In fremde Länder reisen, in einer Villa leben, umgeben von Palmen. Am Abend die Sonne beobachten, wie sie hinter dem Meer verschwindet. Wovon viele träumen, ist für Frank Ulf Josten Realität. Der 56-Jährige lebt in Batu Belig auf Bali und besucht etwa einmal im Jahr seine Verwandten in Ippesheim.
Man könnte meinen, Frank Ulf Josten sei fürs Reisen gemacht. Geboren in München, verschlug es ihn nach Aufenthalten in Bergisch Gladbach und bei der Bundeswehr in Schleswig-Holstein zum Studieren nach Hamburg, um die Kunst des Schiffbaus zu erlernen.
In genau diesem Beruf war Josten dann auch in Frankreich tätig, kam später zurück nach Hamburg, um zu promovieren und zu arbeiten. Mit dem Germanischen Lloyd ging er dann nach Asien – China, Singapur, Vietnam. Doch wer an Schiffen arbeitet, lebt meist in Industriegebieten, denn Schiffe brauchen Platz, sagt er. Und weil Frank Ulf Josten irgendwann auch mal an sein Privatleben denken wollte, gab er den Beruf als Schiffbauer im Jahr 2009 auf.
Trotzdem blieb er noch zwei Jahre auf eigene Faust in Vietnam. Danach ging es nach Bali. Die indonesische Insel hatte er bereits 1992 zum ersten Mal besucht, später dort mehrmals Urlaub gemacht. Seit 2011 ist sie seine Heimat.
Im Ort Batu Belig lebt er in einer Villa mit Garten. Sein Geld verdient er heute vor allem mit Immobilien in Hamburg und Stralsund. Und auch seine deutsche Staatsangehörigkeit wird er nicht abgeben, wie er sagt. Denn als Deutscher könne man froh sein, einen funktionierenden Sozialstaat mit Versicherungen hinter sich zu wissen, so Josten.
Ein kleines bisschen ist es auf Bali dann aber doch wie in Deutschland: Ganz stolz schleppen die drei Katzen Jostens regelmäßig ihre hart erkämpfte Beute an, um sie ihm zu präsentieren. Der Unterschied zu seinem Herkunftsland: Statt Mäusen wird auch gerne mal eine Schlange vor die Tür oder auch in den Garten gelegt, wie er erzählt. Ob die giftig sind, kann er nicht immer sagen und ausprobieren will er es ganz sicher nicht.
Und was macht Mensch so den ganzen Tag auf Bali? Erstmal Kaffee, dann E-Mails und die Nachrichten (indonesische und deutsche) verfolgen, später ein bisschen Joggen am Strand und anschließend vielleicht noch den Sonnenuntergang mit Freunden genießen. Das Paradies auf Erden? Nun ja – ganz so rosarot will Josten sein Leben dann doch nicht malen. „In jedem Land, in dem man wohnt, gibt es administrative Dinge zu klären“, sagt er, die Bürokratie hat überall ihre Tücken. Er empfiehlt deshalb, nicht Hals über Kopf auszuwandern oder die deutschen Wurzeln vorschnell zu kappen, sondern es sich gründlich zu überlegen.
Was ihm an Bali auf jeden Fall gefällt, ist das Wetter. „Man muss nicht überlegen, was man anzieht. Einfach Schlappen an und dann raus“, sagt der braun gebrannte Balinese mit Wurzeln in Ippesheim.
In der Fremde sei ihm zunächst immer wichtig gewesen, Land und Leute kennenzulernen, die einheimische Küche zu testen, mit der Kultur und den Einheimischen in Kontakt zu treten. „Aber irgendwann merkt man: Man hat doch eine bestimmte Mentalität, die zeigt, wo man aufgewachsen ist“, meint Josten. So habe er auch erkannt: „Ich mag vielleicht doch lieber Kartoffeln statt Reis.“ Und Kartoffeln sind auf Bali eher selten zu haben. In Ippesheim schon.
Ganz andere kulinarische Finessen hat er in Vietnam kennengelernt. Dort war er in einem Restaurant, wo er sich eine Schlange aussuchen konnte. Diese wurde vor seinen Augen getötet. Ihr Blut floss in ein Wodka-Glas ab, die Gallenflüssigkeit in ein weiteres. Anschließend wurde das Fleisch gegrillt und die Einzelteile der Schlange auf verschiedenen Tellern aufbereitet, erzählt er. Das Herz wurde dann auf einem extra Teller serviert – noch pochend. Das war ihm dann doch zu viel, gibt er mit einem Lachen zu.
Trotz oder gerade wegen Erlebnissen wie diesem habe er sich „essensmäßig nicht so ganz integriert“, bekennt Josten. Auf Bali geht er deshalb auch gerne mal zum deutschen Metzger oder Bäcker. „Man merkt dann doch, man ist Deutscher. Aber ich hab keine Schuldgefühle mehr deswegen“, sagt er und grinst.
Zu Besuch in Deutschland freut er sich deshalb auch immer auf ein Leberkäs-Brötchen. Etwa einmal im Jahr kommt das vor, da besucht er Verwandte an unterschiedlichen Orten im Land. Meistens ist dann auch ein Halt in Ippesheim eingeplant. Dort wohnt er dann bei seinem Cousin Ulrich Beigel und seine Cousinen begleiten ihn auch gerne mal auf Ausflüge – wie diesmal zum Beispiel nach Rothenburg.
Auch als Kind war Ippesheim wichtig für ihn. Dort verbrachte er seine Schulferien, sah seine Großmutter als wichtigste Bezugsperson, wie er erzählt. Doch die Zeit im Weinort bedeutete auch Arbeit: So war er oft mit auf dem Acker oder half dem Winzer in der Familie beim Flaschen abfüllen.
In Franken hat er sich immer wohlgefühlt, aber beruflich hatte er hier keine Zukunft. Und obwohl ihm die Region so gut gefällt: „Wenn mich jemand fragt, bin ich immer noch Hamburger“, gibt er mit einem Lächeln zu.
Wenn er jetzt noch einmal zum ersten Mal nach Bali käme, wäre er sich nicht sicher, ob er „denselben Hype wie vor 30 Jahren verspüren würde“, sagt Josten. Denn die Insel sei kommerzieller geworden. Doch bestimmte Rituale gibt es nach wie vor, und diese schätzt der 56-Jährige sehr. Da die Insel sehr hinduistisch geprägt ist, gibt es dort beispielsweise den „Nyepi Day“, den Tag der Stille. An diesem darf niemand sein Haus verlassen, alles ist ruhig, die Geschäfte sind zu. Sogar der Flughafen streikt dann, sagt Josten.
Der Tag gilt der Meditation, um in das neue balinesische Jahr zu starten. Josten genießt es, wenn am Abend keine Lichter an sind, er den Sternenhimmel sehen kann. Und die Ruhe. Am Tag zuvor ist dagegen eher „Sturm“ angesagt: Mit selbst gebastelten Monstern aus Pappmaché ziehen die Jugendlichen durch die Straßen, erzählt er. Die Figuren seien bis zu fünf Meter hoch und mehrere Kilogramm schwer. Dabei entstehe eine Art Wettbewerb.
Zwei Dinge allerdings gibt es für Frank Ulf Josten, an die er sich auf Bali nie so recht gewöhnen konnte und nie gewöhnen will: „Scharf essen und zu spät kommen.“