Der 20. Geburtstag der Ansbacher Puppenspiele wurde im Theater groß gefeiert. Am Ende des Festes kamen die Geister. Der Dämon und die Fee, die Sphinx, der Wilde Mann, der junge Nachtwind und weitere Wesen aus Zwischenwelten. Heraufbeschworen hat sie der österreichische Figurenspieler Christoph Bochdansky.
„Die Geister, die wir riefen – rufen zurück”, so heißt das Stück für Erwachsene, das eher poetisch und philosophisch ist als gruselig. Bochdansky erzählt mit seinen rätselhaften Geschöpfen, die er alle selbst gebaut hat, keine Geschichte von A bis Z. Vielmehr reiht er wundersame Begegnungen und Ereignisse aneinander, außerdem Flüche und Verse. Denn vor allem Gedichte locken die Geister, die bösen und die guten und die, die beides sind. Es gebe doch kaum eine Dichtung ohne Geister, sagt der Puppenspieler.
Der Protagonist ist ein Dämon mit Fistelstimme. Er glitzert düster und haucht höllische Schwaden aus seinem Schlund und Mund mit nadelspitzen Zähnen. Immer dann taucht er auf aus der Hölle, wenn jemand nach ihm ruft. Wenn jemand „verdammt” sagt, um genau zu sein. Hui und buh, schon ist er da und schwebt und tanzt umher, eine lange, dünne, biegsame Kreatur mit blutroter Krallenhand.
„Verwunschen” ist des Dämons Name, und er wird ziemlich ungehalten, als er merkt, dass einer in ihm steckt. Einer, der ihn lenkt und führt und aus ihm spricht. Würden wir Menschen ja auch nicht mögen, oder? Wobei – manchmal scheint in uns ebenfalls eine unerklärliche Kraft zu wirken.
Der Dämon jedenfalls – gar nicht so böse, sondern recht anlehnungsbedürftig – möchte nicht getrieben werden von seinem Inneren. Lieber will er in einen Dialog treten mit diesem Innenleben, mit dem Spieler unter der geschmeidigen Glitzerstoffhülle. Das gelingt, die beiden, die einer sind, schauen sich in die Augen. Und die Puppe lehnt entschieden ab, nach dem Auftritt wieder zusammengerollt und in den Koffer gepackt zu werden.
Den tiefblauen Wind mit seinem Beutel voller Frühlingsgefühle bringt Bochdansky zum Wirbeln durch die Äste, die zottelig zarte Fee zum Sausen auf dem Mondlichtstrahl. Den Wilden Mann mit dem überbreiten Mund lässt er scheußlich singen, die Seelchen mit Sündenregistern und plattem Humor schrill lachen. Dann ist da noch der dubiose Reisebüro-Betreiber, der Seelenreisen anpreist. Reisen ins Jenseits, die jeder, der zufällig vorbeikommt, antreten muss. Der Zufall, schnarrt die glatzköpfige Klappmaulpuppe, sei der zuverlässigste Mitarbeiter.
Selbsterkenntnis, Selbstfindung, die Suche nach einem Schatz und Glück, Wünsche und natürlich Verwünschungen – all das ist verwoben in der Figurentheater-Geisterbeschwörung. Die Puppen bewegen sich frei in den Welten, im Diesseits und im Jenseits, sind „Zwischenwesen im Hüben und Drüben”, wie Bochdansky sagt. In seinem surrealen Reigen erzählt sogar das Lagerfeuer Geschichten, Eschenholz und Eichenholz knarzen und schmauchen bedeutungsvoll in der Glut.