Rothenburg: Großes Hotel am Brauhaus-Gelände kann kommen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.06.2023 14:54

Rothenburg: Großes Hotel am Brauhaus-Gelände kann kommen

Kam mit einem Lächeln – ob er auch mit einem ging, ist nicht bekannt: Cemal Isin. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Kam mit einem Lächeln – ob er auch mit einem ging, ist nicht bekannt: Cemal Isin. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Kam mit einem Lächeln – ob er auch mit einem ging, ist nicht bekannt: Cemal Isin. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Es hat lange gedauert, aber: Das Hotel-Projekt auf dem Brauhaus-Gelände scheint Wirklichkeit zu werden – und zwar relativ bald. Schon 2026 könnte alles fertig sein, sagte Cemal Isin, als er die aktuelle Planung vorstellte.

Sein Büro sei Architekt, Generalplaner und Investor gleichzeitig, als Betreiber für Hotel und Gastronomie wurde ein Partner gefunden. Die neue Situation erklärte der Architekt und geschäftsführende Gesellschafter der isin +co Generalplaner Architekten Consultant aus Aalen zufrieden und mit einem leichten Lächeln den Stadträten im Sitzungssaal im Rathaus.

Isins Büro hatte vor knapp vier Jahren die Ausschreibung gewonnen, jetzt liefert es Ergebnisse – Pandemie-bedingt später als erwartet. Als Betreiber wurde die Odyssey Hotel Group aus Utrecht in den Niederlanden gefunden. Isin war es wichtig, eine internationale Marke nach Rothenburg zu holen, betonte er. Die Gruppe hat aktuell 20 Hotels, davon elf in Deutschland, und verfügt über 3316 Hotelzimmer. Ihr Ziel ist es, auf 150 Hotels bis 2026 zu wachsen.

Hofbräu am Altstadtrand von Rothenburg

2026 könnte auch das Brauhaus öffnen – falls es vor Ort keine Probleme gibt; etwa mit den Fledermäusen. Standort und Konzept seien „geprüft und bestätigt“, der Mietvertrag zwischen dem Isin-Büro und Odyssey soll im dritten Quartal 2023 unterschrieben werden (Dauer 20 Jahre, Option auf 30 Jahre). Odyssey werde das Hotel als „4+ Sterne“ unter der Marke „Indigo by IHG“ und das Sudhaus als Brauhaus-Gaststätte unter der Marke „Hofbräu“ betreiben. Eine „sehr gute Marke“ für den Standort Rothenburg, findet Isin.

Das aktualisierte Konzept fürs Hotel sieht derzeit 170 Zimmer vor, die neu zu bauenden Gebäude haben sich verschoben – so, dass die Keller nicht überbaut werden. Das Ensemble soll – so weit möglich – klimaneutral errichtet werden. Die Wärme soll per Geothermie aus der Erde kommen, eventuell gibt es PV-Anlagen, Regenwasser soll aufgefangen und genutzt werden. 65 Stellplätze soll es in der Tiefgarage geben, 49 oberirdisch. Der Wellnessbereich ist mit 690 Quadratmetern im Innenbereich und 460 Quadratmetern im Außenbereich eingeplant; was sich aber noch ändern könne, betonte Isin.

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Er sprach lange und ausführlich zu den Stadtratsmitgliedern und der Verwaltung, er thematisierte dabei auch Probleme (Vervierfachung der Finanzierungskosten, Preissteigerungen von rund 45 Prozent seit dem Jahr 2019, Lieferkettenproblematik).

Lob und Kritik zur Planung von Cemal Isin

Rechtsdirektor Michael Sommerkorn wies darauf hin, der Beschlussvorschlag sehe nur vor, der „grundsätzlichen Planung“ zuzustimmen und auf dieser Grundlage die weiteren Verfahrensschritte einzuleiten. Für Details sei es zu früh. Die Fraktionsvorsitzenden äußerten sich; einzelne Stadtratsmitglieder hatten Fragen, Lob, aber auch Kritik.

Das Schlusswort ergriff Oberbürgermeister Dr. Markus Naser – und sprach sich dabei gegen den Verwaltungsvorschlag aus. Er sagte: „Im Jahr 2019 hat sich der Rothenburger Stadtrat dafür entschieden, ein Investoren-Bewerbungsverfahren für das Brauhaus-Areal zu starten. Dieses Investoren-Bewerbungsverfahren hatte einen Sieger, das war das Architekturbüro Isin. Ich war damals noch Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg, ich habe mich als Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg gegen dieses Projekt ausgesprochen aus mehreren Gründen.“ Ihm zufolge kann man es so zusammenfassen: Es sei zu groß, zu modern „oder in anderen Worten gesprochen: Es hält sich nicht an unsere Baugestaltungssatzung“.

Weiter sagte er: „Als Oberbürgermeister ist es meine Pflicht, die Entscheidungen des Stadtrates und die Beschlüsse des Stadtrates umzusetzen. Ich habe die letzten drei Jahre zusammen mit Herrn Isin damit verbracht, dieses Projekt so weit zu bringen, dass es Ihnen vorgestellt werden kann und Sie sich dann entscheiden können, ob Sie das Projekt so weitermachen wollen oder nicht. Ich muss aber auch sagen, dass ich persönlich meine Meinung nicht geändert habe.“

Naser findet das Hotel für Rothenburg zu groß

Er finde das Projekt an der Stelle zu groß und mit 170 Betten überdimensioniert. „Ich bin der Meinung, dass in der Planung, wie sie damals vorlag und wie sie jetzt vorliegt, das Sudhaus von der eigentlichen Dominante dieses Areals zu einem Nebengebäude degradiert wird.“ Der Hotelneubau ist ihm zu lang und zu hoch. Man solle an dieser Stelle grundsätzlich darüber diskutieren, „wie viel uns unsere Baugestaltungssatzung wert ist“. Denn das Hotelprojekt liege innerhalb der Gültigkeit der Baugestaltungssatzung, innerhalb des Altstadt-Ensembles.

Naser betonte in seiner Rede, dass das „eines der bedeutendsten Flächendenkmäler“ in Deutschland sei, sogar weltweit. Und: „Das ist meine persönliche Meinung. Ich habe als Oberbürgermeister zwar diese Meinung im Verfahren ein, zwei Mal anklingen lassen, ich habe das Verfahren aber immer so gestaltet, dass ich die Verpflichtung, den Auftrag des Stadtrates mitgetragen habe. Und ich gehe davon aus, dass alle, die weiter am Verfahren beteiligt waren, das auch bestätigen können.“

Er führe das Vorhaben entsprechend des Stadtrats-Wunsches aus 2019 fort. Damals sei schon bekannt gewesen, dass es ein moderner Baustil sei, „keiner, der der Baugestaltungssatzung entspricht“. Naser: „Die Dimension war zumindest annähernd bekannt, nicht in der Gänze, aber zumindest annähernd. Man hat sich trotzdem bewusst dafür entschieden. Deswegen lautet auch der Beschlussvorschlag so wie er lautet, weil die Verwaltung insgesamt der Meinung ist, dass es schon dem entspricht, was damals hier im Gremium vorgestellt worden ist.“

Er bat um Verständnis, dass er persönlich dem Beschlussvorschlag nicht zustimmen könne. Das Ergebnis der Abstimmung: 13 dafür, acht dagegen.

„Kein einfaches Projekt” rund ums Brauhaus

Isin und sein Partner Andreas Oberem, der auch im Rathaus war, sagten anschließend im Gespräch mit der Redaktion: „Die Stimmung bei der Stadtratssitzung war erwartbar, weil natürlich ein neues, großes Gebäude in die Stadt kommt und das Aufmerksamkeit erregt und weil wir diese speziellen Themen Artenschutz und Denkmalschutz unter einen Hut bringen müssen bei einem großen und dominierenden Gebäude.“

Die Einwände von einzelnen Stadtratsmitgliedern seien „gerechtfertigte Einwände, mit denen wir jetzt umgehen müssen“. Isin werde versuchen, sie zu berücksichtigen, wo es geht. Das Statement Nasers bezeichnete er als „sehr deutlich“, es sei von seiner Lehrtätigkeit, seiner Ausbildung und seinem Hintergrund als Historiker und Denkmalschützer getragen. „Wir nehmen das zur Kenntnis und respektieren das.“

Isin sprach von „guten Gesprächen“, von Verständnis. Er sei sich sicher, dass „wir zusammen mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat hier auf einem guten Weg sind“. Die Sorge einiger, dass die Sitzung nachhallen könnte, kommentiert er so: „So schnell lassen wir uns nicht verscheuchen.“

Beide betonten: „Es ist kein einfaches Projekt, das haben wir immer gesagt.“ Letztlich müssten alle den Weg zu einer gemeinsamen Entscheidung finden. „Wir betreiben hier einen sehr, sehr großen Aufwand, haben eine sehr große Investition vor uns, und wir glauben auch, dass das für Rothenburg eine unheimliche Bereicherung sein wird.“ Auch die Gastronomie werde profitieren. „Wir werden nicht gegen Windmühlen kämpfen, werden uns aber auch nicht so schnell verscheuchen lassen.“

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