Zentrum für Pflegeberufe: In Bad Windsheim wurde der Steller-Campus eröffnet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.02.2026 18:36

Zentrum für Pflegeberufe: In Bad Windsheim wurde der Steller-Campus eröffnet

Uwe Nickel, der Leiter des Steller-Gymnasiums, Landrat Christian von Dobschütz, Klinikvorstand Stefan Schilling und die Leiterin der Pflegeschule, Andrea Hirsch (von links), eröffneten mit einem symbolischen Scherenschnitt den Steller Campus. (Foto: Katrin Merklein)
Uwe Nickel, der Leiter des Steller-Gymnasiums, Landrat Christian von Dobschütz, Klinikvorstand Stefan Schilling und die Leiterin der Pflegeschule, Andrea Hirsch (von links), eröffneten mit einem symbolischen Scherenschnitt den Steller Campus. (Foto: Katrin Merklein)
Uwe Nickel, der Leiter des Steller-Gymnasiums, Landrat Christian von Dobschütz, Klinikvorstand Stefan Schilling und die Leiterin der Pflegeschule, Andrea Hirsch (von links), eröffneten mit einem symbolischen Scherenschnitt den Steller Campus. (Foto: Katrin Merklein)

Handwerker befestigten noch letzte Regale. Leitern und Werkzeugkisten standen noch auf dem Flur. In den Klassenzimmern wurde bereits unterrichtet. Am Montag wurde der Steller-Campus in Bad Windsheim eröffnet – und eine nachhaltige Hochzeit zweier Schulen unter einem Dach gefeiert: ein wohl deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt.

Das Zentrum für Pflegeberufe ist in den Faschingsferien von Scheinfeld ins landkreiseigene Gebäude des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums nach Bad Windsheim umgezogen. Beide Schulen und die benachbarte Kreisbücherei bilden den neuen Steller-Campus. Auf zwei Stockwerken werden in Klassenzimmern im Ostflügel des Gebäudes künftige Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner sowie Pflegehelferinnen und Pflegehelfer ausgebildet, sowie Weiterbildungen und Anerkennungslehrgänge angeboten. 210 Schülerinnen und Schüler besuchen aktuell das Zentrum für Pflegeberufe, schätzt Schulleiterin Andrea Hirsch. Etwa 70 Prozent wählen in der Praxis ein Krankenhaus, 30 Prozent arbeiten in Altenheimen.

Leichter an Fördermittel kommen

Mit der Integration der Pflegeschule ins Gebäude des Stellergymnasiums habe man einen modernen Campus geschaffen, betonte Landrat Dr. Christian von Dobschütz. Zwei Schulen unter einem Dach, das sei bayernweit, wenn nicht sogar deutschlandweit ein einmaliges Konzept, bei dem man voneinander lernen und profitieren könne.

Werde der Steller-Campus offiziell als Pilotprojekt anerkannt, könne man leichter an potenzielle staatliche Fördermittel kommen. „Der Firstmover zu sein, ist meist nicht schlecht”, betonte von Dobschütz die Vorreiterrolle. Er freue sich, dass er mit Uwe Nickel, dem Leiter des Steller-Gymnasiums, die Weichen für den Campus habe stellen können. 580.000 Euro wurden in die Teilsanierung des Gebäudes gesteckt. Wasser- und Abwasserleitungen sowie Böden wurden erneuert, und auch ein zusätzliches Klassenzimmer wurde eingebaut.

Vor sechs Jahren habe man sich im Kreistag für einen Schulstandort in Bad Windsheim ausgesprochen. Ein teurer Neubau sei angesichts der klammen Haushaltslage nicht vertretbar gewesen. Eine Unterbringung im ehemaligen Hotel „Residenz” hätte auf Dauer auch hohe Mietkosten verursacht. Also entschied man sich, im eigenen Gebäude Synergien zu nutzen.

Im Gymnasium war Platz

„Die Offenheit aller hat es möglich gemacht, den Schulstandort perspektivisch gut aufzustellen“, betonte der Landrat. „Das schärft euer Profil“, sagte er in Richtung Nickel. Der Pflegeberuf sei ein Zukunftsberuf. Von Dobschütz könne sich vorstellen, dass in ferner Zukunft auch eine Berufsoberschule am Steller-Campus integriert werden könnte.

Und auch Uwe Nickel ist überzeugt vom Konzept. Im Hinblick auf die weltpolitische Lage und den Klimawandel müsse man nachhaltig mit vorhandenen Ressourcen umgehen. Man müsse Dinge „end of lifetime“ – also bis sie kaputtgehen – nutzen, findet der Schulleiter. Einige Klassenzimmer hätten seit Jahren leer gestanden.

Konzipiert für ursprünglich etwa 700 Schüler, besuchen derzeit knapp 460 Personen das Steller-Gymnasium. Ein leichter Anstieg sei bis 2029 zu erwarten, dann aber erst einmal Stagnation. „Alles plattzumachen und neu hochzuziehen”, das könne man sich heutzutage nicht mehr leisten und daran müsse sich auch die Politik orientieren und „Zeichen setzen”, forderte Nickel.

Als eines der wenigen sozialwissenschaftlichen Gymnasien in Bayern habe man mit der Pflegeschule viele Berührungspunkte. Ihre Pflichtpraktika üben viele seiner Schülerinnen und Schüler in Seniorenheimen aus, so Nickel. Auch wenn es keinen gemeinsamen Unterricht geben wird, will man sich als Einheit präsentieren, betonen Hirsch und Nickel, beispielsweise beim Tag der offenen Tür am 14. März.

Zu Fuß und mit dem Rad schnell im Unterricht

Stefan Schilling, der Vorstand der Kreiskliniken, hob die kurzen Wege zur Schule für die Auszubildenden hervor. 80 Appartements habe sein Unternehmen in Bad Windsheim im Pflege-Campus in der Metzgergasse und im ehemaligen Residenzhotel gemietet. Zu Fuß oder mit dem Rad sei man schnell am neuen Schulstandort. Mit Planung und Umsetzung habe man eine „Meisterleistung” vollbracht, „die Räume können sich sehen lassen”, freute sich Schilling.

Aktuell müsse man Auszubildende aus anderen Ländern rekrutieren, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und habe damit gute Erfahrung gemacht. „Angehende Abiturienten, die warten, Medizin zu studieren, treffen auf marokkanischen Nachwuchs mit einigermaßen guten Deutschkenntnissen.” Das müsse man nun zusammenbringen, so Schilling. Eine Herausforderung, der sich Andrea Hirsch und Uwe Nickel gerne stellen wollen. Nickel betonte: „Unser Campus ist jetzt noch ein Stück mehr international”.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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