Es ist ein Paukenschlag für das Gesundheitswesen im Landkreis Ansbach. Das Sozialunternehmen Diakoneo gibt zum 1. Januar die stationäre Versorgung an der Klinik Neuendettelsau auf. So steht es in einer Diakoneo-Pressemitteilung vom Mittwochabend. Damit bewahrheiten sich die Befürchtungen der Mitarbeitenden.
Die Politik habe bis heute keine Zusage für einen Defizitausgleich in den nächsten Jahren gegeben, begründet das Sozialunternehmen diesen harten Einschnitt. „Die Entscheidung bedeutet, dass alle Versuche gescheitert sind, den Diakoneo-Standort in Neuendettelsau als Krankenhaus zu erhalten.”
In den vergangenen Jahren habe Diakoneo rund 20 Millionen Euro Defizit in Neuendettelsau und Schwabach getragen. Für Neuendettelsau würde man in den nächsten drei Jahren weitere Fehlbeträge in Millionenhöhe erwarten.
„Wir hatten gehofft, dass die Politik unseren Hilferuf hört und uns unterstützt, Teil der flächendeckenden Versorgung im Land zu bleiben“, zitiert die Mitteilung Michael Kilb als Vorstand Gesundheit. Doch auch der Landkreis Ansbach, der für die Gesundheitsversorgung in seinem Bereich zuständig sei, habe finanzielle Hilfe verweigert, erklärt Diakoneo.
„Wir bedauern diese Entwicklung sehr“, lässt sich Dr. Mathias Hartmann als Diakoneo-Vorstandsvorsitzender zitieren. Die Klinik in Neuendettelsau sei nur eine von vielen, die von der geplanten Gesundheitsreform nicht profitieren könne. „Kleinere freigemeinnützige Häuser, wie das unsere in Neuendettelsau, haben ohne Unterstützung kaum die Kraft, aus sich selbst heraus wirtschaftlich bestehen zu können.“
Deshalb hatte Diakoneo nach eigenen Angaben mit anderen Akteuren des Gesundheitssektors schon vor geraumer Zeit Vorschläge unterbreitet, wie sich die stationäre Gesundheitsversorgung in Deutschland neu aufstellen könnte, um die besten Ergebnisse mit eingeschränkten Ressourcen zu ermöglichen.
Das Land hingegen sehe insbesondere die Notfallversorgung für die Region auch ohne ein Krankenhaus in Neuendettelsau gesichert, führt Diakoneo weiter aus. „Dass es mit dem Wegfall keine Versorgungslücke gebe, war Diakoneo bei den Gesprächen über eine Unterstützung mitgeteilt worden.”
Gleichzeitig betone das Land, alle Mittel ausgeschöpft zu haben, um den Standort finanziell zu unterstützen. Gemeint seien Unterstützungsfonds, die allen Krankenhäusern zugänglich gewesen seien.
„Auch der Landkreis Ansbach als Aufgabenträger hat einem Zuschuss an die Klinik Neuendettelsau eine Absage erteilt”, stellt Diakoneo fest. Das Sozialunternehmen hatte nach seinen Worten „über mehrere Monate hinweg um weitere finanzielle Unterstützung gebeten und angekündigt, ohne Hilfe die stationäre Versorgung in Neuendettelsau nicht aufrechterhalten zu können”.
Diakoneo unterbreitet allen Klinik-Mitarbeitenden ein alternatives Angebot, wie das Sozialunternehmen erläutert. Die Arbeitsplätze an der Berufsfachschule für Pflege blieben erhalten. Darüber hinaus will man die akutgeriatrische Abteilung an der Diakoneo-Klinik Schwabach fortführen.
Und: „Das Medizinische Versorgungszentrum steht den Menschen in und um Neuendettelsau weiterhin zu den regulären Öffnungszeiten zur Verfügung.” Der Rettungsdienst bringe Notfallpatienten aus Neuendettelsau und Umgebung wie grundsätzlich vorgesehen zum „nächsten geeigneten Krankenhaus“. Diakoneo habe sich auch deshalb so entschieden, weil die Gesundheitsreform für den Standort Neuendettelsau zu spät käme und bis dato mit zu vielen Unwägbarkeiten behaftet sei.
In Zukunft will sich Diakoneo in Neuendettelsau darauf konzentrieren, Patienten ambulant zu behandeln. Das Aus der stationären Versorgung bietet nach Angaben von Vorstand Kilb zugleich die Chance, den Campus an der Heilsbronner Straße zu einem modernen Gesundheitszentrum mit einer breiten Palette an Angeboten zu entwickeln.
Er „wird mit einem Medizinischen Versorgungszentrum und einem externen Therapiezentrum weiterhin wichtige Bereiche der Gesundheitsversorgung in der Region abdecken”, heißt es in der Pressemitteilung.