Es ist keine neue Idee, in vielen anderen Städten und Gemeinden werden große Feste von Vereinen und ortsansässigen Einzelhändlern organisiert und mit Leben erfüllt. Nun hat man auch in Ansbach die Vorzüge einer Zusammenarbeit in den Fokus gerückt. Das neuentdeckte Miteinander soll Schule machen. Den OB würde es freuen.
Auf dem Altstadtfest waren und sind die Vereine aus dem weitläufigen Areal Ansbachs vertreten. In mehr oder minder starker Ausprägung. Erst vor rund zwei Jahren hatte Kulturreferentin Nadja Wilhelm das Interesse der Stadt an einer vermehrten Beteiligung der Vereine öffentlich gemacht und die Wichtigkeit des Teamworks betont. „Ein Fest von und für Ansbacher“ ist seitdem ein bewusst gewählter Slogan.
Für zahlreiche Vereine sind die fünftägigen Feierlichkeiten längst eine recht einträgliche Einnahmequelle. Der TSV Brodswinden löscht am Martin-Luther-Platz professionell Durst, Fichte Ansbach setzt in der Pfarrstraße auf hopfenhaltige Getränke, die Handballer der HG Ansbach haben den Platz unter den Linden an der Gumbertuskirche zum Altstadtfest zu einer angesagten Location gemacht. Die jeweilige Organisation der dazu nötigen Infrastruktur stemmen die Vereine selbst.
Jürgen Wolf (Café am Schloss) und Simon Horand (Nähzentrum) finden die Einbindung der Vereine grundsätzlich gut. Bei der Premiere des „Garten am Schloss“, wie die Ladenbetreiber das Areal zwischen Karl-Burkhardt-Platz und dem Eingang zur Neustadt genannt haben, sind sie noch einen Schritt weiter gegangen.
Für die Hardware wie Bestuhlung, Verkaufswagen und Bühne waren die Geschäftsleute zuständig, weite Teile des Personals stellte die Volleyballabteilung des TSV Ansbach. „Die Zusammenarbeit hat toll funktioniert. Als Verein hätten wir es niemals geschafft, das alles selbst zu stemmen“, erklärt TSV-Abteilungsleiter Tilman Botsch.
„Wir haben als Team gut funktioniert“, spricht Jürgen Wolf auf „klare Kommunikation und Zuständigkeiten“ an und findet, dass dieses Beispiel durchaus Schule machen könnte. „Das ist übertragbar“, glauben Wolf und Horand und sehen für die Vereine im Stadtgebiet im Teamwork zwischen Sport und Business eine große Chance. „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir viel bewegen. Für die Vereine ist es ein Imagegewinn, und sie werden im Stadtleben sichtbar.“
Eine klassische Win-win-Situation, die sich auch in Zahlen messen lässt: Am Samstag überreichten Wolf und Horand an die Volleyballer eine Spende über 3300 Euro – ihre Hälfte des Gewinns, der nun wieder in die Abteilung fließt. „Wir haben rund 25 Teams im Spielbetrieb und müssen für alle wieder neue Bälle anschaffen. Die Mitgliedsbeiträge reichen dafür nicht aus. Deshalb hilft uns dieses Geld enorm“, stellt Botsch zufrieden fest. Die Zusammenarbeit für das Altstadtfest 2025 ist bereits per Handschlag besiegelt.
Doch der umtriebige Unternehmer Wolf denkt größer. Er sieht in dieser erfolgreich absolvierten Premiere am Karl-Burkhardt-Platz, an der auch die Altstadtfreunde sowie Tante Anna mitwirkten, die Möglichkeit, die Struktur und Organisation des größten Festes des Jahres in Ansbach umzukrempeln. „Will man Wirte aus Nürnberg beim Ansbacher Altstadtfest?“, fragt er bewusst provokativ. „Kommerz darf nicht alles sein“, setzt Horand nach, und Wolf forciert den Ansbach-Charakter des Festes: „Wir müssen umdenken. Wenn Händler und Vereine gemeinsam in die Verantwortung treten, kann das gut funktionieren.“
Die verstärkte Präsenz der Vereine sehen die Initiatoren im Verbund mit einem Wechsel in der Gesamtorganisation. Bis dato hat die Stadt mit Kulturreferentin Nadja Wilhelm die Federführung bei dem Großereignis inne. Das könnte aber auch ein eigens dazu zu gründender Verein übernehmen.
Wenn wir unsere Stadt nicht lieben lernen, dann verlieren wir sie.
„Dieser Gedanke steht und fällt mit der Zusammenarbeit mit der Verwaltung“, sagt Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel dazu. Sie plädiert in diesem Zusammenhang für einen Abbau der Bürokratie: „Es muss eine enge Verzahnung geben mit pragmatischen Lösungen für die fünf Tage.“ Auch Wolf sieht darin eine große Chance. So könne sich Ansbach vom Image der Beamtenstadt lösen. „Wenn wir unsere Stadt nicht lieben lernen, dann verlieren wir sie“, glaubt der Unternehmer.
Ansbachs Stadtoberhaupt Thomas Deffner steht dem Gedanken, die Organisation des Altstadtfestes in Teilen oder ganz abzugeben, grundsätzlich positiv gegenüber. „Das müssen wir noch im Detail besprechen. Es bräuchte einen festen Ansprechpartner. Aber ich freue mich immer, wenn Menschen in Ansbach etwas machen.“