Vor Jahren waren die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in und um das Schloss Bruckberg fast eine Welt für sich. Heute hat sich das geändert: Die Bewohnerinnen und Bewohner können sich trotz ihrer geistigen oder mehrfachen Behinderung in vielfältiger Weise am gesellschaftlichen Leben beteiligen.
Die Anknüpfungspunkte sind dabei vielfältig, weiß Petra Hinkl, Leitung Wohnen in Bruckberg bei Diakoneo, dem Träger der Einrichtung. Engagieren kann man sich bei der Bewohnervertretung ebenso wie im Sport oder bei der Theatergruppe Rampenlicht, die sich mit ihren Inszenierungen seit vielen Jahren einen Namen in der Region und darüber hinaus gemacht hat.
Das zeigt sich bei einem Besuch im Wohnbereich „Schlosswiese 1”, der im Schloss untergebracht ist. Dieser Wohnbereich sei wie „Bruckberg im Kleinen”, erklärt Petra Hinkl, weil dort Menschen mit unterschiedlichen Hilfebedarfen leben, die in ebenso vielfältiger Weise in ihrem Alltag mitwirken und ihn mitgestalten. 20 Leute im Alter von 28 bis 78 Jahren haben ihren Lebensmittelpunkt im Wohnbereich, zu dem auch vier Wohngemeinschaften außerhalb der Hauptgruppe gehören.
13 Mitarbeitende kümmern sich um sie. Allerdings sind Fachkräfte auch hier knapp, denn, so Wohnbereichsleiterin Silke Groß, „die Boomer gehen in den Ruhestand”. Umso mehr freut sie sich, wenn Schülerinnen und Schüler der Fachschule für Heilerziehungspflege in Neuendettelsau einen Teil ihrer Ausbildung hier absolvieren, wie aktuell Malea Rottler. Ihr gefällt es in der Gruppe, weil die Arbeit vielfältig ist und „man viel lernt”.
Einige der Bewohnerinnen und Bewohner seien auch außerhalb des Wohnbereichs aktiv als Bewohnervertreter, Mesner, Schauspieler beim Theater Rampenlicht, im Singkreis, beim Basketball, und sie betreiben eine kleine Werkstatt zur Fahrradreparatur. Gern genutzt wird darüber hinaus das Erwachsenenbildungsangebot „Konfetti”. Gemeinsam werden die den individuellen Fähigkeiten entsprechenden Angebote ausgesucht.
Das Team um Silke Groß ermöglicht diese Teilhabe. Je nach der Art ihrer Behinderung benötigen die Bewohnerinnen und Bewohner nur Assistenz, teilweise aber auch pflegerische Hilfe und Unterstützung bei der Kommunikation. Die meisten arbeiten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Bruckberg, einer aber auch auf einem Außenarbeitsplatz in der Landwirtschaft. Einige sind schon Rentner. Dadurch, dass die Arbeitszeiten unterschiedlich sind, braucht es einen ausgefeilten Tagesplan, der darauf und auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner abgestimmt ist.
Aktuell sind auch die bevorstehenden Kommunalwahlen ein Thema in der Gruppe. Bei einer Wahlveranstaltung stellten sich Kandidierende für den örtlichen Gemeinderat vor. Wer kann, geht selbstständig ins Wahllokal. Manche benötigen Unterstützung im Wahllokal, aber das Team achtet darauf, dass die Wahlentscheidung dennoch frei und geheim bleibt.
„Wir leben hier wie in einer großen Familie”, meint Silke Groß. Es wird gemeinsam gegessen und Probleme können miteinander besprochen werden. „Wir versuchen, den Alltag so zu gestalten, dass jeder sich wohlfühlt”, ergänzt ihre Kollegin Tessa Heinlein. Am Samstag wird gemeinschaftlich gekocht und zuvor darüber beraten, was an diesem Tag auf den Tisch kommt.
Natürlich werden auch Feste wie Weihnachten, Ostern, Fasching und Geburtstage gefeiert. „Wir haben ganz viel Spaß”, sagt Malea Rottler, die als Schülerin der Fachschule für Heilerziehungspflege in Neuendettelsau Teil des Teams ist.