„Ein bitterer Tag für alle bei Diakoneo“: Der Schock sitzt tief | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.09.2023 19:31

„Ein bitterer Tag für alle bei Diakoneo“: Der Schock sitzt tief

Fast alle der aktuell noch rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik in Neuendettelsau sind von der angekündigten Schließung der stationären Versorgung zum Jahresende betroffen. (Foto: Jim Albright)
Fast alle der aktuell noch rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik in Neuendettelsau sind von der angekündigten Schließung der stationären Versorgung zum Jahresende betroffen. (Foto: Jim Albright)
Fast alle der aktuell noch rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik in Neuendettelsau sind von der angekündigten Schließung der stationären Versorgung zum Jahresende betroffen. (Foto: Jim Albright)

Nach Monaten der Abwägungen hat Diakoneo am Mittwochabend das Aus der stationären Versorgung am Standort Neuendettelsau verkündet. Die Mitarbeitenden und die Bevölkerung im Einzugsbereich der Klinik trifft das hart. Unterdessen wehrt sich der Landkreis gegen den Vorwurf, finanzielle Hilfen verweigert zu haben.

Das Sozialunternehmen hatte den Schritt damit begründet, dass in den vergangenen Jahren in Neuendettelsau und Schwabach rund 20 Millionen Euro Defizit entstanden seien. Für beide Häuser erwartet man in den nächsten drei Jahren weitere Fehlbeträge in Höhe von 12 Millionen Euro.

Regierung von Mittelfranken hatte rechtliche Bedenken

Diesem Vorwurf allerdings widerspricht das Landratsamt gegenüber der FLZ vehement: Von einer Verweigerung des Landkreises Ansbach könne nicht ansatzweise die Rede sein. Es sei dem Landkreis vielmehr aus Rechtsgründen verwehrt, Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Kritik sei daher völlig unberechtigt. Der Landkreis stand nach eigenen Aussagen regelmäßig mit Diakoneo in Kontakt. Dabei sei geprüft worden, ob der Bitte nachgekommen werden kann, direkte Zahlungen zur Minderung des Defizits zu leisten.

Nach Rücksprache mit der Regierung von Mittelfranken bestanden hier jedoch große rechtliche Bedenken. Direkte Wirtschaftsförderung sei für den Landkreis verboten. Dies sei in den Gesprächen mit Diakoneo „selbstverständlich“ dargelegt worden.

„Das Gesundheitssystem ist selbst krank”

Landrat Dr. Jürgen Ludwig nahm die Mitteilung über das Aus der stationären Versorgung im östlichen Landkreis mit großem Bedauern zur Kenntnis. Er erklärte: „Es ist sehr bedauerlich, dass die Rahmenbedingungen den Fortbestand von Krankenhäusern im ländlichen Raum zunehmend gefährden. Neben dem Personalmangel ist die Finanzierung durch Kassen und Länder nicht auskömmlich. Das Gesundheitssystem ist selbst krank.“ Gerade für kleinere Häuser habe sich die Situation stark verschlechtert.

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Mit der offiziellen Verkündung wurden die Befürchtungen der Klinik-Mitarbeitenden, die seit Monaten um ihre Arbeitsplätze bangen und für bessere Arbeitsbedingungen kämpften, wahr. Geschockt von der Nachricht wollte sich die Mitarbeitendenvertretung gestern zum Sachverhalt noch nicht äußern. In Einzelgesprächen will Diakoneo nun den Betroffenen alternative Job-Angebote unterbreiten.

Fast 250 Mitarbeitende sind betroffen

Von dem Aus sind laut dem Unternehmen 150 Planbetten betroffen. „Derzeit arbeiten etwa 250 Mitarbeitende in der Klinik. Ein sehr kleiner Teil davon im Medizinischen Versorgungszentrum, das über den 1. Januar 2024 hinaus weiter betrieben wird“, erklärte Diakoneo-Pressesprecher Markus Wagner.

„Wir haben die Entscheidung in der Hoffnung auf Zusagen aus der Politik so lange wie möglich offen gehalten. Am Mittwoch haben wir unsere Mitarbeitenden in mehreren Informationsveranstaltungen mitteilen müssen, dass die stationäre Versorgung zum Ende des Jahres eingestellt wird“, so Wagner weiter.

Er sprach in diesem Zusammenhang von einem „bitteren Tag für alle bei Diakoneo“. Dass man aufgrund äußerer Umstände dazu gezwungen sei, die stationäre Versorgung für die Region einzustellen, „ist eine harte Nachricht für unsere Mitarbeitenden. Wir waren der Überzeugung, dass die Politik, die gute Arbeit, die sie unseren Mitarbeitenden bescheinigt hat, auch unterstützen wird. Das ist leider nicht geschehen.“

„Eine Katastrophe” für das Bündnis für Familie Neuendettelsau

Als frei gemeinnütziger Träger habe man bei entstehenden Defiziten keinen Zugang zu Steuermitteln. Deshalb habe man auch die Landesregierung um Unterstützung gebeten, um eine Neustrukturierung in den nächsten drei Jahren möglich zu machen. Die Ideen hierfür seien zwar positiv aufgenommen worden, finanzielle Hilfen seien aber nicht zugesagt worden.

„Eine Katastrophe“ ist das Aus der stationären Versorgung für Eckard Dürr, den Vorsitzenden des Bündnisses für Familie Neuendettelsau. Vor knapp eineinhalb Jahren hatte das Bündnis eine Liste mit 12.500 Unterschriften aus der Bevölkerung für den Erhalt der Klinik übergeben. „Diese Stimmen wurden nun einfach weggewischt“, bedauert der Vorsitzende.

Für die Menschen im östlichen Landkreis Ansbach und auch für die Altenheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Neuendettelsau sei der Wegfall „ein schwerer Verlust“. Die Attraktivität Neuendettelsaus als Wohnstandort nehme erheblich ab.

In Schwabach geht stationäre Versorgung weiter

Das Krankenhaus Schwabach, das zu 75 Prozent zu Diakoneo gehört, hält die stationäre Versorgung weiterhin aufrecht. Es ist von Neuendettelsau 23 Kilometer entfernt. Doch laut Eckhard Dürr sei man mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast zwei Stunden dorthin unterwegs.

Klaus Emmerich, Sprecher der Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern und Klinikvorstand in Rente, erklärte: „Die Klinik Neuendettelsau ist für den Landkreis Ansbach versorgungsnotwendig.“ Finanzielle Notlagen von Unternehmen dürften nicht darüber entscheiden, wer eine wohnortnahe klinische Versorgung erhält und wer nicht. Dies könne bei „eskalierenden Krankheitsverläufen oder Verletzungen lebensentscheidend sein“.


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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