Zu teuer: Aussichtsturm für Landesgartenschau in Bad Windsheim wird schlanker | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.05.2025 12:00

Zu teuer: Aussichtsturm für Landesgartenschau in Bad Windsheim wird schlanker

So soll die elegante Variante des Bad Windsheimer Landesgartenschau-Turms nun aussehen. (Skizze: imagine structure GmbH)
So soll die elegante Variante des Bad Windsheimer Landesgartenschau-Turms nun aussehen. (Skizze: imagine structure GmbH)
So soll die elegante Variante des Bad Windsheimer Landesgartenschau-Turms nun aussehen. (Skizze: imagine structure GmbH)

Auf der Landesgartenschau in Bad Windsheim soll es einen Aussichtsturm geben. Allerdings in deutlich abgespeckter Variante als anfangs geplant. Das erste Modell war mit einer Schätzung von rund 1,8 Millionen Euro als nicht finanzierbar angesehen worden. Die jüngste Schätzung liegt nun bei knapp einer Million Euro brutto.

Damit konnten alle Kreisräte bis auf David Muck (Grüne) in der gemeinsamen Sitzung des Kreis- und des Kreisbauausschusses „leben“ – wenn auch der eine oder andere mit starken Bauchschmerzen angesichts der Kosten. Die beiden Planer Professor Dr. Arne Künstler und Eike Heidelberg stellten dem Gremium, per Video zugeschaltet, die aktuelle Gestaltung vor. Diese war, im reduzierten Kostenrahmen, zwischenzeitlich von Künstler in enger Zusammenarbeit mit Professor Christian Barta von der Hochschule Ansbach, der den ersten Entwurf erstellt hatte, entwickelt worden.

Kosten für Ausstellung noch offen

Die Grobkostenschätzung von rund 850.000 Euro (netto) umfasst laut Sitzungsunterlage nur die bauliche Umsetzung des Projektes, nicht die Kosten für die noch zu konzipierende Ausstellung darin. Bei Letztgenannter versuche man viel in Eigenleistung zu machen und vorhandenes Know-how zu nutzen.

Die in Aussicht gestellte Leader-Förderung seitens der LAGen Rangau und Südlicher Steigerwald liegt bei je 42.000 Euro, von der LAG Aischgrund bei 216.000 Euro. Landrat Dr. Christian von Dobschüz erinnerte, bevor die Fachleute ins Detail gingen, daran, dass die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen, die Mitglieder des Arbeitskreises „Landesgartenschau“ sowie die Vertreter der Lokalen Aktionsgruppen einen Ortstermin auf dem Gartenschau-Areal hatten, das man als Standort für den Turm ins Auge gefasst hat.

Die erste Visualisierung des Aussichtsturms für die Landesgartenschau in Bad Windsheim war äußerst positiv aufgenommen worden. Für Ernüchterung sorgte eine grobe Kostenschätzung. (Entwurf: Professor Christian Barta)
Die erste Visualisierung des Aussichtsturms für die Landesgartenschau in Bad Windsheim war äußerst positiv aufgenommen worden. Für Ernüchterung sorgte eine grobe Kostenschätzung. (Entwurf: Professor Christian Barta)

Turm für die Landesgartenschau in Bad Windsheim: Abspecken statt klotzen

Die Kostenschätzung für einen Aussichtsturm von 1,8 Millionen Euro stößt auf viel Kritik. Jetzt wird nach einer billigeren Alternative Ausschau gehalten.

„Von diesem Standort aus hat man einen guten Blick auf das Gelände der Landesgartenschau, auf die Therme und die Region“, merkte von Dobschütz an und gab zu bedenken, dass man derzeit bei dieser Veranstaltung an vielen Strippen parallel ziehen müsse. Grund: Es gibt es ein konkretes Abschlussdatum.

Modell wird „schlanker und eleganter”

Künstler und Heidelberg wiesen anschließend darauf hin, dass man in den jüngsten Entwurf viele Ideen eingebracht hatte. „Der Turm ist nun schlanker und eleganter. Die Gesamthöhe wurde auf 19 Meter reduziert, die Aussichtsplattform auf sechs mal sechs Meter verkleinert.“ Die dorthin führende Treppe verlaufe wie eine Spirale – sich nach oben wendelnd. Vorgesehen ist zudem ein horizontales Stabgeländer.

Die Aluminium-Lamellen sollen, anders als bei der vorherigen Planung, nun etwas schräger gestaltet und ihre Anzahl reduziert werden. Auf diese Weise würden nicht nur Kosten gespart, das Ganze wirke so auch luftiger. Für die Lamellen bedürfe es jedoch einer Unterkonstruktion. Die in einer Höhe von 18 Metern erstellte Plattform wurde noch einmal ein weiteres Stück verkleinert, um einen Blick in die zulaufende Treppe zu ermöglichen.

„Er ist gekommen, um zu bleiben”

Doch was passiert mit dem Aussichtsturm nach dem Ende der Landesgartenschau 2027? „Es ist ein Turm der Regionen. Er ist gekommen, um zu bleiben“, beantwortete der Landrat die Frage von Kristin Langmann-Götz (CSU). Sie bedauerte, dass Gehbeeinträchtigte oder Leute mit Kinderwagen den Turm nicht nutzen könnten. „Wir wollen eine Videokamera oben installieren. So kann man unten verfolgen, was oben los ist.“ Der Einbau eines Aufzugs hätte die Kosten nochmals enorm gesteigert, so der Landrat.

Für Kinder werde aber so oder so viel geboten, genau wie für alle anderen Altersgruppen auch, stellte Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel fest. Auf dem Areal werden große Spielplätze errichtet, eventuell sogar der größte im Landkreis.

Der Zeitdruck sorgt für Ärger

David Muck ärgerte der Zeitdruck, unter dem auch das Gremium eine Entscheidung treffen musste. Der Turm koste viel Geld. „Wieso soll der Landkreis rund 700.000 Euro an Eigenmittel da reinhauen? Ich bin davon nicht so begeistert“, so Muck.

Der Turm bleibe im Besitz des Landkreises, für den Unterhalt komme die Stadt Bad Windsheim auf, antwortete der Landrat. Er hob hervor, dass man bei dem Projekt auch den monetären Mehrwert für den Landkreis sehe und man sich davon einiges verspreche. „Man sollte die Chance für ein weiteres Leuchtturmprojekt für den Landkreis nutzen“, betonte auch Hans Herold (CSU). Im Gespräch mit unserer Redaktion merkte er noch an, dass die Landesgartenschau inklusive aller baulichen Maßnahmen mit rund 22 Millionen Euro zu Buche schlagen wird.

Der Staat zahlt 18 Millionen Euro

Die staatlichen Fördermittel nebst der hohen Städtebauförderung belaufen sich demnach auf zirka 18 Millionen Euro. Das sah auch Helmut Reiß (UWG) ähnlich, die Gartenschau sei „etwas Besonderes“, wo sich der Landkreis darstellen könne. Auf die Beleuchtung ging Werner Zurwesten (ÖDP) ein. Man müsse dabei auch an die Tierwelt denken. Die Beleuchtung sei noch nicht final entschieden, entgegnete von Dobschütz. Jürgen Heckel (WiR) bedankte sich beim Landkreis, dass dieser den Turm baue. Die Stadt hätte dafür kein Geld gehabt, räumte er ein.

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