Nah dran an Reinhard Mey: Stefan Eichner in den Ansbacher Kammerspielen | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.04.2026 10:06

Nah dran an Reinhard Mey: Stefan Eichner in den Ansbacher Kammerspielen

Begeisterte sein Publikum mit seinem dritten Reinhard-Mey-Programm: Stefan Eichner. (Foto: Elke Walter)
Begeisterte sein Publikum mit seinem dritten Reinhard-Mey-Programm: Stefan Eichner. (Foto: Elke Walter)
Begeisterte sein Publikum mit seinem dritten Reinhard-Mey-Programm: Stefan Eichner. (Foto: Elke Walter)

Es gibt sie noch, die Konzerte, die ohne unnötigen Schnickschnack mit handgemachter Musik das Publikum von den Stühlen holen können. Stefan Eichner, ist einer der Künstler, der das mit seinem Reinhard-Mey-Programm, mittlerweile seinem dritten, vorzüglich vormacht. Am Samstag war er wieder einmal zu Gast in den Kammerspielen.

Mehr als 500 Lieder umfasst das Werk des Berliner Barden Reinhard Mey (Jahrgang 1942), dem Eichner mit seinem neuen Programm zum dritten Mal einen roten Teppich ausrollte. Kein „Best of“-Programm, das der Kulmbacher Künstler in der Kammer vorlegte, sondern eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl bekannter und weniger bekannter Songs, quer durch die jahrzehntelange Karriere des Liedermachers.

Nah dran am Vorbild

Das waren etwa Songs wie „Annabelle“, „Ist mir das peinlich“, „Gib mir Musik“ oder auch „Diplomatenjagd“. Reinhard-Mey-Fans kannten sicherlich die meisten, dennoch gab es auch Neues zu entdecken.

Eichner war ganz nah dran an seinem Vorbild, dessen Musik ihn schon lange begleitet. Eine reine Kopie? Das ginge ohnehin nicht, so der Künstler. Mey sei zu einzigartig. Eher sei es der Wunsch, so nah wie möglich hinzukommen. Und das schaffte Eichner, der auch als Comedian „Das Eich“ oder oberfränkischer Asterix-Übersetzer bekannt ist, auf eindrückliche Weise.

Stimmlich konnte er ohnehin gut mithalten, aber auch sein Gitarrenspiel folgte dem Stil Meys. Nah dran zu sein, scheint für Eichner auch zu bedeuten, dass das Instrument sowie die Saiten oder das Mikrofon nicht beliebig sein dürfen, sondern denen des Berliners entsprechen sollten. Eine tiefe, respektvolle Verbeugung vor dem inzwischen 83-jährigen Reinhard Mey, der Eichners Konzertkonzept vor rund zehn Jahren bereits abgesegnet hat.

Eichner machte sich also daran, den weiten Reinhard-Mey-Kosmos zu ergründen und dem Publikum näherzubringen. Und das ließ sich freudig darauf ein.

Die ausgewählten Lieder verband Eichner, ein begnadeter Unterhalter, mit kleinen Anekdoten, ganz persönlichen oder auch solchen aus Meys Leben, die er wie Brücken zwischen den Songs platzierte. Das passte gut zusammen und gab gleichzeitig auch Details zur Entstehung oder Bedeutung wieder.

Damals wie heute klare Botschaften

Der Sänger sparte aber auch kritische Themen nicht aus. So fanden sich Lieder wie „Sei wachsam“ oder auch „Nein, meine Söhne geb' ich nicht“ in seinem Programm. Klare Botschaften – damals wie heute. Ebenso verstand er es, selbstironisch die Lied-Geschichten zu interpretieren, etwa „50! Was, jetzt schon?“, bezogen auf den eigenen Fünfzigsten, und mit deutlichem Augenzwinkern, Kabinettstückchen zu machen. Das Programm brachte Lieder aus den unterschiedlichen Schaffensphasen Meys zusammen.

Am Ende standen die Besucherinnen und Besucher auf und überschütteten den Künstler mit begeistertem Applaus. Drei Zugaben, darunter auch „Über den Wolken“ sowie „Gute Nacht, Freunde“, sollten diesen wunderbaren Abend beschließen.

north