Eiszapfen, verschneite Bäume und eine zünftige Schneeballschlacht: Der Theater- und Kulturverein Burgoberbach (TuK) hat bei der Premiere seines Kindermusicals „Die Schneekönigin” nach Hans Christian Andersen eine prachtvolle Winterwelt auf die Bühne gezaubert. Alle fünf Vorstellungen im Theaterhaus Strüth sind bereits ausverkauft.
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gehörte die große Bühne im Theaterhaus Strüth ganz und gar dem Nachwuchs. Mit viel Spielfreude nahmen die Kinder und Jugendlichen ihr Publikum mit auf eine fantasievolle Reise in einen Palast aus Eis. Vivian Bolay und Susanne Keim (Künstlerische Leitung und Regie) formten das Kunstmärchen des dänischen Dichters als zeitloses Werk über Freundschaft und Mut.
Zwischen vier und 16 Jahren sind die Darstellerinnen und Darsteller erst alt. Umso erstaunlicher, was sie da zustande brachten. Obwohl das Publikum zu etwa einem Drittel aus sehr jungen Zuschauenden bestand, gab es trotz der zweieinhalbstündigen Inszenierung – inklusive 30 Minuten Pause – keine Unruhe. Ein Zeichen dafür, dass auch die Kleineren das Geschehen gebannt verfolgten.
Viel Fantasie hatte Uschi Dirian in die detailgetreuen Kostüme gesteckt und Lorenz Vogler in das Bühnenbild. Unter anderem ein Wohnzimmer mit knisterndem Kaminfeuer, ein gespenstischer Wald, eine Räuberhöhle und ein Prinzessinnenschloss entstanden vor den Augen der Staunenden. Der Anblick des Eispalastes ließ unwillkürlich frösteln. Schwung gaben der Inszenierung die Ensembleszenen. Dabei bewiesen Joyce Zimmermann, Soraya Dlugosch und Nele Truelsen ein Händchen für raffinierte Choreografien – sie brachten nicht nur herumspringende Rentiere in einen geordneten „Besprechungskreis”, sondern auch bunte Blumen zum Tanzen. Als Mädchen für alles unterstützte sie Nicole Jerochin.
Eine verführerisch-manipulative Herrscherin verkörperte Schneekönigin Larissa Trammer. Ella Bass spielte die kleine Gerda, die ihren von der eisigen Monarchin entführten Spielkameraden Kay sucht, lieb und mutig. „So schön der Schnee auch ist – mir fehlt der Frühling”, sagte sie. Diese Ansicht teilten wohl viele im Publikum. Wandlungsfähigkeit bewies Jonas Dorn, den ein Splitter des Teufelsspiegels vom gewitzten, gutherzigen Jungen in einen Fiesling mit Tendenz zur Grausamkeit verwandelt. Auch die Einsamkeit, die Kay im Eispalast fühlt, stellte er authentisch dar.
Als Oma wie aus dem Märchenbuch trat mit großmütterlicher Milde im Ton Isabella Sand in Erscheinung. Trügerisch-freundlich gab Fabian Nachbaur den Teufel, der in Gestalt eines Holzhändlers die Kinder zum Ungehorsam verführt und damit schuld ist an der ganzen Misere. Man hätte ihn gern noch öfter gesehen. Komik brachten die beiden zeternden Motz-Krähen (Cody Zimmermann und Amelie Hahn) in die Szenerie. Für Entzücken im Publikum sorgten die Allerkleinsten, die auf der Bühne von den Großen wie selbstverständlich mitgezogen wurden – ob als Schmetterlinge, Dorfkinder oder Mini-Räuber.
Als größte Überraschung stellten sich die Gesangseinlagen heraus, einstudiert unter den Ohren von Birgit Heinrich. Kenner des Theatervereins wissen, dass Songs bislang meist im Playback-Verfahren dargeboten wurden. Diesmal war – bis auf das zweite Rentierlied – alles live. Die Solonummern wurden mit klarer Stimme vorgetragen, die Texte waren gut verständlich. Kompliment für den Mut, Neuland zu betreten. Fazit: Der Nachwuchs hat seine Feuer- oder besser Eisprobe bestanden.