfte nun nimmt sich dazu wie ein Kontrastprogramm aus.
Im ersten Teil des Programms hingegen zielt alles auf Anmut und Heiterkeit in C-Dur. Mit seiner „Ouvertüre im italienischen Stil“ wollte Franz Schubert seinen Freunden beweisen, dass er wie Gioachino Rossini komponieren kann – eine Stilkopie ist es trotzdem nicht geworden.
Ausgesprochen frisch und überraschend klassisch wirkt auch die C-Dur-Sinfonie von Georges Bizet. Der spätere Komponist der Oper „Carmen“ hat sie kurz nach seinem 17. Geburtstag geschrieben und gleich ein Meisterwerk geschaffen, das mit seinem tänzerischen Schwung ansteckt. „Das Wunder der Jugend” hat der Musikwissenschaftler Jean Roy in der Sinfonie gehört. Für Norbert Herrmann ist sie ein wunderbares Mittel gegen schlechte Laune. Respekt hat er vor der C-Dur-Sinfonie auch: „Sie ist so filigran, so durchsichtig und oft sehr schnell. Das ist technisch anspruchsvoll.“
Das Konzert, das vom Theater Ansbach veranstaltet wird, findet am Samstag, 31. Januar, im Onoldiasaal statt und beginnt um 19.30 Uhr. Es ist bereits sehr gut nachgefragt. Die Generalprobe um 10 Uhr ist öffentlich.
Schon einen Monat später folgt das nächste Konzert des Ansbacher Kammerorchesters. „Champagnerlaune“ heißt das Programm und ist mit neuen Stücken eine Fortsetzung des Johann-Strauss-Konzertes von 2025. Es tanzt die Ballettschule TanzZeit Ansbach.
Der Clou damals wie heute: Alexander Ilg, der die Aufführung auch leitet, versteht sich blendend darauf, im Stil der Wiener Strauss-Dynastie zu komponieren. So hat er sich etwa einen Prater-Galopp oder einen Walzer mit dem sonnigen Namen „Grüße vom Gardasee“ einfallen lassen. Originalen Strauss, zum Beispiel aus der Operette „Die Fledermaus“, gibt es aber auch: am Samstag, 28. Februar, 19 Uhr, in der Karlshalle.