Der erste Scheinfelder Stadtführer Rudolf Ilg lässt nun andere erzählen | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 05.04.2026 17:27

Der erste Scheinfelder Stadtführer Rudolf Ilg lässt nun andere erzählen

Rudolf Ilg findet schnell einen Einstieg in seine Geschichten. Stets spielten die Menschen, die ihm begegneten, eine große Rolle für ihn. (Foto: Anita Dlugoß)
Rudolf Ilg findet schnell einen Einstieg in seine Geschichten. Stets spielten die Menschen, die ihm begegneten, eine große Rolle für ihn. (Foto: Anita Dlugoß)
Rudolf Ilg findet schnell einen Einstieg in seine Geschichten. Stets spielten die Menschen, die ihm begegneten, eine große Rolle für ihn. (Foto: Anita Dlugoß)

„Wenn Sie von Markt Bibart über den Höhenrücken auf Scheinfeld zufahren, fallen Ihnen zwei Bauwerke auf: die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und Schloss Schwarzenberg.” So begannen meist die Stadtführungen von Rudolf Ilg.

Ob das Rathaus, die ehemalige Stadtmühle oder der Standort der ehemaligen Synagoge – keine Historie ist Ilg in Scheinfeld fremd. Über 20 Jahre war er Stadtführer und hat Hunderten von Interessierten deren Geschichte und Geschichten nahegebracht. Mitte März hat der 78-Jährige seine letzte Führung gegeben. Sieben Personen, so Ilg, haben daran teilgenommen.

Der Lebenslauf von Rudolf Ilg nötigt mit Blick auf seine Tätigkeit als Stadtführer Respekt ab. Denn er konnte stets auf ein enormes Wissen zurückgreifen. 29 Jahre, von 1984 bis 2013 war er Stadtbaumeister. Auf rund 40 Jahre bringt er es beim Heimat- und Kulturverein, davon 20 Jahre als Vorsitzender bis 2021. 30 Jahre war er Wanderwegewart. Und Stadtführungen, die gab es von 2005 bis 2026. Von Anfang seines Berufslebens an hatte der studierte Bauingenieur führende Positionen inne, anfangs am Rangierbahnhof in Nürnberg. Aber: „Ich bin ein Erzähler“, sagt der sympathische Senior, ein gebürtiger Nürnberger übrigens, dessen Großeltern in Scheinfeld lebten. So zog es ihn nach seinem Studium wieder dorthin.

„Ich war immer von tollen Leuten umgeben“

Wenn man diesem erfahrenen Erzähler zuhört, dann fällt eines auf: Bei seinen Aufgaben suchte er sich immer Menschen mit bestem Sachverstand aus. Das war in der Arbeit der Fall und das sagt Ilg über Hans Meyer, der häufig Stadtführungen übernahm, wenn Ilg verhindert war und jetzt für die reibungslose Fortsetzung sorgt. „Ich war immer von tollen Leuten umgeben“, so Ilg. Gerne erinnert er sich auch daran zurück, wie er den Heimat- und Kulturverein wieder mitgliederstark machte, indem er andere Vereine unter dessen Dach aufgenommen hat. Hier und bei vielen anderen Dingen erwies sich Rudolf Ilg als erfolgreicher Pionier.

Gerne erklärte er den Gästen die Stadtpfarrkirche. Sie war die zentrale Station im Kirchen- und Kapellenweg, der unter anderem über die Erlöserkirche, die Schlosskirche, das Kloster, die Sebastians- und die Friedhofskapelle St. Jodok verläuft. Gibt es in Scheinfeld so viel zu entdecken? Offenbar: „Der Weg dauert drei Stunden“, sagt Ilg. Die Geschichte Scheinfelds hat ihn stets interessiert. Dass der Ort ohne das Fürstenhaus Schwarzenberg nicht denkbar ist, und dass die Stadt einst 23 Märkte hatte – Rudolf Ilg weiß vieles. Und in Sachen Architektur kann ihm keiner so schnell das Wasser reichen.

An einigen Häusern sind Info-Tafeln angebracht

Für die Stadtführungen hat der Wahl-Scheinfelder an zahlreichen bedeutsamen Häusern Info-Tafeln anbringen lassen. „Das war mir oft eine Hilfe. Meistens habe ich ja alles gewusst, nur die Jahreszahl nicht. Ich habe das alles mit wenigen Daten gemacht“, erzählte er. Denn an Jahreszahlen, so habe er erfahren, können sich die Besucherinnen und Besucher später nicht mehr erinnern. Ein Schwerpunkt seines Wissens bildet neben den sakralen Bauten und den historischen Häusern Scheinfelds die jüdische Geschichte des Ortes. Auch Führungen für Kinder begeisterten ihn immer.

Demnächst werden die Stadtführungen von neuen Gästeführern übernommen. Sie sollen dann, wie die Schlossführungen, regelmäßig stattfinden. Federführend steht hier der Heimat- und Kulturverein Scheinfeld in Person von Bernd Klatt, der aber auch noch weitere Mitstreiter sucht. Interessenten, die künftig Stadtführungen in Scheinfeld übernehmen wollen, können sich gerne beim Kulturamt der Stadt Scheinfeld unter der Telefonnummer 09162/92911300 melden. Die sachliche und fachliche Einarbeitung erfolgt dann durch Bernd Klatt.

north