Vor der Premiere: „Der Diener zweier Herren” bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.06.2026 08:00

Vor der Premiere: „Der Diener zweier Herren” bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen

Bringt „Der Diener zweier Herren” im Kreuzgang auf die Bühne: der Regisseur Achim Conrad. Vor ihm liegen Kostümentwürfe, die Heike Engelbert für die Komödie gezeichnet hat. Neben ihm steht ein Bühnenbildmodell von Werner Brenner. (Foto: Thomas Wirth)
Bringt „Der Diener zweier Herren” im Kreuzgang auf die Bühne: der Regisseur Achim Conrad. Vor ihm liegen Kostümentwürfe, die Heike Engelbert für die Komödie gezeichnet hat. Neben ihm steht ein Bühnenbildmodell von Werner Brenner. (Foto: Thomas Wirth)
Bringt „Der Diener zweier Herren” im Kreuzgang auf die Bühne: der Regisseur Achim Conrad. Vor ihm liegen Kostümentwürfe, die Heike Engelbert für die Komödie gezeichnet hat. Neben ihm steht ein Bühnenbildmodell von Werner Brenner. (Foto: Thomas Wirth)

Bei den Kreuzgangspielen geht es Schlag auf Schlag im Kontinentalsprung von einer Inselstadt zur nächsten. Auf New York folgt Venedig, auf den „Großen Gatsby” der „Diener zweier Herren”. Achim Conrad inszeniert die Komödie von Carlo Goldoni. Premiere hat die Produktion am Donnerstag, 11. Juni, um 20.30 Uhr.

Wenn es einen italienischen Komödien-Klassiker auf deutschen Bühnen gibt, dann ist es Goldonis „Diener zweier Herren”. Das Stück, 1746 in Mailand uraufgeführt, gehört seit Goethes Zeiten auch hierzulande zum Kernbestand des Repertoires. Goldoni knüpft mit seinem „Diener” an die Tradition der früheren italienischen Commedia dell’arte an, steuert aber schon auf die Charakterkomödie zu.

Die Handlung sieht man lieber auf der Bühne, wo sie komisch und voller Verwechslungen ist, als dass man sie nacherzählt und damit bloß Verwirrung stiftet. Nur so viel: Truffaldino, schlecht bezahlt und immer hungrig, nimmt zwei Jobs gleichzeitig an. Er hat somit zwei Herren, die nichts voneinander wissen dürfen.

„Unglaubliche Tragik” der handelnden Figuren

Damit das so bleibt, muss Truffaldino sich einiges einfallen lassen und auch mächtig lügen. Noch dazu kommt, dass der eine Herr in Wahrheit eine Frau ist, die sich als ihr toter Bruder verkleidet hat, um ihren Geliebten zu suchen. Der aber ist just der andere Herr.

Ursprünglich ließ Goldoni in seinem Text, wie es für die volkstümliche Commedia dell’arte typisch ist, viel Raum für improvisierte Späße und Stegreifspiel. 1789 hat er sich, er war da schon 82, die Komödie aber noch einmal vorgenommen und die Textlücken geschlossen.

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Spielfassungen und Übersetzungen sind seitdem viele entstanden. Welche nehmen? Für Achim Conrad, der Italienisch spricht, war schnell klar: „Ich nehme mir jetzt mal wirklich den ganz originalen Goldoni – so weit, der überhaupt original ist.” Da hat er für sich eine Entdeckung gemacht: „Das hat viel mehr von Shakespeare, finde ich, als man sonst in den Versionen vom ,Diener‘ mitkriegt.” Klar, die Komödie steht im Vordergrund, aber Conrad erkennt auch „eine unglaubliche Tragik“ bei den handelnden Figuren.

Keine typenhaften Komödienfiguren

Heftig findet er etwa, „dass da eine Frau, deren Bruder gerade ermordet worden ist, sich als Mann verkleidet und nach Venedig reist, um dort das Geld zu bekommen, das dem Bruder gehört.” Warum verkleidet sie sich? „Weil ihr einfach klar ist, dass sie da als Frau nie eine Chance hätte”, erläutert Conrad.

Keine typenhafte Komödienfiguren will er daher zeigen, sondern „Menschen aus Fleisch und Blut”. Deren Not soll beim Publikum auch mal so tief sacken, „dass man selbst für einen Moment den Atem anhält – weil man mit einer Figur mitleidet”. So etwas braucht Zeit und ruhigere Momente. Dementsprechend will der Regisseur für seine Inszenierung einen eigenen Rhythmus finden: „Es wird kein durchgängiges Komödientempo geben, sondern ziemliche Unterschiede zwischen den Szenen.” Was nicht heißt, dass die Produktion in die Breite geht. Eineinhalb Stunden werde sie dauern, schätzt der Theatermacher.

Noch etwas anderes war ihm wichtig: Musik, italienische Liebeslieder, Canzoni, die zur jeweiligen Figur und zur Situation passen. Sie sollen sich organisch aus der Handlung ergeben – und live auf der Bühne musiziert werden: keine Einspielungen, keine Kapelle, nur neun Schauspielerinnen und Schauspieler, die singen und sich mit Gitarre begleiten.

Wenn sich dabei auch Urlaubsstimmung im Kreuzgang einstellt, ist das durchaus im Sinn von Achim Conrad: „Ich hoffe sehr, dass ein bisschen italienisches Lebensgefühl entsteht.”


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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