„Zu fantasielos”: Kritik an großen Hotel-Plänen in Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.06.2023 18:55

„Zu fantasielos”: Kritik an großen Hotel-Plänen in Rothenburg

Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer am Tor zum Brauhaus. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer am Tor zum Brauhaus. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer am Tor zum Brauhaus. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

„Angenehm überrascht“ ist Stadtheimatpfleger Hans-Gustaf Weltzer vom Statement des Oberbürgermeisters Dr. Markus Naser zum Hotel-Projekt Brauhaus. Als „sehr offen“, „sehr klar“ und „glaubwürdig“ empfand er Nasers Begründung seiner Nein-Stimme zu den Plänen. Denn auch der Stadtheimatpfleger ist nicht begeistert.

Weltzer ist sich in vielen Punkten einig mit dem OB. Zum Beispiel, was die Größe des Hotels angeht. Derzeit geplant sind 170 Zimmer, wie Cemal Isin vom Architekturbüro Isin dem Stadtrat erklärt hatte. Das Büro ist Architekt, Generalplaner und Investor für das Hotel-Projekt.

Naser meinte dazu unter anderem in seinem Statement, dass er die Pläne an der Stelle zu groß und mit 170 Zimmern überdimensioniert finde – Weltzer ist seiner Meinung. Er sagt: „60 Zimmer reichen auch.“

Brauhaus-Hotel ist dem Stadtheimatpfleger zu groß

Weltzer ist der vorgestellte aktualisierte Entwurf zu groß, zu hoch und „gestalterisch nicht gelungen“. Ihm zufolge sind die Pläne „einfach zu fantasielos“ und der geplante Hotel-Neubau sehe wie ein nicht gut gestaltetes Verwaltungsgebäude aus. Das passt für den Stadtheimatpfleger nicht, denn das Areal vor dem Klingentor sei ein „ganz bedeutender Platz“ in der Stadt. „Das ist eine ganz markante Stelle.“

Und hierfür seien die geplanten Gebäude von der Kubatur her zu wuchtig, zu groß, zu dominant. Auch die geplante Scheune gefällt ihm nicht – „von der Gestaltung her ist es etwas, was nicht typisch für die Gegend ist“. Auch die drohende Verkehrsbelastung ist für ihn Thema.

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Den Gesamtentwurf kommentiert er so: „Wenn ich in ein Bekleidungsgeschäft gehe, dann frage ich nicht, was noch übrig ist und nehme das. Sondern ich gehe hin und habe Vorstellungen, was ich haben möchte. Oder ich lasse mich ein bisschen inspirieren.“

Weltzer: „Es hat etwas Entwertendes”

Doch hier solle etwas gebaut werden, „was ganz gut gefällt, was finanziell ins Konzept passt“. Das Gelände sei sinnbildlich nicht gefragt worden, was es vertrage, was hier hinpasse. „Es hat etwas Entwertendes“, meint Weltzer. Der Stadtheimatpfleger: „Die Stadträte beklagen ja, dass endlich was passiert. Wobei man sich fragen muss: Muss wirklich was passieren und übers Knie gebrochen werden? Das ist fadenscheinig.“ Stattdessen solle man sich Mühe geben und die Herausforderung angenommen werden, etwas zu finden, das auf dem Brauhaus-Areal passend zur Umgebung, zur Stadt und zum „Organismus Stadt“ entstehen kann.

Die Dimension 170 Zimmer vor dem Klingentor und „vielleicht 17 Zimmer“ in der Klingengasse, „da passt was nicht zusammen“. Die Gasse würde überflutet. „Das ist unharmonisch. Und darauf muss man achten.“

Denkbar für ihn: Statt eines Hotels auf dem Brauhaus-Gelände ein kleines Wohn-Areal errichten, „natürlich mit hohem gestalterischem Anspruch, also keine Reihenhaussiedlung.“ Das Sudhaus könnte zu Wohnraum werden, auch eine Galerie kann sich Weltzer hier vorstellen. Denn: „Eine richtig ordentliche Galerie in Rothenburg fehlt.“ Das Sudhaus sieht er hier als Chance. Das Fleischhaus am Marktplatz zum Beispiel, in dem der Künstlerbund Werke zeige, sei ein „guter Ausstellungsraum“ und wichtig für die Stadt, aber eben keine Galerie.

Verfallenlassen oder ein Parkplatz?

Zu spät kommen die Gedanken an eine Galerie an dieser Stelle nicht, findet der Stadtheimatpfleger. Es müsse der Wille da sein, etwas zu gestalten, ohne nachher sagen zu müssen: „Man sieht es ja nicht wirklich.“ Denn es gebe auch gut gestaltete Bauten, auf die man stolz sein könne. Ein gutes Beispiel ist für ihn die Realschule: Ein moderner Bau, der sich sehen lassen könne und der nicht dominant dastehe.

Was für einen Hotel-Neubau er sich tatsächlich auf dem Brauhaus-Gelände vorstellen kann: Ein modern gestalteter Flachdach-Neubau „wäre hier ideal“, der die Stadtmauer mit aufnehme, aber „nicht die Stadtkante übertrumpfen möchte“.

Auch möglich für ihn: Eine Anordnung kleinerer Gebäude, die die typische fränkische Dachneigung haben. Diese müssten aber „deutlich niedriger“ sein als das Sudhaus. Ein Parkplatz für etwa 100 Autos (begrünt, nicht versiegelt, vielleicht mit Kiosk) wäre für ihn vor dem Klingentor ebenfalls denkbar – „bevor ich hier ein nicht gelungenes Wellnesshotel hinbaue“.

Auch ein gezieltes Verfallenlassen nennt er als Option. Auf die Frage, ob ihm das lieber als ein Hotel sei, antwortet er: „Ja. Es ist einfach zu groß.“ An die Einheimischen gerichtet sagt er: „Wenn wir das nicht wollen, müssen wir was machen und eine Lösung finden, die für Rothenburg gut ist.“

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